Kinder vor Haushaltsunfällen schützen

Es ist eine traurige Tatsache: Unfälle sind das Gesundheitsrisiko Nummer eins im Kindesalter. Jährlich verunglücken etwa 270.000 Kinder unter 15 Jahren im häuslichen Umfeld. Über die Hälfte dieser Unfälle sind Stürze. Im Säuglingsalter sind es meist Stürze vom Wickeltisch, gefolgt von Stürzen aus dem Kinderbett oder vom Hochstuhl. Werden die Kinder älter, nehmen andere Unfallarten zu.

Dies sind insbesondere Zusammenstöße mit Türen, Schnittverletzungen mit Messern und Scheren und – besonders schwerwiegend – Verbrennungen, Verbrühungen und Vergiftungen. Immer wieder sterben Kinder sogar an den Folgen häuslicher Unfälle. Dies ist umso schlimmer, als die meisten Unfälle einfach zu vermeiden wären. Auf ein paar Gefahren wollen wie Sie an dieser Stelle hinweisen.

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und große Neugierde. Das ist gut so, denn nur auf diese Weise sammeln sie Erfahrungen und lernen, sich sicher in der Welt zu bewegen. Eltern können ihren Kindern diese Lernprozesse nicht abnehmen. So nützt es zum Beispiel gar nichts, die Kleinen in Watte zu packen und sie völlig von Gefahren fernzuhalten – sie würden auf diese Weise nicht lernen, worauf sie achten müssen. Und trotzdem sind Kinder damit überfordert, wenn sie Gefahren gleichzeitig erkennen und vermeiden sollen. Ganz junge Kinder sind sogar nicht einmal in der Lage, die Folgen ihres Tuns abzuschätzen. Die Fähigkeit, zum Beispiel die Konsequenzen vorherzusehen, wenn sie voller Spaß Bücher und CDs aus einem Regal heraus räumen, fehlt ihnen erst einmal. Dass das Regal umkippen und sie darunter begraben könnte, wissen Erwachsene – Kleinkindern jedoch fehlt die Reife, dies zu erkennen und entsprechende Hinweise der Eltern zu verstehen. Deswegen stehen Sie als Elternteil vor der Herausforderung, Ihrem Kind zwar seine Erfahrungen zu ermöglichen – also sprich: es darf die Bücher ausräumen. Aber Sie müssen es vor nicht einschätzbaren Gefahren schützen und deshalb das Bücherregal umsturzsicher an der Wand befestigen.

Die folgenden grundsätzlichen Tipps sollen Ihnen dabei helfen, den schmalen Grat zwischen Zulassen von Erfahrungen und Schutz des Kindes vor Gefahren richtig zu gehen:

Lassen Sie Ihr Kind auf dem Wickeltisch nie alleine. Selbst Säuglinge können eine ungeschickte Bewegung machen und herunter stürzen. Versehen Sie auch das Kinderbett mit einem Gitter. Ein Hochbett ist erst ab 6 Jahren geeignet. Achten Sie beim Kauf eines Hochstuhls darauf, dass er stabil, standfest und belastbar ist und stellen Sie ihn zuhause kippsicher auf. Der Stuhl darf keine Rollen haben. Wichtig ist auch, dass sich der Schrittgurt zwischen den Beinen nicht lockern kann, damit das Kind nicht aus dem Stuhl rutschen kann. Doch auch wenn der Stuhl noch so gut ist: Lassen Sie das Kind nicht ohne Aufsicht und nicht zu lange im Hochstuhl sitzen.

Sehr unberechenbar für Kleinkinder sind Hitze und Strom. Bringen Sie deshalb Herdschutzgitter und Steckdosenkappen an. Drehen Sie beim Kochen die Pfannenstiele nach hinten. Trotzdem soll Ihr Kind natürlich lernen, wo die Gefahren liegen. Erklären Sie ihm, dass aus der Steckdose Strom kommt und dass der Herd heiß wird. Und da wir gerade beim Feuer sind: Besitzen Sie einen Rauchmelder, der auf Rauchentwicklung mit einem hohen Signalton reagiert? Oft wird man im Schlaf vom Brand überrascht. Mit einem Rauchmelder werden Sie früh gewarnt bzw. geweckt.  

Wenn Sie auf zwei Stockwerken wohnen, ist ein Treppenschutzgitter unverzichtbar, auch wenn Ihr Kind schon die Treppe hoch- und herunterkrabbeln oder sogar gehen kann. Denn nachts oder beim Spielen vergessen Kinder häufig die Treppe und können herunter stürzen. Erst wenn Ihr Kind ganz sicher auf den Beinen ist, können Sie das Gitter tagsüber auflassen, sollten es aber nachts bis in die Grundschulzeit hinein noch weiterhin geschlossen halten.

Lassen Sie Ihr Kind im Haushalt mithelfen, natürlich nur unter Ihrer Beaufsichtigung. So lernt es, mit dem Messer zu schneiden oder Kerzen anzuzünden. Wenn etwas schief zu gehen droht, können Sie schnell eingreifen. Ihr Kind wird stolz sein und sich erwachsen fühlen, wenn es „mitarbeiten“ darf. Doch erklären Sie ihm, dass dies nur in Ihrem Beisein geht. Es ist sinnvoller, mit dem Kind gemeinsam mit Schere, Messer oder Feuer umzugehen, als ihm den Umgang damit komplett zu verbieten. Die verbotenen Dinge würden dadurch nur noch interessanter werden, und die Gefahr wäre groß, dass das Kind sie heimlich ausprobiert. Reinigungs-, Putz- und Lösungsmittel gehören allerdings grundsätzlich in einen abschließbaren Schrank. Kleinkinder können diese Flaschen noch nicht von bunten Getränkeflaschen unterscheiden und wollen in ihrem Entdeckerdrang vom Inhalt probieren. Dies kann Vergiftungen und Verätzungen verursachen. Für solche Notfälle müssen Sie sich einprägen: 112 anrufen! 

Kinder können sich aber auch beim Spielen mit Spielzeug verletzen, denn sie nehmen erst einmal alles in den Mund. Deswegen dürfen die Spielsachen keine verschluckbaren Einzelteile enthalten. Wenn Elektrik im Spiel ist, muss die Isolierung stimmen. Und aus dem Plastik dürfen sich keine schädlichen Stoffe herausnuckeln lassen. Achten Sie deswegen beim Kauf von Spielzeug und Kindermöbeln auf das CE-Zeichen. Dann entsprechen die Gegenstände dem heutigen Sicherheitsstandard. Das GS-Zeichen (geprüfte Sicherheit) ist ein freiwilliges zusätzliches Prüfzeichen.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131  2069-0.

 

16.06.2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl