Schwangerschaft trotz Diabetes?

Etwa sieben Millionen Menschen sind in Deutschland von Diabetes mellitus betroffen, einer Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel charakterisiert ist. Während beim Typ-1-Diabetes (ca. 5% aller Diabetiker) ein absoluter Insulinmangel vorliegt, ist beim Typ-2-Diabetes die Insulinfreisetzung durch die Bauchspeicheldrüse gestört.

Immer häufiger leiden schon jüngere Menschen unter der sogenannten „Zuckerkrankheit“, und damit auch immer mehr Frauen im gebärfähigen Alter, die noch eine Schwangerschaft planen. Wenn es auch einer Diabetikerin oft schwerer fällt, schwanger zu werden, so kann sie aber wie jede andere Frau gesunde Kinder zur Welt bringen. Voraussetzung dafür ist, dass sie bereits vor der Schwangerschaft optimal betreut wird und der Blutzucker gut eingestellt ist. Wenn das nicht der Fall ist, kann dies für das im Mutterleib heranreifende Kind gefährlich werden.

Schwangere Diabetikerinnen müssen neben den gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen auch von einer Fachärztin oder einem Facharzt für Diabetologie betreut werden. Beide Fachrichtungen sind wichtig,  weil bei Diabetikerinnen der Blutzucker in der Schwangerschaft ganz besonders gut austariert werden muss und eine  sorgfältige Beobachtung der Entwicklung des Kindes notwendig ist. Vor allem in den ersten sechs bis acht Schwangerschaftswochen muss auf eine gute Blutzuckereinstellung geachtet werden, denn ein zu hoher Zuckerspiegel in dieser Phase kann beim Kind zu Missbildungen am Herzen oder zu Störungen am zentralen Nervensystem führen.

Doch auch der weitere Schwangerschaftsverlauf sollte bei Diabetikerinnen penibel überwacht werden. Über den Blutkreislauf gelangt das Übermaß an Blutzucker  zum Ungeborenen. Dessen Bauchspeicheldrüse reagiert mit einer erhöhten Insulin-Produktion. Das Insulin kann den kindlichen Körper aber nicht mehr verlassen, denn der Mutterkuchen ist dafür nicht durchlässig. Die Folge ist, dass diese Kinder nach der Geburt oftmals Probleme mit der Atmung oder gar mit lebensgefährlichen Unterzuckerungen haben. In einigen Fällen kann es bei dem betroffenen Neugeborenen zu Zittrigkeit, Unruhe oder Krampfanfällen kommen. Wenn die Diabeteserkrankung der Mutter bekannt ist wird dem Neugeborenen sofort in der ersten Stunde Blut abgenommen, dieses auf Blutzucker überprüft und notfalls eine Glukoselösung verabreicht, um der Unterzuckerung vorzubeugen.

Insulin ist ein Wachstumshormon. Wenn ein Kind im Mutterleib in besonderem Maße diesem Hormon ausgesetzt ist, wächst es schnell und kommt meist besonders groß zur Welt. Ein
Geburtsgewicht von über 4000 Gramm ist dann keine Seltenheit. Jede Frau, die schon einmal ein Kind auf natürlichem Wege zur Welt gebracht hat, kann sich vorstellen, dass dies Schwerstarbeit bedeutet. Und gefährlich ist es auch: Weil der Geburtskanal zu eng ist, kann das große Baby nach Geburt des Kopfes mit seinen breiten Schultern stecken bleiben. Deshalb plant man bei Schwangeren mit Diabetes häufig von vorneherein einen Kaiserschnitt.

Für das ungeborene Kind ist entscheidend, wie gut der Diabetes der Mutter eingestellt ist. Daher sind folgende Tipps für Schwangere wichtig:

Während der ersten fünf Schwangerschaftsmonate ändert sich der Energiebedarf nicht. Auch mit Diabetes sollten Sie also nicht mehr essen als zuvor. Die Gewichtszunahme sollte in dieser Zeit nicht mehr als 1 bis 3 kg betragen. Da in den ersten Schwangerschaftsmonaten häufig Übelkeit und Erbrechen auftreten, kann es sogar zu einer vorübergehenden Gewichtsabnahme kommen. Das ist aber kein Problem für das ungeborene Kind, solange die Insulindosis gut angepasst und gegebenenfalls reduziert wird. Lassen Sie sich gerade bei Schwangerschaftserbrechen regelmäßig untersuchen. Generell sollte die Ernährung während der Schwangerschaft von guter Qualität sein. Die Menge und der Kaloriengehalt sollten jedoch nicht gesteigert werden, da durch eine zu starke Gewichtszunahme die Einstellung des Blutzuckers erschwert wird.

Etwa jede zehnte Frau, die bislang nicht an Diabetes erkrankt war, entwickelt während der Schwangerschaft einen sogenannten Gestationsdiabetes. Bei Verdacht können Ärztin oder  Arzt zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche einen Suchtest durchführen: Ergibt der Blutzuckertest erhöhte Werte, wird eine medikamentöse Therapie festgelegt, meistens jedoch wird der Schwangeren zunächst zu einer Ernährungsumstellung geraten. Eventuell wird der Test nach ein paar Wochen wiederholt, da der Diabetes verstärkt im letzten Drittel der Schwangerschaft auftritt.

Übergewichtigen Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes raten die Ärzte, die Gewichtszunahme zu begrenzen oder gar abzunehmen. Dann können sie in 85 Prozent auf eine Insulinbehandlung verzichten. Wichtig ist eine gesunde Küche mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Diese Lebensmittel sorgen für einen langsamen Blutzuckeranstieg, was sich auf die Insulinausschüttung günstig auswirkt. Der Fettanteil sollte eingeschränkt werden: Ziehen Sie die mehrfach ungesättigten Fette aus wertvollen pflanzlichen Ölen den gesättigten tierischen Fetten wie Butter und Schmalz vor. Achten Sie stattdessen auf viele fettarme Milchprodukte und mageren Käse. Dies reduziert den Hunger. Bei der überwiegenden Anzahl der Schwangeren genügen diese Maßnahmen, um den Blutzucker  zu regulieren. Die anderen Frauen benötigen während der Schwangerschaft zusätzlich Insulin.

Zusammenfassend stellt Diabetes in der Schwangerschaft dann kein Problem dar, wenn die Schwangere engmaschig betreut wird und den Rat der betreuenden Ärzte befolgt. Das Risiko, dass eine Diabetikerin die Krankheit an ihr Kind vererbt, ist  vorhanden, aber relativ gering. Die Erbanlage ist ohnehin nur ein Baustein in der Entstehung von Diabetes, weitere Faktoren müssen dazukommen, um die Krankheit auszulösen. Wenn Sie Fragen dazu haben, lassen Sie sich in Ihrer diabetologischen Fachpraxis beraten.

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01.11.-15.11.2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl