Wenn Eltern sich trennen - Tipps für Eltern mit Kindern

Es kann jedem passieren: Zuerst erlebt man gemeinsam den Himmel auf Erden, dann fliegen die Fetzen, und irgendwann steht die Trennung bevor. Das tut meistens sehr weh, aber besonders schlimm ist es, wenn auch noch Kinder beteiligt sind, vor allem, wenn sie noch klein sind. Für sie sind die Eltern nämlich die wichtigsten Bezugspersonen in ihrem Leben und die Familie gibt ihnen Sicherheit. Und jetzt soll einer der beiden gehen?

Kinder verlieren dabei ihren Vertrauensanker in der Welt. Sie bekommen Angst, mit ihnen könne das gleiche passieren, Mama und Papa könnten irgendwann auch das Kind nicht mehr lieben und sich von ihm trennen.

Weiterhin hat das Kind bislang seine Eltern als eine Einheit erlebt. Es liebt im Normalfall Mama und Papa gleichermaßen. Wenn sich jetzt die Eltern streiten oder trennen, gerät ein Kind schnell in einen Loyalitätskonflikt. Die Mama schimpft mit dem Papa, den das Kind doch so sehr liebt. So will es instinktiv zu ihm halten und ihn trösten. Aber damit würde es sich ja gegen die Mama stellen, die es aber genauso liebt. Wie soll ein Kind damit umgehen können? Ein achtjähriges Mädchen beschrieb diesen inneren Konflikt einmal mit den folgenden Worten: „Es ist so, als ob mein Herz in zwei Teile gerissen wird.“ Hört man so etwas, müssten eigentlich bei jedem Elternteil die Alarmglocken schrillen, sodass sie zumindest damit aufhören, sich vor dem Kind zu streiten. Aber das ist leichter gesagt als getan.

Und schlussendlich neigen Kinder dazu, sich selbst die Schuld am Zerwürfnis zu geben. Kleine Kinder entwickeln Allmachtsgefühle, das ist ein normaler Schritt, um ihr Selbst-bewusstsein zu entwickeln. Doch Allmachtsgefühle bedeuten  auch, dass sie glauben, wenn etwas schief läuft, haben sie selbst versagt.

Sie haben jetzt die wesentlichen Gründe gehört, warum ein Kind unter der Trennung ihrer Eltern leidet. Natürlich soll ein Paar nicht zusammenzubleiben, wenn es nicht mehr geht. Aber beide Elternteile sollten sich bemühen, ihr Kind zu schützen und die Situation aus dem Blickwinkel des Kindes zu betrachten. Versuchen Sie, es ihrem Kind so leicht wie möglich zu machen! Das ist sicherlich nicht leicht, aber vielleicht helfen Ihnen die folgenden Tipps:

  • Nach aller Enttäuschung und allem Streit ist es für ein getrenntes Paar natürlich schwierig, die gemeinsame Elternschaft wohlwollend aufrechtzuerhalten. Doch Sie sollten  sich als erstens klar machen, dass Sie Ihr ganzes Leben lang die Eltern ihrer Kinder bleiben, und zweitens als ein Elternteil ein ganzes Leben lang mit dem getrennten Partner verbunden bleiben. Ihre Aufgabe besteht dabei, die Paarebene klar und deutlich von der Elternebene zu unterscheiden.
  • Das Ziel sollte sein, den Kindern beide Eltern zu erhalten
  • Versuchen Sie nicht, das Kind vom anderen Elternteil fernzuhalten, außer natürlich, es gibt gewichtige Gründe.
  • Wenn das Kind beim anderen Elternteil zu Besuch war, dann fragen Sie nicht mit bissigem Unterton: Habt Ihr denn beim Vater richtig gegessen? Hat er euch wieder so spät erst ins Bett gebracht? Solche Fragen sind in Wahrheit Vorwürfe an den Ex-Partner. Rechtlich gesehen hat derjenige, bei dem sich das Kind gerade aufhält, die Alleinentscheidungsbefugnis bei der alltäglichen Betreuung und in Notfällen. Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass – um bei dem Beispiel zu bleiben – durch das zu späte ins Bett bringen am nächsten Tag die Schulleistungen leiden, sollten Sie das mit dem anderen Elternteilbesprechen.
  • Treffen Sie alle Regelungen direkt mit dem anderen Elternteil und nicht über die Kinder. Wenn etwa ein Termin verschoben werden muss, teilen Sie das dem Vater / der Mutter direkt mit.
  • Regeln Sie die Besuchs- und Ferienzeiten verbindlich, vor allem bei kleinen Kindern. Die freiwillige Basis, nach dem Motto „Willst Du mal wieder zum Papa“, bringt die Kinder in eine Zwickmühle. So könnten die Kinder vermuten, dass die Mutter eigentlich ein „nein“ hören möchte, und sie können sich nicht frei entscheiden. Klare Vereinbarungen sind daher für alle Beteiligten am besten. 
  • Teilen Sie Kinder nicht auf wie in Erich Kästners Roman „doppeltes Lottchen“. Wenn nämlich das eine Kind beim Vater lebt und das andere bei der Mutter, dann müssen die Kinder nicht nur die Trennung von einem Elternteil verkraften, sondern auch noch von der Schwester oder dem Bruder.
  • Gehen Sie beide auf wichtige Feste und Veranstaltungen, wie z. B. die Einschulung. Es ist schlimm für ein Kind, wenn immer nur ein Elternteil anwesend ist.

Häufen sich die Probleme, oder finden die Eltern gemeinsam keine Regelung, ist zu überlegen, eine Eltern-/Familien-/ oder Erziehungsberatung aufzusuchen. Hier kann im Beisein einer dritten Person vieles geklärt werden. Solche Unterstützung wird  beispielsweise angeboten von pro familia oder von  kirchlichen Beratungsstellen. Auch das Jugendamt steht Ihnen beratend zur Seite. Notfalls kann das Familiengericht über den Umfang des Umgangs entscheiden und diesen konkret regeln. Das kann gut sein, wenn alle Einigungsversuche und Mediationsgespräche scheitern. Erwachsene Menschen sollten es aber eigentlich schaffen, zum Wohle der Kinder auch auf anderen Wegen eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

 

01. bis 15. September 2007