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Diäten im Vergleich

Ulrike Gonder

Weihnachten und Neujahr sind kaum vorbei, und schon prangen Diätangebote von allen bunten Blättern. Glauben auch Sie, Sie müssten mal wieder ein bisschen abspecken? Weil das Faschingskostüm von vor drei Jahren kneift. Oder weil Ihr Bauch eher einem Waschbären als einem Waschbrett gleicht. Reicht die Zeit noch für eine ausgewogene, „gesunde“ Diät oder muss es mal wieder eine Crash-Kur sein? Überlegen Sie es sich gut, ob Sie auch dieses Jahr am Diätenwahn teilnehmen.

Finger weg von Pillen und Wundermitteln

Inzwischen sollte es sich herumgesprochen haben: Mit einseitigen Diäten wie etwa der klassischen Kartoffel-, Ananas- oder Eier-Variante lassen sich zwar schnell ein Paar Pfund abnehmen, die Crash-Kuren sind jedoch extrem ungesund! Doch zum Glück sind einem die ewigen Kartoffeln, Eier oder Ananas schnell zuwider: Die Stimmung sinkt, die Diät wird abgebrochen und durch alte Essgewohnheiten ersetzt. Folglich zeigt auch das Display der Waage fast ebenso rasch wieder das alte Gewicht an – oder auch ein bisschen mehr.

Also muss es anders gehen. Immerhin ist das Angebot an Abspeckmethoden groß wie nie. Neben Diäten erfreuen sich allerlei andere Abspeckhilfen großer Beliebtheit, von diversen Schlankheitstees bis hin zu Akupunktur-Ohrringen. Diesen Wundermitteln ist gemeinsam, dass mit ihnen lediglich das Portemonnaie schlanker wird. Das Geld ist bei einem guten Italiener oder auf dem Wochenmarkt sicher besser angelegt.

Auch Abführ- und Entwässerungsmittel werden gerne als Schlankheitsmittel missbraucht. Sie können zwar kein Fett zum Schmelzen bringen, schwemmen aber Wasser aus dem Körper – und das zeigt sich auf der Waage. Was harmlos klingt, kann schwerste Nebenwirkungen zur Folge haben, wie Thrombosen, Bluthochdruck, Müdigkeit, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen. Außerdem wird der Darm träge, es drohen Verstopfungen bis hin zur Darmlähmung. Gefährlich ist es auch, die Mittel nach längerer Einnahme plötzlich abzusetzen. Also langsam ausschleichen.

Vielleicht hilft ja ein vom Arzt verschriebenes Mittel wie der Enzymblocker Xenical gegen die ungeliebten Pfunde. Hinter dem Handelsnamen verbirgt sich der Wirkstoff Orlistat, der die Fett verdauenden Enzyme hemmt. Auf diese Weise landet immerhin ein Drittel des verzehrten Fettes „ungenutzt“ in der Toilette – auf den ersten Blick das Paradies auf Erden: Essen wie immer und dabei abnehmen, weil ein Drittel der Fettkalorien im Orkus verschwinden? Schön wär´s. Wer den Enzymblocker nimmt, muss gleichzeitig eine fettarme Ernährung einhalten, damit nicht zuviel davon den Darm passiert. Wer das nicht tut, wird eine unangenehme Überraschung erleben, denn das ungenutzte Fett verlässt den menschlichen Körper ungebremst und tropft ungeniert in die Unterwäsche.

Mit Hilfe von Xenical lässt sich zwar Gewicht verlieren, nach dem Absetzen des Medikamentes steigt es jedoch wieder an, wenn auch etwas langsamer als üblich. Außerdem ist während der Einnahme der Pillen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine vermindert, und es ist noch immer nicht eindeutig geklärt, ob das Mittel langfristig Brustkrebs fördern kann.

Also doch lieber den Appetitzügler Reductil? Dessen Wirkstoff Sibutramin bremst den Appetit gleich im Kopf, so dass erst gar kein großer Hunger entsteht. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die abhängig machten und unheilbaren Lungenhochdruck auslösen konnten, scheint mit Reductil endlich ein sicherer Appetithemmer auf dem Markt zu sein. Doch ganz „ohne“ ist auch diese Pille nicht, denn bei manchen Anwendern kommt es zu hohem Blutdruck. Und selbstredend steigt das Gewicht wieder an, sobald das Medikament abgesetzt wird. Es sieht so aus, als wäre eine „ordentliche“ Diät doch unumgänglich.

Moderne Diäten: Darf´s ein bisschen mystisch sein?

Sehr en vogue sind derzeit Ernährungsformen, denen spezielle Erklärungsmodelle zugrunde liegen, wie z.B. die diversen Varianten der Hay´schen Trennkost. Sie geht davon aus, dass es gesünder ist, wenn wir konzentrierte Kohlenhydrate (z.B. Brot, Kartoffeln, Nudeln) nicht zusammen mit konzentrierten Eiweißen verspeisen (z.B. Fleisch, Käse). Dazu kommen noch Vorschriften über den Anteil so genannter basenbildender und säurebildender Lebensmittel. Ernährungswissenschaftler kritisieren an dieser Kostform, dass es keine Belege für einen gesundheitlichen Nutzen der Trenn-Vorschriften gibt. Manche befürchten gar eine Mangelernährung, weil zu wenig Kohlenhydrate empfohlen werden. Diese Sorge ist aber unbegründet.

Immerhin, mit der Trennkost haben schon viele Menschen abgenommen. Woran liegt´s? Der Körper schert sich wenig um theoretische Erklärungsmodelle. Vielleicht ist gerade der geringere Kohlenhydratanteil hilfreich. Und: Wer statt Leberwurstbrot Tomatenbrot isst, nimmt weniger Kalorien zu sich und kann so Gewicht verlieren. Außerdem ist die Trennkost gut für die Psyche, denn sie verbietet nichts. Die „Erlaubnis“, alles essen zu dürfen, solange es nur getrennt wird, hilft offenbar Heißhungerattacken und Fressanfälle, die bei strengen Diäten häufig vorkommen, zu verhindern. Ob das verringerte Gewicht auch gehalten werden kann, steht bei der Trennkost allerdings ebenso in Frage wie bei allen anderen Diäten.

Wie die Trennkost, so weicht auch die Blutgruppen-Diät des amerikanischen Arztes d´Adamo vom ausgetretenen Diätenpfad ab. Er postuliert, dass es nicht eine einzige richtige Ernährung für alle geben kann, sondern dass für jeden etwas anderes gesund ist, je nachdem, welche Blutgruppe er hat. Erklärt wird die unterschiedliche Verträglichkeit mit den Lektinen der Lebensmittel. Lektine sind Eiweiße, die rote Blutkörperchen zum Verklumpen bringen können. Manche Lektine wirken blutgruppenspezifisch, das heißt, sie verklumpen das Blut nicht bei jedem.

So sollen Menschen mit Blutgruppe 0 für eine fleischreiche Kost geeignet sein, aber kein Getreide vertragen. Jenen mit Blutgruppe A wird dagegen eine überwiegend vegetarische Kost empfohlen. Wer sich gemäß seiner Blutgruppe ernährt, soll sich fitter und leistungsfähiger fühlen, Gewichtsprobleme sollen „langsam aber sicher“ verschwinden.

Was zunächst abenteuerlich klingt, hat doch einen wahren Kern. Sicher ist, dass es die eine richtige Ernährung für alle nicht gibt. Auch werden z.B. die Lektine des Weizens tatsächlich als Krankheitsauslöser diskutiert. Allerdings geht d´Adamo in seinen Aussagen über die Vorteile der Blutgruppen-Ernährung zu weit – ohne Belege liefern zu können, etwa über die versprochene Gewichtsnormalisierung. Wäre die Blutgruppe wirklich so wichtig für die Ernährung und würden alle Lektine das Blut verklumpen, müssten ständig Menschen tot umfallen, weil sie etwas „Falsches“ gegessen haben.

Sind "gute" Diäten besser?

Also doch lieber die gute alte Brigitte-Diät oder eine Mitgliedschaft bei den Weight Watchers? Immerhin wird hier gesunde Ernährung gelernt: Viel Gemüse und Obst, möglichst frisch und vitaminreich zubereitet. Etwas Fleisch und Wurst, aber ja nicht zuviel Fett. Dafür gibt´s reichlich Kohlenhydrate und Ballaststoffe, selbst hie und da etwas Süßes und ein Glas Wein oder Bier sind erlaubt.

Die Klassiker unter den „guten“ Diäten sind liberaler geworden: So zählt man bei Brigitte schon lange keine Kalorien mehr, sondern beschränkt allein die Fettzufuhr. Die Weight Watchers sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen und arbeiten mit so genannten „points“. Für jeden Monat wird individuell eine Höchstmenge an Punkten festgelegt, deren „Erfüllung“ den persönlichen Essgewohnheiten angepasst werden kann. Damit ist die alte Einteilung in „gute“ und „böse“ Lebensmittel passé. Süßigkeiten lassen sich ebenso einplanen wie Fettes, Festessen oder kalorische „Ausrutscher“ im Urlaub. Die meisten Früchte und Gemüse haben null points, man kann also davon essen, soviel man möchte. Auf diese Weise wird eine obst- und gemüsereiche Ernährung gefördert, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne andere Lebensmittel schlecht zu machen.

Sind also die „guten“ Diäten die Lösung? Sie galten lange als die gesündeste Art abzunehmen. Inzwischen weisen jedoch viele neue Studien darauf hin, dass sich auch mit fettreicheren und vor allem mit eiweißreichen Diätformen gut abnehmen lässt, vermutlich sogar besser als mit den fettarmen Varianten. Eines haben jedoch alle Diäten gemeinsam: Sie können nicht garantieren, dass das verringerte Gewicht erhalten bleibt – egal, ob man sich weiterhin an die Vorschriften hält oder nicht!

(s. auch Schlankheitsmittel im Test, gebührenpflichtig bei der Stiftung Warentest, Stand Januar 2003)