Osteoporose - neue Erkenntnisse zur Behandlung

Nasse Blätter auf dem Weg, oder rutschige Stufen, und schon rutscht man aus. Im Herbst ist die Gefahr zu stürzen groß. Wer Osteoporose hat, für den endet auch ein leichter Sturz schnell mit einem gefährlichen Oberschenkelhalsbruch. Osteoporose ist eine Krankheit, bei der die Knochen (lateinisch osteo) porös werden. Das heißt, sie sind weniger stabil als vorher. Das ist erst einmal ein natürlicher Prozess, der mit dem Altern eintritt.

Denn zunächst wird in den ersten drei Lebensjahrzehnten die Knochendichte aufgebaut. Mit 35 ist die maximale Knochenmasse erreicht. Danach überwiegt der Knochenabbau – von nun an vermindert sich die Knochenmasse jährlich um etwa 1,5 Prozent. Durch schlechte Lebensführung wird die Knochenmasse jedoch schneller verringert: starkes Rauchen, wenig Bewegung und unzureichende Kalzium-Zufuhr fördern den Knochenschwund. Ein Mangel an den Sexualhormonen Testosteron und Östrogen sowie eine familiäre Veranlagung (wie zum Beispiel Osteoporose in der Familie) wirken sich weiter negativ aus.

Osteoporose führt zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit des ganzen menschlichen Skeletts. Zu den folgenreichsten Brüchen gehört der Oberschenkelhalsbruch, gefolgt von Brüchen der Wirbel und des Handgelenks. In Europa erleiden übrigens rund 50 Prozent der Frauen, die älter als 50 sind, einen durch Osteoporose verursachten Knochenbruch. Aber auch 20 Prozent der Männer triffte es – es handelt sich also nicht um eine reine Frauenkrankheit. Doch ob Männer oder Frauen, die Diagnose erfolgt leider viel zu spät. Festgestellt wird die Krankheit anhand des Knochenmineralgehalts, der in einer so genannten DXA-Knochendichtemessung entweder an der Lendenwirbelsäule oder am Oberschenkelhals bestimmt wird.

Mit der Osteoporose lässt sich mittlerweile dank neuer Medikamente gut leben, vorausgesetzt man fängt früh genug mit der Therapie an. Die sogenannten Bisphosphonate sorgen dafür, dass die Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) verlangsamt wird. Gleichzeitig muss der Knochenaufbau durch die Osteoblasten gefördert werden. Dazu braucht der Körper Calcium als Knochengrundstoff und Vitamin D. Denn ohne Vitamin D kann das Calcium nicht richtig vom Darm aufgenommen werden. Es verlässt dann in diesem Fall unseren Körper ungenutzt und kann somit auch nicht in den Knochen eingelagert werden. Vitamin D können wir zum einen über einige wenige Speisen aufnehmen, wie Lebertran und fetten Seefisch. Zum anderen ist unser Körper dazu in der Lage, in der Haut Vitamin D mit Hilfe von Sonnenstrahlen zu bilden, weshalb es auch als „Sonnenvitamin“ bezeichnet wird. Nun ist aber fetter Seefisch bei den wenigsten Menschen in unseren Breitengraden zweimal in der Woche Bestandteil des Speiseplans, was aber notwendig wäre, um die nötige Vitamin D Menge zu erreichen. Und die notwendigen UVB-Strahlen der Sonne sind laut neuester Erkenntnisse nur in den Sommermonaten ausreichend vorhanden, um Vitamin D zu bilden. Deswegen ist es ganz wichtig, dass an Osteoporose erkrankte Menschen dieses Vitamin regelmäßig zuführen.Allerdings nur auf ärztliches Anraten, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Wichtig ist folgendes: Sie können das Bisphosphonat mit Vitamin D kombiniert einnehmen. Das trotzdem notwendige Calcium müssen Sie aber getrennt von der Bisphosphonat-Tablette zu sich nehmen, denn sonst wird die Hemmung des Knochenabbaus gestört. Schlucken Sie die Tablette morgens auf nüchternem Magen mit Wasser und nicht mit Milch. Außerdem sollten Sie dabei nicht mehr im Bett liegen, sondern sitzen oder stehen. Ganz schön kompliziert! Aber es lohnt sich, damit schaffen Sie es, dass nach ein paar Wochen die erste Verhinderung des Knochenschwundes einsetzt. Optimal wirken die Bisphosphonate nach sechs bis zwölf Monaten Einnahme.

Bei sehr schwerer Osteoporose gibt es heute ein neues Behandlungsprinzip, nämlich Knochenneubildung mit dem so genannten Parathormon-Fragment. Parathormon ist ein körpereigener, in den Nebenschilddrüsen gebildeter Botenstoff, der im Körper das Calcium reguliert. Das Medikament muss über einen Zeitraum von 18 Monaten einmal täglich gespritzt werden.

Die Hormonersatztherapie hat ebenfalls eine positive Wirkung. Weil sie allerdings die Gefahren für Herz und Kreislauf verstärkt, sowie das Brustkrebsrisiko erhöht, wird sie nicht mehr zur Osteoporosetherapie angewandt. Hormonähnlich wirken aber Substanzen der Klasse SERM. Das sind Selektive Östrogen-Rezeptoren Modulatoren. Dazu gehört die Substanz Raloxifen. Sie beeinflusst den Knochenstoffwechsel positiv, setzt aber keine Schäden am Herz-Kreislauf-System, der weiblichen Brust und der Gebärmutter.

Neu ist übrigens auch eine Behandlung mit dem Namen Kyphoplastie. Hier wird Knochenzement in einen zerstörten Wirbelkörper eingespritzt. Dieser wird damit wieder aufgerichtet. Dies hilft, Bruchfolgen rückgängig zu machen.

Aber Medikamente und Operationen sind nicht die einzigen Therapiemöglichkeiten bei Osteoporose. So beugt vor allem ein Krafttraining an Geräten dem Knochenabbau vor. Denn Zellen im Knochengewebe, welche für den Knochenaufbau zuständig sind, werden erst durch Belastung ausreichend angeregt, ihre Arbeit zu tun und die Knochendichte dadurch wieder zu verstärken. Außerdem stärkt das Krafttraining die Muskeln, die sich ansonsten zwischen dem 20. und dem 70. Lebensjahr um ca. 40 Prozent zurückentwickeln. Stärkere Muskeln stärken auch den Halte- und Bewegungsapparat. Machen Sie Gymnastikübungen, Nordic Walking und Tai Chi. Nicht geeignet sind Radfahren und Schwimmen, diese Sportarten fördern zwar die Kondition, aber tun nichts für die Knochenfestigkeit.

 

16. bis 30. November 2007 Aktualisiert am 23.3.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl