Powernapping – Der erholsame Kurzschlaf zwischendurch

Kleines Schläfchen gefällig nach dem Mittagessen? – Ja eigentlich gerne, aber ist das nicht nur etwas für Schwächlinge? Viele denken so, sie würden gerne, aber trauen sich nicht. Dass ein Mittagsschlaf den meisten Menschen entgegen käme, haben erstmals die Andechser Isolationsexperimente aus den 1980er Jahren gezeigt. Ziel war, herauszufinden, ob der Rhythmus des Menschen von äußeren Zeitgebern, wie zum Beispiel Sonnenlicht oder sich verändernde Lufttemperatur, beeinflusst wird.

Um die natürlichen Schlaf- Wachrhythmen zu erforschen, wurden die Versuchsteilnehmer zunächst gebeten, nach Möglichkeit den Mittagsschlaf zu vermeiden. Doch sie ließen ihn sich nicht nehmen und schliefen einfach heimlich. Als die Forscher den Mittagsschlaf dann erlaubten, praktizierten ihn drei Viertel der Teilnehmer. Der Mittagsschlaf gehört zu unserem normalen biologischen Programm.

Landläufig herrscht die Meinung, dass Mittagsschläfer faul und Nichtschläfer besonders leistungsfähig seien. Tatsächlich jedoch kämpfen die meisten Menschen um die Mittagszeit mit Müdigkeit und mangelnder Konzentration, Blutdruck und Körpertemperatur sinken. Diese Naturerscheinung ist nur bedingt auf eine Verdauungsmüdigkeit zurückzuführen. Wenn Sie den Signalen des Körpers nachgeben und sich für kurze Zeit aufs Ohr legen, dann wirkt dies erfrischend, entspannend, leistungsfördernd und kreativitätsanregend. Auch die gesundheitlichen Wirkungen kommen nicht zu kurz, wie zum Beispiel die Schlafforscher Jürgen Zulley und Karl Hecht oder der Chronobiologe Till Roenneberg in unterschiedlichen Publikationen erklären.

Ihnen zufolge schützt ein regelmäßiger Mittagsschlaf vor Herzinfarkt. Er wirkt sich positiv auf die Merkfähigkeit aus, denn vor allem im Schlaf wird das eingespeichert, was wir zuvor gelernt haben. Er macht gute Laune, denn ein Schläfchen steigert die Konzentration von Serotonin im Blut, einem stimmungsaufhellenden Hormon. Er kann sogar das Gewicht reduzieren, denn wenn wir müde und abgekämpft sind, greifen wir oft unbewusst zu Kalorienbomben in Form von Süßigkeiten. Aber vor allem wird die Leistungsfähigkeit durch den Kurzschlaf gesteigert. Deswegen ist die Wortschöpfung „Power-Napping“ sehr treffend. Das englische Wort „Nap“ heißt "Nickerchen", power bedeutet Kraft. Im Power-Napping holen wir uns also die nötige Kraft, um für den zweiten Teil des Tages fit zu sein. Offenbar ist das Phänomen in unserem Biorhythmus verankert, so dass es überproportional viel Anstrengung kostet, ihm zu widerstehen. Gibt man dem Schlafbedürfnis jedoch nach, erspart man sich diese Kraftanstrengung und tankt außerdem neue Kraft.

Wichtig ist der optimale Zeitpunkt, zu dem Sie Ihr Power-Napping durchführen. Da es unter den Menschen Lerchen und Eulen gibt, die genetisch bedingt eine unterschiedliche Tagesrhythmik besitzen, ist auch das ideale Zeitfenster für den Mittagsschlaf sehr verschieden. Beobachten Sie am besten selbst, wann Sie müde werden. Zuhause können Sie sich ins Bett legen, auch Sofa oder Sessel sind geeignet. Studenten in Bibliotheken kann man of dabei beobachten, wie sie einfach den Kopf auf den Tisch legen und auf diese Weise ein bisschen schlummern. Wenn Sie im Büro arbeiten, tun Sie es Ihnen gleich – sofern Ihr Chef es gestattet. Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind und stellen Sie sich einen Wecker. Länger als 20 bis 30 Minuten sollten Sie nicht schlafen, weil Sie ansonsten in die Tiefschlafphase gleiten. Und aus ihr herausgerissen zu werden, macht all die positiven Wirkungen des Schläfchens wieder zunichte. Nicken Sie also nur für kurze Zeit weg.

Ein guter Trick, um von alleine aufzuwachen, ist der Kaffee. Koffein wirkt nach 20 bis 30 Minuten, genauso lange, wie Sie schlafen sollten. Wenn Sie auf den Espresso nach dem Mittagessen nicht verzichten möchten, setzen Sie ihn als Wecker ein, indem Sie sich gleich danach zum Power-Napping zurückziehen. Wenn das Koffein zu wirken beginnt, wachen Sie von alleine wieder auf, frisch und erholt.

Beim ersten Mittagsschläfchen wird es Ihnen noch merkwürdig vorkommen, sich mitten am Tag hinzulegen. Doch versuchen Sie, wirklich einzuschlafen und nicht nur die Augen zu schließen. Gehen Sie auf Bilderreise. Bewährt haben sich Vorstellungen, die mit Leichtigkeit und Ungebundenheit zu tun haben, z. B. eine Reise auf Wolken. Hilfreich ist auch die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, ein Training zur Tiefenentspannung, das Sie zum Beispiel in Volkshochschulen lernen können.

 

01. bis 15. Mai 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl