Gesund durch die närrischen Tage

Jetzt ist es endlich wieder so weit, viele von uns haben sich schon monatelang vorbereitet: Die Fastnacht ist da und treibt all ihre Narren auf die Gassen, auf dass sie in fröhlicher Einheit die „Fünfte Jahreszeit“ begießen. Das bleibt bekanntlich nicht ohne Folgen. Meist lässt der Kater am darauf folgenden Morgen nicht auf sich warten. Angenehm ist das wirklich nicht.

Brummender Schädel, Nachtdurst, Kreislauf-Störungen, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, schlechte Laune, Schlappheit, Magenbeschwerden – der Morgen nach einer feucht-fröhlichen Nacht ist ziemlich ernüchternd. Woran liegt das?

Als Hauptursache des alkoholbedingten „Brummschädels“ vermutet man Acetaldehyd (gesprochen: Acet-aldehyd). Diese Substanz entsteht beim Alkoholabbau und ist ein Gift für die Nerven. Alkohol spült auch vermehrt Wasser und Mineralien aus dem Körper. Der Mangel macht sich durch Durst und Kopfschmerzen bemerkbar. Der Mangel an den Mineralsalzen hat auch Auswirkungen auf den Säure-Basen-Haushalt des Körpers, die Hauptursache für die Schlappheit am Tag danach. Dann enthalten vor allem harte Drinks, aber auch Rotwein und obergäriges Bier noch Fusel- oder Begleitalkohole. Diese dienen als Geschmacks- und Aromaträger. Allerdings werden sie im Körper zu Giftstoffen abgebaut, die zu einer Verminderung der Herzleistung und zur eingeschränkten Sauerstoffversorgung des Gehirns führen können.

Also, was tun? Vorbeugen ist besser als heilen, heißt ein altes Sprichwort. Das gilt auch während der närrischen Tage:

  • Zunächst, für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre heißt es generell: Hände weg vom Alkohol! Denn gerade für sie hat der Alkoholkonsum gravierende Folgen – der junge Organismus reagiert besonders empfindlich auf Alkohol als Gift für Nerven und innere Organe.
  • Doch auch Erwachsene sollten besonnen die närrischen Tage genießen.
    Bevor es losgeht, nehmen Sie eine deftige Mahlzeit zu sich, wie Bratkartoffeln, eingelegter Hering oder Nudelsalat. Durch das Fett schließt sich der Magenausgang eine Weile und die Alkoholaufnahme ins Blut wird verlangsamt. 
    Dann heißt es: trinken, trinken, trinken – aber nicht noch mehr alkoholische Getränke. Nehmen Sie am besten nach jedem Glas Wein oder Bier ein Glas Wasser oder Apfelschorle zu sich. Damit gleichen Sie den durch den Alkohol bedingten Flüssigkeitsverlust wieder aus.
  • Trinken Sie möglichst nur eine Sorte Alkohol an einem Abend, und am besten mit wenig Zucker. Cocktails und die bunten Alkopops machen am meisten Kopfweh. Meiden Sie auch warme und sehr süße Getränke, wie etwa Punsch und Grog, denn die können Ihnen richtig zusetzen.
  • Denken Sie daran, dass Frauen prinzipiell weniger vertragen als Männer. Auch das Gewicht spielt eine große Rolle; Menschen, die etwas mehr auf den Rippen haben, können sich normalerweise etwas mehr Alkohol gönnen als andere.
    Irgendwann ist dann der schönste Abend zu Ende, und es heißt: nach Hause gehen. Und das sollten Sie durchaus wörtlich verstehen. Denn durch die frische Luft und die Bewegung wird der Abbau des Alkohols angekurbelt. Bei längeren Heimwegen sind natürlich auch Busse und Taxen erlaubt.
  • Wer schon vor Beginn des Nachhausewegs wieder klar im Kopf werden möchte, trinkt zum Abschluss normalerweise einen starken Kaffee oder Espresso. Viele schwören auch auf folgenden Trick: Schwarztee mit Zitrone und Kandiszucker. Oder mehrere Tassen Lindenblütentee. Vorsicht: Die Promille im Blut bleiben erhalten, lassen Sie Ihr Auto also trotzdem stehen!

Zuhause angekommen, haben Sie eine weitere Gelegenheit, etwas gegen den Kater am nächsten Morgen zu tun:

  • Gleichen Sie den Mineralverlust aus. Dazu gibt es in der Apotheke entsprechende Tabletten oder Beutelchen mit einem Mineralstoffpräparat. Wer zu den Brottrunkanhängern gehört, sollte jetzt noch ein großes Glas davon trinken. Das bewirkt Wunder. Statt Brottrunk können Sie auch Bullrichsalz oder ein anderes Mittel zum Entsäuren nehmen.
  • Wenn Sie zu Sodbrennen neigen, müssen Sie jetzt vor dem Zubettgehen noch handeln. Denn beim Sodbrennen schwappt ätzende Salzsäure vom Magen in die empfindliche Speiseröhre hoch. Dies ist auf Dauer gefährlich. Beugen Sie vor und nehmen Sie einen Protonenpumpenhemmer ein. Dieses Medikament verhindert in den Zellen der Magenschleimhaut die Bildung von Magensäure.
  • Hat sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen am nächsten Morgen der Kater eingefunden, haben wir auch für diese Situation einige Hausmittel für Sie:
    Wenn Sie starken Durst haben, trinken Sie Mineralwasser und Apfelschorlen. Auch ein Gemüsesaft mit vielen Vitaminen oder ein großes Glas Brottrunk sind empfehlenswert. Auf keinen Fall sollten Sie mit dem weitermachen, womit Sie am Abend aufgehört haben. Jedenfalls nicht, wenn es sich um Alkohol gehandelt hat!
  • Wenn Sie unter sehr starken Kopfschmerzen leiden, dann nehmen Sie noch einmal eine Tablette. Aspirin oder Paracetamol sind am besten geeignet. Lösen Sie auch einen weiteren Beutel Elektrolytpulver in Wasser auf. Damit können Sie übrigens auf den eingelegten Hering verzichten, der auch nicht mehr gegen die Kopfschmerzen zu bieten hat als Mineralsalze.
  • Wenn Sie gar nicht in die Gänge kommen sollten, dann machen Sie einen Einlauf mit einem Liter körperwarmem Wasser. Sie brauchen dazu ein Klistierbällchen aus der Apotheke. Das füllen Sie mit dem Wasser, schieben den dünnen Applikator so weit es geht in den Darm und drücken das Wasser hinein. Beim anschließenden Stuhlgang werden auch die giftigen Abbauprodukte des Alkohols ausgeschieden.
  • Danach frühstücken Sie gut, wenn es geht, und machen Sie einen Spaziergang an der frischen Luft. So fühlen Sie sich bald wieder fit.

 

1. bis 15. Februar 2005 Aktualisiert am 8.3.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl