Kopfschmerz bei Kindern

Die Häufigkeit von Kopfschmerzen bei Kindern hat während der letzten 30 Jahre deutlich zugenommen. Schon im Vorschulalter klagen 10 bis 20 Prozent der Kinder über Kopfschmerzen. Im ersten Schuljahr verdoppelt sich die Zahl. Am Ende der Grundschulzeit leiden dann rund 90 Prozent unter Kopfschmerzen, schreibt der Kinderneurologe Raymund Pothmann anhand einer Untersuchung von 7.000 Kindern in Deutschland.

Und trotzdem: Nicht immer sind Kopfschmerzen bei Kindern ohne weiteres erkennbar. Kindern fällt es oft schwer, ihre Beschwerden mitzuteilen, da sie sich noch nicht ausdrücken können wir ein Erwachsener. Manchmal ist das Kind unleidlich, zieht sich zurück oder klagt über Unwohlsein oder sogar Bauchschmerzen. Auch hier kann der Kopfschmerz die eigentliche Ursache sein. Betroffene Kinder fühlen sich insgesamt weniger gut als andere Kinder und bringen oft schlechtere Schulnoten nach Hause. Fragen Sie also genau nach, wenn Sie an Ihrem Kind etwas Merkwürdiges bemerken, denn unbehandelte Kopfschmerzen können chronisch werden.

Häufige Ursachen für Kopfschmerz sind Stress, Bewegungsmangel, Schlafmangel, übermäßiges Fernsehgucken oder Computerspielen.

60 Prozent der Kopfschmerzkinder leiden unter Spannungskopfschmerzen. Diese können zwischen einer halben Stunde und mehreren Tagen dauern. Die Kinder beschreiben den Schmerz meist als drückend oder ziehend, oder sie vergleichen ihn mit einem Ring, der den Kopf zusammenquetscht. Wenn Ihr Kind gelegentlich unter derartigen Kopfschmerzen leidet, sollten Sie ihm nicht gleich Tabletten verabreichen. Es gibt zunächst sanftere Möglichkeiten:

  • Entspannungsverfahren: Lernen Sie gemeinsam ein Entspannungsverfahren. Für Kinder sind Phantasiereisen gut geeignet, bei denen der Schmerz bildhaft besiegt wird.
  • Ruhe: Schauen Sie auf den Freizeitplan Ihres Kindes. Manche Kopfschmerzen sind unbewusster Protest gegen zu viele Aktivitäten. Gönnen Sie ihm mehr Ruhe. Im akuten Schmerz sollte es sich in einem abgedunkelten Raum erholen.
  • Pfefferminzöl: Reiben Sie Schläfen und Stirn Ihres Kindes mit ein paar Tropfen ein.
  • Trinken: Geben Sie Ihrem Kind ausreichend zu trinken, am besten Wasser. Auf Cola oder Kaffee sollte verzichtet werden, da Koffein Kopfschmerzen auslösen kann.

Wenn Sie doch zu Tabletten greifen müssen, wählen Sie solche mit den schmerzstillenden Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Acetyl-Salicyl-Säure ist für Kinder nicht geeignet.

Kann Ihr Kind schon schreiben, lassen Sie es ein Kopfschmerztagebuch führen. Hierin werden die Schmerzen aufgelistet und auch, was zuvor getan oder gegessen wurde. In 10 Prozent der Fälle bessert sich allein dadurch schon der Kopfschmerz. Denn das Kind lernt, sich selbst zu beobachten und Situationen, die Kopfschmerz auslösen könnten, zu vermeiden.

Die meisten Kinder haben nur hin und wieder Beschwerden. Problematisch wird es, wenn der Schmerz länger anhält. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn die Schmerzen täglich auftreten, sie mehr als zwölf Stunden anhalten oder das Kind nach Medikamenten verlangt, weil es die Schmerzen sonst nicht ertragen kann. Möglicherweise steht eine Migräne dahinter. Während sich aber bei Erwachsenen die Migräne halbseitig bemerkbar macht, ist bei Kindern der ganze Kopf betroffen. Der Schmerz ist hämmernd oder pochend. Manche Migräneattacken verlaufen jedoch ohne Kopfschmerzen, wohl aber mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Diese Beschwerden werden meist erst später mit Migräne in Verbindung gebracht, wenn sich im Erwachsenenalter der typische Halbseitenkopfschmerz entwickelt. Für schwere Anfälle haben sich bei Kindern Nasensprays mit dem Wirkstoff Triptan bewährt.

Aber nicht nur der Kinderarzt oder – in schwereren Fällen eine Kopfschmerzambulanz in der Uniklinik – können Ihnen und Ihrem Kind helfen. Suchen Sie mit Ihrem Kind einmal den Augenarzt auf, denn auch eine Sehschwäche kann ursächlich sein. Eventuell hilft auch der Kieferorthopäde weiter, wenn eine Fehlstellung des Kiefers vorliegt.

 

16. bis 29. Februar 2012

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker