Spielsucht am PC

Der Computer und das Internet sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie erleichtern vieles in Beruf, Schule und Freizeit. Doch wie so oft im Leben gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Und diese heißt Spielsucht am PC. Rund 40 Millionen Menschen sind in Deutschland mit dem Internet vernetzt. Und davon sind etwa 5 Prozent computersüchtig, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie.

Als süchtig wird definiert, wer mehr Zeit mit Spielen auf dem PC verbringt, als es beabsichtigt oder sinnvoll ist. Eine Internetabhängigkeit erkennt man an folgenden Merkmalen: der Einengung des eigenen Verhaltensraumes, d.h. das der größte Teil des Tages am PC verbracht wird; einem Kontrollverlust, bei dem man nicht mehr überblickt, wie viel Zeit am Computer verbracht wird; einer Toleranzentwicklung, d.h. es wird immer mehr Zeit am PC verbracht; Entzugserscheinungen in Form von psychischen Beeinträchtigungen und dem Wegfall von sozialen Kontakten.

Experten sind sich einig, dass bei der Computersucht viele bereits bekannte Suchtformen und risikoreiche Verhaltensweisen vereint werden können, wie beispielsweise die Spielsucht in Form von Rollenspielen wie „World of Warcraft“, Internetglücksspielen wie Online-Poker, exzessives chatten und Besuchen von pornografischen Internetseiten oder Kauf- und Wettsucht. Vor allem der Bereich der Spielsucht steht hier im Vordergrund.

Das Problem bei allen Computersüchtigen: Die Betroffenen verdrängen und vergessen das reale Leben und flüchten in eine alternative virtuelle Welt. Glücklich und zufrieden werden sie nur während des Spiels. „Dabei aber brauchen sie eine immer höhere Dosis an Computerspielen, um die gleiche Wirkung zu erzielen“, erklärt Dipl.-Psych. Kai Müller von der Ambulanz für Spielsucht an der Uni Mainz. „Und bei einer Unterbrechung werden die Betroffenen unruhig, nervös, unzufrieden, gereizt und aggressiv.“

Das Computerspielen wird auch dann fortgeführt, wenn es die Partnerschaft gefährdet, oder zur Vernachlässigung schulischer oder beruflicher Aufgaben führt, oder wenn körperliche Schäden auftreten. 
Therapeuten nehmen das Phänomen ernst. Ihr Therapieansatz ist zweigliedrig. Er besteht erstens darin, die Computersucht als eine Verdrängung von anderen Problemen anzusehen. Diese sind meist Identitätsprobleme, depressive Verstimmungen und Angststörungen. In der Therapie geht es darum, diese Probleme zu behandeln. Auch werden die Patienten darüber aufgeklärt, dass sie deswegen spielen, um ihre realen Probleme zu verdrängen. Der zweite Therapieansatz besteht in einer Verhaltenstherapie: Die Betroffenen schließen mit dem Therapeuten einen Vertrag ab und legen fest, wie viele Stunden und zu welchen Zeiten noch gespielt wird. Zudem müssen die Betroffenen andere Möglichkeiten entwickeln, um Selbstbestätigung zu finden und um ihr Belohnungssystem im Gehirn zu aktivieren. Das geht u. a. durch den Wiederaufbau von solchen Aktivitäten, die vor der Computerspielsucht eine wichtige Rolle im Leben der Patienten gespielt haben.

Und noch ein paar Tipps für Eltern: Wenn Sie den Verdacht haben, Ihr Kind könnte betroffen sein, sollten Sie zunächst beobachten, wie viel Zeit ihr Nachwuchs täglich für das Spielen am Computer aufwendet. Ein neues Computerspiel kann einige Wochen bis Monate faszinieren. Aber dann sollten auch andere Freizeitbeschäftigungen wieder Spaß machen. Wenn das Kind aber Freunde und sogar die Schule vernachlässigt, müssen Sie handeln. Weitere Alarmzeichen sind Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Gewichtsprobleme. Um Ihr Kind wieder für die Realität zu begeistern, sollten Sie Erfolgserlebnisse ins reale Leben einbauen und es z. B. mehr loben. Machen Sie außerdem feste Computerzeiten aus. Gut ist auch, gemeinsam etwas zu unternehmen, sowie über den Inhalt der Spiele zu reden, damit Sie wissen, womit sich Ihr Kind beschäftigt. 

Seien Sie Vorbild, was die Dauer und Art der Nutzung des Computers angeht! Seien Sie neuen Medien gegenüber aufgeschlossen und neugierig. Nur dann werden auch Ihre Kinder Ihre Warnungen vor Gefahren und Nachteilen ernst nehmen.

Für eine persönliche telefonische Beratung steht Ihnen unter der 0180-1529529 die Spielsuchtambulanz der Universität Mainz zur Verfügung. Die für Sie zuständige Beratungsstelle und weitere Informationen zum Thema können Sie unter der 0800-5566100 bei der Sucht-Infoline der LZG abrufen. 

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

16. bis 30.09.2008

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl