Der Winter war kalt, der Frühling verregnet. Da wird es den Zecken nicht so gut ergangen sein, meinen viele Menschen und denken gar nicht daran, ihren Impfschutz zu überprüfen. Doch die Zecken sind aktiv, darauf weist das Robert Koch-Institut hin und hat die Risikogebiete, in denen gefährliche Zecken zu finden sind und Erkrankungen gehäuft auftreten, wie jedes Jahr aktualisiert.

 Eigentlich sind nicht die Zecken selbst gefährlich, sondern die Erreger, die sie mit sich tragen. Diese können zum Beispiel eine Krankheit auslösen, die „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ heißt, abgekürzt FSME. Die Erkrankung äußert sich in grippeähnlichen Symptomen und Fieber, führt aber bei einem Teil der Patienten auch zu einer Meningoenzephalitis, also einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten.

Die FSME-Viren haben die Fähigkeit, ins zentrale Nervensystem und somit auch ins Gehirn einzudringen. Hier kommt es zu einer Virusvermehrung, was zum Absterben von Nervenzellen führt. Eine sich daraus entwickelnde Gehirnschwellung (medizinisch: Ödem) schädigt die Nervenzellen zusätzlich. Besonders gefährlich wird es, wenn die sogenannten motorischen Vorderhornzellen im Rückenmark von den Viren befallen und geschädigt werden, denn daraus können bleibende Lähmungen resultieren. Gegen die FSME gibt es keine Therapie, wohl aber eine Impfmöglichkeit.

In Rheinland-Pfalz hat das Robert Koch-Institut nur den Landkreis Birkenfeld als FSME-Risikogebiet ausgewiesen. Weitere Risikogebiete finden sich jedoch jenseits des Rheins in Hessen und Baden-Württemberg sowie  auch in Bayern und Thüringen. Eine Impfung ist also für Naturliebhaber, die sich über die Landesgrenzen hinweg bewegen, und natürlich für alle Menschen, die von Berufswegen viel im Grünen sind, wie Bauern, Förster oder Gärtner, auf jeden Fall zu empfehlen.

FSME wird nicht nur durch Zeckenstiche übertragen. Auch über unbehandelte Milch von infizierten Ziegen, Schafen und Kühen kann das Virus weitergegeben werden. Früher war dies sogar der üblichere Weg, weswegen die FSME auch „undulierendes Milchfieber“ genannt wurde. Heute spielt dieser Infektionsweg aber so gut wie keine Rolle mehr.

Unser Tipp: Wenn Sie sich viel im Freien bewegen oder unpasteurisierte Milch direkt vom Kuhstall trinken, dann lassen Sie sich gegen FSME impfen. Es sollten mindestens vier Wochen zwischen der ersten und zweiten Impfung liegen. Ein Schutz ist frühestens 14 Tage nach der zweiten Impfung zu erwarten. Nach der dritten Impfung neun bis zwölf Monate später hält der Schutz bis zu fünf Jahre. Es gibt zudem Schnellimmunisierungen mit drei Impfungen in drei Wochen.

Gegen eine andere Krankheit, die auch von Zecken übertragen wird, gibt es leider keine Impfung. Dies ist die Borreliose. Hierbei sind die Übeltäter Bakterien mit dem Namen Borrelien. Sobald diese im Körper sind, vermehren sie sich. Je nach Stichstelle dauert es Tage, Monate oder Jahre, bis sich die Borrelien in alle Organe verteilen können. Die häufigsten Erstsymptome bei einer Infektion sind Schweißausbrüche, Abgeschlagenheit, Grippegefühl, Herzklopfen, Konzentrationsprobleme, Schwindelattacken und ein Gefühl von Ganzkörper-Muskelkater. In dieser Zeit kämpft das Immunsystem stark gegen die Borrelien – und siegt auch meist. Aber manchmal gelingt es den Erregern doch, sich regelrecht in die Bindegewebsfasern hinein zu schrauben und sich festzusetzen. Dann sind sie für das Immunsystem unsichtbar und führen zu Gefäßentzündungen, die die Energiezufuhr der betroffenen Gewebe stören. So kommt es zu chronischen Entzündungen in Gelenken und Muskeln, auch Nervenentzündungen wie bei einer Multiplen Sklerose sowie fibromyalgieartige Beschwerden können entstehen. Eine solche Borreliose ist langwierig und schmerzhaft.

Gegen die Borreliose ist eine Behandlung mit einem passenden Antibiotikum möglich. Hier gilt: Je früher sie einsetzt, desto effektiver und einfacher ist die Behandlung.

Was ist also zu tun?  Wenn Sie von Naturausflügen nach Hause kommen, sollten Sie sich sofort genau untersuchen. Entdecken Sie eine Zecke an sich, sollten Sie sie schnellst möglich entfernen. Es ist nämlich typisch für Borrelien, dass sie erst Stunden, nachdem sich die Zecke festgesaugt hat, in den menschlichen Körper eindringen. Nutzen Sie zum Entfernen der Zecke eine Pinzette oder eine so genannte Zeckenkarte.Das ist eine scheckkartengroße Kunststoffschablone mit zwei verschieden großen Schlitzen zum Aushebeln der Zecke. Ziehen Sie an der Zecke, aber drehen Sie sie nicht, sie hat kein Gewinde wie eine Schraube. Zeigt sich an der Stichstelle eine wenigstens handtellergroße Rötung, gehen Sie bitte zum Arzt, er wird Ihnen dann sofort ein Antibiotikum gegen Borreliose verordnen. Eine Vorsorge gegen Borreliose gibt es leider nicht.

Liegt der Zeckenstich weniger als vier Wochen zurück, müssen Sie das Antibiotikum täglich über drei bis vier Wochen hinweg einnehmen. Wird die Borreliose später entdeckt, müssen Sie gegebenenfalls mehrere Wochen lang mit einer Antibiotikainfusion behandelt werden. Unter Umständen ist noch ein zweiter, dritter oder gar vierter Behandlungszyklus nötig, um die Borrelien endgültig zu besiegen.

Kurz gesagt gilt also: Eine Impfung schützt gegen FSME, nicht jedoch gegen Borreliose. Seien Sie nach Ausflügen in die Natur wachsam, um eine Zecke so früh wie möglich am Körper entdecken und entfernen zu können.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131  2069-0.

 

01. bis 15. Juli 2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl