Migräne - die quälende Schmerzattacke

Vorab das Zitat eines berühmten Arztes im alten Griechenland: „Er sah einen Lichtschein vor sich, der in einem Teil des Auges sichtbar war. Als der Lichtschein nachließ, kam es zu einem heftigen Schmerz in der rechten Schläfe, dann im ganzen Kopf und Nacken. Der Schmerz ließ nach, als der Patient erbrechen musste.” Das beschrieb Hippokrates. Es handelte sich um den präzise beobachteten Ablauf einer Migräneattacke.

Die Migräne ist also keine Modeerscheinung oder eingebildete Krankheit, wie es vielfach immer wieder zu hören ist.

Bei einem Drittel der Betroffenen tritt die Migräne nicht plötzlich auf, sondern kündigt sich ein bis zwei Tage vorher an. Bei manchen durch Gefühlsschwankungen, wie zum Beispiel einer depressiven Verstimmung oder einer Euphorie. Ein plötzlicher Heißhunger auf Süßes oder auch Appetitlosigkeit können ebenfalls auf eine bevorstehende Migräneattacke hinweisen. Wer solche Vorboten kennt, sollte sie nutzen: Je früher man weiß, dass eine Attacke bevorsteht, desto besser kann man dagegen angehen.

Bei etwa 15 Prozent der Patienten beginnt die Migräne mit einer Aura. Hierbei kommt es vor oder selten unmittelbar zu Beginn der Kopfschmerzen zu verschiedenen Nervenerscheinungen, die sich innerhalb von 5 bis 20 Minuten langsam ausbreiten und meist nicht länger als 60 Minuten andauern. Oft werden Sehstörungen, z. B. in Form von Lichtblitzen oder flimmernden Zackenlinien, beobachtet. Es kann auch zu Sprachstörungen oder Gefühlsstörungen an Armen und Beinen kommen.

Die Kopfschmerzphase ist wohl der unangenehmste Teil eines Migräneanfalls. Meist beginnen die Schmerzen in den Morgenstunden, manchmal auch früher. Der typische Migräneschmerz ist fast immer streng einseitig, allerdings nicht jedes Mal auf der gleichen Seite. Bei manchen Patienten wechselt die Seite auch während einer Attacke. Typisch ist der pulsierende, pochende und zum Teil stechende Schmerz, der häufig im Nackenbereich oder Hinterkopf beginnt und dann in den Stirn-, Augen- und Schläfenbereich ausstrahlt. Bei körperlicher Anstrengung wird der Schmerz stärker, zum Beispiel beim Treppensteigen. Um zu wissen, ob sich eine Migräne ankündigt, hilft oft schon ein einfacher Trick – Kopfschütteln. Verschlimmern sich die Schmerzen, ist es Migräne, bleibt der Schmerz gleich, ist es einer der vielen anderen möglichen Kopfschmerzarten.

Die Ursache von all dem ist höchstwahrscheinlich eine Überreizung des Trigeminusnerves, das ist ein Hirnnerv, der unter anderem für das Schmerzempfinden im Kopf verantwortlich ist. Durch die Überreizung treten mehr Botenstoffe als sonst an den Nervenendigungen aus, welche dann zu einer entzündlichen Erweiterung der Blutgefäße im Kopf führen kann. Das macht dann den Schmerz aus.

Die wichtigste Regel für Migräniker lautet daher, jede Überreizung zu vermeiden. D. h., weichen Sie nicht von einem alltäglichen, routinierten Tagesablauf ab. Während der Arbeitszeit ist dies leicht, aber auch am Wochenende und im Urlaub sollten Sie Ihre gewohnten Aufsteh- und Zu-Bett-geh-Zeiten beibehalten. 

Grob unterteilt man die Migränebehandlung in drei Hauptgruppen: die akute Behandlung leichter Attacken, die akute Behandlung schwerer Attacken sowie die vorbeugende Behandlung. Sie sollten jedoch die Diagnose unbedingt durch ihren Arzt abklären lassen und die nachfolgende Behandlung gemeinsam besprechen! Insbesondere, um eine optimale Medikation zu erzielen, aber auch, um andere neurologische Erkrankungen auszuschließen.

Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken genügt oftmals ein herkömmliches Schmerzmittel, kombiniert mit einem Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen. Das meist verwendete Schmerzmittel ist die allseits bekannte Acetylsalicylsäure (ASS). Wichtig ist eine ausreichende Dosis, und zwar 1000 bis 1500mg auf einmal, also nicht über den Tag verteilt. Das Antibrechmittel wird etwa 15 Minuten vorher eingenommen, es soll die während eines Migräneanfalls stark herabgesetzte Magen- und Darmaktivität wieder normalisieren. Sonst können die Medikamente nicht gut vom Körper aufgenommen werden.

Bei schweren Migräneanfällen helfen am besten Medikamente aus der Substanzgruppe der Triptane. Sie wirken direkt auf den Entzündungsvorgang an Nerven und Blutgefäßen ein. Es gibt verschiedene Mittel. Der Arzt muss herausfinden, welches Ihnen am besten hilft und dazu brauchen Sie gemeinsam meistens mehrere Anläufe.

Je eher Sie Triptane bei einem bevorstehenden Anfall einnehmen, desto besser. Allerdings sollten Sie auch wirklich ganz sicher sein, denn häufiger als achtmal im Monat dürfen Sie diese Medikamente nicht eingenehmen, sonst besteht die Gefahr, dass sie ihrerseits Kopfschmerzen verursachen. Am besten ist es daher, Sie führen ein Migränetagebuch, so lernen Sie, die Frühanzeichen genau zu erkennen.

Bei schweren und häufigen Migräneanfällen sollten Sie auch vorbeugend etwas machen. Vielen Patienten hilft es, wenn sie niedrig dosiert einen Betablocker oder einen Kalziumantagonisten einnehmen, die eigentlich beide zur Bluthochdrucktherapie eingesetzt werden. Diese Möglichkeit sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Wer die Naturheilkunde schätzt, sollte Pestwurz ausprobieren. Hier stellen sich die Effekte allerdings erst nach vier bis sechs Wochen ein, der Wirkstoff hat aber dafür so gut wie keine Nebenwirkungen.

Weiterhin gilt es, nach Auslöse-Faktoren zu suchen – und zu meiden. Diese sind oft Rotwein und Käse. Das Migränetagebuch hilft Ihnen auch hierbei. Und zu guter Letzt sollten Sie noch leichten Ausdauersport und zusätzlich Yoga oder eine andere Entspannungstherapie betreiben, das ist sehr gut gegen die überreizten Nerven.

 

16. bis 31. August 2007 aktualisiert am 4.5.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl