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Pfefferkorn

Tütensuppe - Notfallkit für den kleinen Hunger

Ulrike Gonder

Zugegeben: Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt! Aber nun habe ich meinen ersten Asia-Tütensnack gegessen. Der Geschmack war besser als erwartet. Es lässt sich also für ein paar Cent satt werden. Dafür gibt es allerdings wenig Nährwert, nur ein paar Kalorienlieferanten: eine Spur Eiweiß, etwas Fett und eine Menge Kohlenhydrate in Form von Stärke und Zucker. 

Je nach Hersteller gelangen so zwischen 200 und 400 Kilokalorien in den Magen. 200 Kilokalorien sind für eine „richtige“ Mahlzeit zu wenig, für einen Snack aber ok. Die 400er Variante ist als Zwischenmahlzeit zu üppig. Zumal Vitamine, Mineralstoffe und andere der Gesundheit zuträglichen Substanzen weitgehend fehlen. Was auch fehlt, ist dieses herrliche „Angenehm-satt-und-zufrieden-Gefühl“, das sich nach einem guten Schmaus einstellt. Aber hier geht es ja vorrangig darum, schnell etwas Warmes in den Bauch zu bekommen. 

Technisches Wunder

Bewunderung verdient der kleine Tütensnack dennoch. Denn um ein derartiges Produkt überhaupt möglich zu machen, ist technische Raffinesse nötig. So handelt es sich bei den Nudeln um Spezialanfertigungen, die nicht die üblichen acht, sondern nur drei Minuten brauchen, um gar zu werden. Bis eine gewöhnliche Teigware zur Tütensuppennudel taugt, muss sie einiges über sich ergehen lassen. Die Nudeln für asiatische Suppen werden zudem gerne in der Friteuse vorbehandelt. Das fördert Geschmack und Mundgefühl. 

Auch die Fettaugen stammen vom Designer. Damit das Fett in der Tüte schön pulvrig bleibt, später jedoch als flüssiges Fettauge obenauf schwimmt, braucht es eine steile Schmelzkurve. Diese technische Herausforderung meistern die Trockensuppenfett-Designer mithilfe der zahlreichen aus der Margarine-Industrie bekannten Kniffe wie Härtung, Umesterung und Fraktionierung. Der Konsument erfährt davon nicht viel. Auf dem Etikett findet sich meist nur ein Hinweis auf „Pflanzenfett, gehärtet“ – jene Variante, die nicht zu den gesündesten gehört. 

Auch Geschmacksverstärker, allen voran das Glutamat, gehören nicht zu meinem Lieblingszutaten. Glutamat stimuliert den Appetit und im Tierversuch auch Übergewicht. Bekannt ist, dass empfindliche Menschen auf Glutamat mit Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit und Beklemmungen reagieren können. Das ganze ist als „China-Restaurant-Syndrom“ bekannt, weil dort reichlich Glutamat zum Einsatz kommt. Es tritt vor allem dann auf, wenn die Suppe wie im Westen üblich auf nüchternen Magen gegessen wird. In China isst man die Suppe gewöhnlich nach dem Hauptgang. 

Geschmacksverstärker sind eine preiswerte und einfache Möglichkeit, auf teure Rohstoffe wie Fleisch oder Garnelen zu verzichten. Sie verstärken den Geschmack von salzigen Speisen und Brühen. Zusammen mit Zutaten wie hydrolisiertem Pflanzenprotein, Sojasoßen- und Knoblauchpulver, Zucker und eventuell ein paar Gewürzen gelingt es so, dem kulinarisch unbedarften Kunden eine richtige Suppe vorzugaukeln. 

Wundertüte

Der Tüteninhalt kommt oft nicht nennenswert mit Rind, Huhn, Champignons oder Shrimps in Kontakt. Wie auch: Geschmacklich relevante Mengen Rindfleisch, Suppenhuhn, Pilze oder Shrimps würden ja gar nicht in so kleine Tüten passen. Da ist es von großem Vorteil, dass die angedachten Geschmacksnoten auf den Verpackungen angegeben sind – ich hätte sie sonst nicht erkannt. 

Doch derartige Mängel lassen sich ausgleichen. Auf einer der Tüten, die nun meinen Schreibtisch zieren, empfiehlt „unser malayischer Koch Min Lee“, ich möge doch bitte selbst fein geschnittene Gemüsestreifen und etwas Hähnchenbrust zufügen. Dann (!) würde aus dem Snack eine kleine asiatische Köstlichkeit. 

Dem ist nichts hinzuzufügen – außer vielleicht noch ein praktischer Tipp: Wenn Sie die Nudeln stilecht mit Stäbchen aus der Brühe fischen möchten, dann halten Sie den Suppennapf am besten wie ein Chinese dicht unters Kinn. Sonst ist das Business-Dress nach dem kleinen Snack für 69 Cent total verkleckert und muss für 7 Euro in die Reinigung. Dafür wiederum ließe sich ein richtiges Essen arrangieren …