Schwimmen können ist wichtig!

Schwimmen gilt als eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Es bringt Herz und Kreislauf in Schwung, trainiert die Muskeln, schützt die Gelenke, hilft beim Abnehmen – und dies alles für Menschen jeden Alters. Dass Schwimmen wichtig ist, haben bereits die alten Römer erkannt, denn sie sagten über einen ungebildeten Menschen „er konnte weder schwimmen noch lesen“. Das Schwimmen kam wohlbemerkt noch vor dem Lesen, obwohl letzteres doch eine elementare Kulturtechnik ist.

Dies berichtete der schwimmbegeisterte Schriftsteller John von Düffel kürzlich im Radio.

Doch es sieht so aus, als würde das Schwimmen heutzutage immer mehr an Bedeutung verlieren. „Es gibt zwar jede Menge Spaßbäder mit Erlebnisrutschen, Diskomusik und Lichtspektakel, aber die Anzahl der Schwimmbäder, in denen man richtig schwimmen und lange Bahnen ziehen kann, nimmt ab“, erklärte der Sportwissenschaftler Professor Dr. Kuno Hottenrott anlässlich eines von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft ausgerichteten Expertenworkshops. Hinzu kommt, dass nach Recherchen der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V.) seit 2007 in Deutschland fast 300 Bäder geschlossen wurden, mehr als 500 sind derzeit vom Aus bedroht. „Weniger Schwimmbäder bedeutet auch weniger Möglichkeiten, Schwimmen zu lernen“, warnt Kuno Hottenrott. Viele Grundschulen haben zum Beispiel gar keine Schwimmbäder mehr in Reichweite, weshalb sich auch der schulische Schwimmunterricht reduziert. Die Auswirkungen sind bereits deutlich messbar. 30 bis 50 Prozent der Grundschüler und 25 Prozent der Erwachsenen in Deutschland können nicht oder nicht richtig schwimmen, zeigen die Erhebungen der DLRG. Sportvereine und Ärzte sehen dies gleichermaßen als Problem an. Während die Sportvereine bedauern, dass ihnen der Nachwuchs abhandenkommt, geht es den Ärzten um die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, täglich 30 Minuten körperlich aktiv zu sein. Wer übergewichtig ist, unter Gelenkproblemen leidet oder betagt ist, für den ist Schwimmen eine optimale Möglichkeit, Ausdauersport zu betreiben. „Und was gibt es Schöneres, als gerade im Sommer im Schwimmbad ein paar Runden zu ziehen? Das fördert die Gesundheit und macht Spaß“, so Hottenrott, der sich stark für den Erhalt von öffentlichen Bädern einsetzt. „Schwimmen ist ein Sport, den Menschen jeden Alters durchführen können“.

Darüber hinaus ist die Schwimmfähigkeit lebensrettend. Die Ertrinkungsstatistik der DLRG zeigt bisher, dass der Rückgang von öffentlichen Bädern glücklicherweise noch keine Auswirkungen auf die Zahl der ertrunkenen Kinder bis zu 15 Jahren hat. Offenbar ist den Kindern ihre Schwimmunfähigkeit bewusst beziehungsweise sie werden entsprechend beaufsichtigt. Sie gehen nicht ins Wasser oder halten sich nur im flachen oder ufernahen Gewässer auf. Probleme bereiten der DLRG insbesondere die älteren Menschen. Deren Anteil an den Ertrinkungsopfern ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Hier zeigt sich, dass zur Schwimmfähigkeit auch die Schwimmpraxis gehört. Ansonsten kann es passieren, dass man seine Fähigkeit als Schwimmerin oder Schwimmer überschätzt und an seine Leistungsgrenzen gerät. Gesundheitliche Vorschädigungen, Leichtsinn und das Baden in unbekannten Gewässern sind weitere häufige Ursachen des Ertrinkungstodes. Auch wenn das Baden in Seen und Flüssen ein tolles Erlebnis ist, empfohlen wird es nur geübten Schwimmerinnen und Schwimmern. Übung ist am besten in gesicherten Bädern unter der Aufsicht eines Bademeisters zu erwerben.

Was können Sie nun tun, wenn Sie als Mama oder Papa Ihrem Kind das Schicksal des Nichtschwimmens ersparen möchten? Unser Tipp: Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf den Schwimmunterricht in der Grundschule! Es kann gut sein, dass dieser nicht oder in nicht ausreichendem Maße stattfindet. Immerhin haben 20 Prozent der Grundschulen keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad. Wenn möglich, gehen Sie daher selbst mit Ihren Kindern schwimmen. „Zuerst sollten sich die Kinder an das Element Wasser gewöhnen und sich darin wohlfühlen“, erklärt Kuno Hottenrott. „Lassen Sie es plantschen und spielen Sie mit Ihrem Kind im Wasser. Lassen Sie es auch mal den Kopf unter Wasser halten und dann ausatmen, das kostet Überwindung, ist aber eine gute Übung fürs spätere Schwimmenlernen.“ Im zweiten Schritt geht es dann darum, die Technik zu lernen. Am sinnvollsten ist das klassische Brust- und Kraulschwimmen.

Wenn es für Sie schwierig ist, für Ihr Kind einen Platz im Schwimmkurs zu bekommen, dann könnten Sie überlegen, das Ziel „Schwimmenlernen“ in den Ferien zu verfolgen. Warum fahren Sie nicht an einen Ort, wo Kinder unter anderem einfach nur mal schwimmen lernen können? Im Internet können Sie zum Beispiel unter dem Suchbegriff „Schwimmen lernen im Urlaub“ verschiedene Anbieter recherchieren.

Nichtschwimmen ist zwar heute kein Zeichen mehr für Unbildung, wie noch bei den alten Römern. Aber es schränkt das Leben erheblich ein und macht es gefährlicher. Und denken Sie daran, nicht nur der Aufenthalt im Wasser ist gefährlich, wenn man nicht schwimmen kann, sondern auch der Aufenthalt auf dem Wasser. Denn Kanufahren, Segeln oder Surfen setzen schließlich ebenfalls Schwimmkenntnisse voraus.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker 

16. bis 30. Juni 2014