Antworten zur Organspende

Sie ist richtig, sie ist wichtig – und für viele Menschen sogar lebenswichtig: die Entscheidung für eine Organspende. Daran will auch dieses Jahr wieder der Tag der Organspende am ersten Samstag im Juni erinnern. In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein neues Organ, drei von ihnen sterben täglich, weil kein passendes Organ zur Verfügung stand.

Noch immer wissen viele Menschen zu wenig über das Thema Organspende. Die häufigsten Fragen zur Organspende wollen wir heute beantworten.

Was ist eine Organspende?

Bei einer sogenannten postmortalen Organspende werden einem Menschen, bei dem zuvor der irreversible (also unwiderrufliche) Hirntod festgestellt wurde, eines oder mehrere Körperorgane entnommen, um sie für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen.

Wer entscheidet, ob ich wirklich tot bin?

Die medizinische Voraussetzung für eine Organspende ist der eindeutig festgestellte Ausfall des gesamten Gehirns. Diese eindeutige Diagnose muss durch zwei voneinander unabhängig untersuchende, erfahrene Ärzte gestellt werden. Zur Vermeidung von Interessenskonflikten dürfen beide Untersucher nicht an Organentnahme oder Transplantation beteiligt sein.

Es wachen immer wieder Patienten aus dem Koma auf. Bin ich da mit einer Einwilligung zur Organspende nicht zu voreilig?

Bei einem Koma ist das Gehirn noch mehr oder weniger aktiv, es wird durchblutet, ist aber nicht bei Bewusstsein. Hier besteht, je nach Art des Komas, eine Chance auf ein Wiedererwachen. Beim Hirntod jedoch sind die Gesamtfunktionen des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms erloschen. In diesem Fall gibt es keine Chance, dass das Gehirn wieder zum Leben erwacht. Atmung und Herzschlag werden mit Herz-Lungenmaschinen künstlich aufrechterhalten. Schaltet man die Maschinen ab, kommen auch diese Funktionen zum Erliegen.

Wem teile ich mit, dass ich spenden will?

Im Organspendeausweis kann jeder Mensch seine Erklärung zur Organspende für den Todesfall schriftlich dokumentieren. Es gibt die Möglichkeit, einer Spende uneingeschränkt zuzustimmen oder die Spende auf bestimmte Organe und Gewebe zu beschränken. Man kann sich im Ausweis auch gegen die Organspende entscheiden. Liegt kein Organspendeausweis vor, können die Angehörigen um eine Entscheidung gebeten werden. Sie können einer Organentnahme zustimmen, wenn sie der Meinung sind, der Tote hätte dies gewollt.

Wo bewahre ich den Organspendeausweis auf?

Es ist sinnvoll, ihn zum Führerschein, zum Personalausweis oder zur Krankenversichertenkarte zu stecken. Falls Sie ihn nicht ständig mit sich führen möchten, können Sie den Ausweis auch bei der Person, die im Falle des Todes informiert werden soll, hinterlegen. Ein Vermerk im Testament wäre allerdings sinnlos, da es bei der Testamentseröffnung für eine Organentnahme zu spät ist.

Gibt es für gespendete Organe Geld?

Nein, denn man möchte finanziellen Erwägungen oder einem Organhandel vorbauen. Eine Organspende soll ausschließlich auf einer freiwilligen, mitmenschlichen Entscheidung beruhen. Alle medizinischen Kosten, werden von den Krankenkassen übernommen. Der Organempfänger muss nichts bezahlen.

Bis zu welchem Alter werden meine Organe genommen?

Wenn die Organe gesund sind, gibt es keine Altersgrenze. Ob Organe und Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, ist erst im Todesfall medizinisch zu beurteilen. Deswegen müssen Sie sich als Spenderin oder Spender auch nicht im Vorhinein medizinisch untersuchen lassen.

Muss man volljährig sein, um einen eigenen Organspendeausweis zu besitzen?

Nein. Bereits Minderjährige ab 16 Jahre können ihre Bereitschaft zur Organspende in einem Ausweis dokumentieren. Der Widerspruch kann ab dem 14. Lebensjahr erklärt werden.

Was ist, wenn ich es mir anders überlege und doch nicht spenden will?

In diesem Fall vernichten Sie einfach Ihren Organspendeausweis und fordern Sie einen neuen an, auf dem Sie der Einwilligung widersprechen. Informieren Sie auch Ihre Angehörigen über die neue Entscheidung.

Kann ich bestimmen, wer im Falle meines Todes meine Organe bekommt?

Das geht nicht. Für jedes Organ gibt es für die Vermittlung festgelegte Richtlinien der Bundesärztekammer. Die Organe werden dabei nach den Kriterien Dringlichkeit und Erfolgsaussicht vermittelt. Zuständig für die Vermittlung der Organe an die Empfänger ist die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden. Durch die Anonymität wird verhindert, dass nachträglich Ansprüche oder Abhängigkeiten auftreten.

Was kann nach dem Tod gespendet werden?

Folgende Organe können transplantiert werden: Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm und Teile der Haut. Außerdem sind die folgenden Gewebe zur Verpflanzung geeignet: Hornhaut der Augen, Herzklappen sowie Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Wann ist eine Lebendspende möglich?

Eine Lebendspende ist bei uns nur bei der Niere und einem Teil der Leber möglich. Nach dem Transplantationsgesetz hat die Organspende nach dem Tod aber Vorrang vor der Lebendspende. In Deutschland ist eine Organspende zu Lebzeiten nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, unter Ehepartnern, Verlobten und unter Menschen möglich, die sich persönlich besonders nahe stehen. 

Wo bekommt man einen Organspendeausweis?

Der Ausweis kann beim Infotelefon Organspende unter der kostenlosen Rufnummer 0800/90 40 400 angefordert  werden. Sie erhalten ihn auch bei den Krankenkassen sowie bei vielen Ärzten oder Apotheken. Auch im Internet finden Sie ihn zum Herunterladen und Ausdrucken, zum Beispiel bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation unter  www.dso.de.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

 

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Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl