Pflege - wo bekomme ich Hilfe?

Pflege ist kein ständiges Thema des Alltags, die meisten Menschen beschäftigen sich erst damit, wenn die Situation es erfordert. Ein plötzlicher Schlaganfall und alles sieht anders aus. Zu der Sorge um den Pflegebedürftigen kommt dann noch die Verwirrung durch die vielen unbekannten Begriffe. Hier möchten wir Sie unterstützen und Ihnen einen Überblick und Tipps geben.

 Es gibt zwei unterschiedliche Arten von häuslichen Pflegeleistungen: Die Behandlungspflege und die Grundpflege. Die Behandlungspflege wird aus medizinischen Gründen vom Arzt verordnet und umfasst zum Beispiel Verbände, Injektionen oder Medikamentengabe. Sie wird von Pflegediensten nach der schriftlichen Anweisung der Ärztin oder des Arztes durchgeführt. Wenn die Kasse der Kostenübernahme zugestimmt hat, ist vom Versicherten nur ein Eigenanteil zu zahlen. Als Grundpflege bezeichnet man die Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilität. Sie wird von Pflegediensten ausgeführt und entweder aus eigenen Mitteln oder nach Einstufung aus Mitteln der Pflegeversicherung finanziert.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Pflegeversicherung ist, dass der Bedarf nach Grundpflege regelmäßig besteht und voraussichtlich länger als sechs Monate andauern wird. Dann können Sie als Versicherte oder Versicherter einen Antrag bei der Pflegekasse stellen. Dafür rufen Sie am besten Ihre Krankenkasse an und bestellen einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung. Im Antrag werden Sie unter anderem gefragt, welche Leistung Sie brauchen. Wenn Sie einen Pflegedienst wünschen, nennt man das „Sachleistung“, wenn die Pflege durch einen Angehörigen ausgeführt werden soll kommt eine so genannte „Geldleistung“ in Frage. Sie können jedoch auch beides kombinieren, man spricht dann von einer „Kombinationsleistung“.

Den Antrag schicken Sie unterschrieben zur Kasse zurück. Wenn Sie aktuelle und aussagekräftige Arztberichte, zum Beispiel von Krankenhausaufenthalten haben, sollten Sie diese in Kopie beilegen. Wenn Sie möchten, kann Ihr zuständiger Pflegestützpunkt beim Ausfüllen behilflich sein (genaue Angaben zur Anlaufstelle Pflegestützpunkt finden Sie am Ende des Textes). Nach Eingang des Antrags bei der Krankenkasse ist es Aufgabe des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung, kurz  „MDK“ genannt, zu prüfen, ob die Anspruchsvoraussetzungen der Pflegeversicherung bei Ihnen vorliegen. Dazu wird sich eine Gutachterin oder ein Gutachter schriftlich zum Hausbesuch anmelden und dann den täglichen Hilfebedarf ermitteln.

Wenn Sie für sich selbst den Antrag gestellt haben, sollten Sie beim Gutachtertermin nicht allein sein! Bitten Sie eine Angehörige oder einen Angehörigen oder eine Person ihres Vertrauens hinzu. Beschönigen Sie nichts, nennen Sie auch Einschränkungen, die Ihnen unangenehm sind, wie etwa eine Blasenschwäche. Denken Sie daran, auch vermeintliche Kleinigkeiten wie das Nichtöffnen können von Wasserflaschen, stellen einen Hilfebedarf dar und sollten genannt werden. Am besten machen Sie oder Ihre Angehörigen schon vorab einige Notizen oder führen ein Pflegetagebuch mit den Hilfeleistungen, die täglich erbracht werden. Legen Sie auch eine Auflistung der verordneten Medikamente zurecht. Wenige Tage nach dem Gutachterbesuch werden Sie schriftlich von Ihrer Pflegekasse über das Ergebnis informiert und erfahren, ob und in welche Pflegestufe sie eingestuft werden.

Die Pflegestufen erläutern wir Ihnen hier kurz im Einzelnen:

Personen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz, zum Beispiel bei Demenz, die einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege haben, der aber unter dem gesetzlich geregelten Minutenwert der Pflegestufe 1 liegt, erhalten seit dem Jahr 2013 auf Antrag die so genannte Pflegestufe 0 und einen zusätzlichen Betreuungsbetrag von einhundert oder zweihundert Euro monatlich.

Pflegestufe 1 kommt bei erheblich pflegebedürftigen Personen in Frage, die einen täglichen Hilfebedarf von mindestens 46 Minuten bei der Grundpflege aufweisen.

Pflegestufe 2 bedeutet Schwerpflegedürftigkeit mit zwei Stunden Bedarf an Grundpflege.

Pflegestufe 3 heißt Schwerstpflegebedürftigkeit mit vier Stunden Hilfebedarf der Grundpflege, auch in der Nacht.

Ein Hilfebedarf im Bereich der Hauswirtwirtschaft wird gesondert berechnet.

Sollte von der Gutachterin oder vom Gutachter kein regelmäßiger Pflegebedarf im gesetzlich festgelegten Minutenwert pro Tag festgestellt worden sein, erfolgt eine schriftliche Ablehnung. In diesem Fall können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Zusätzlich zu den eingangs erwähnten monatlichen Ansprüchen auf Geld-, Kombinations- oder Sachleistungen gibt es noch weitere Ansprüche, die wir Ihnen ebenfalls kurz vorstellen:

Die Kurzzeitpflege: Für den Zeitraum von maximal 28 Tagen können Sie in einer vollstationären Einrichtung leben, wenn die häusliche Pflege nicht möglich ist.

Die Verhinderungspflege: Bei Verhinderung des pflegenden Angehörigen wegen Urlaub, Krankheit oder aus sonstigen Gründen kann eine Ersatzkraft in den Haushalt des Versicherten kommen. Diese Leistung wird für maximal 28 Tage gewährt und kann auch stundenweise in Anspruch genommen werden. Für jede dieser  beiden Leistungen erstattet die Pflegekasse auf Antrag bis zu 1550 Euro pro Jahr.

Auch besteht die Möglichkeit einer Tagespflege: Die zu pflegende Person wird tagsüber in einer teilstationären Einrichtung untergebracht, betreut und mit Mahlzeiten versorgt.

Desweiteren gibt es die vollstationäre Pflege im Pflegeheim: Wenn die häusliche Pflege nicht mehr ausreicht oder nicht möglich ist.

Eine Wohnraumanpassung ist gegebenenfalls ein weiterer Anspruch: Sind behindertengerechte Umbauten in der eigenen Wohnung nötig, werden auf Antrag bis zu 2557 Euro erstattet.

Auch Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, werden in bestimmten Fällen auf Antrag bezuschusst. Technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Pflegebetten werden bei Notwendigkeit leihweise zur Verfügung gestellt.

Zur Entlastung pflegender Angehöriger können Sie ebenfalls Angebote in Anspruch nehmen: Hier gibt es etwa die Betreuung von Menschen mit Demenz, Pflegekurse für pflegende Angehörige sowie Modelle zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege durch flexible Arbeitszeiten.

Anlaufstellen bei allen Fragen rund um die Pflegeversicherung und die ambulante Pflege sind die Pflegestützpunkte, die in Rheinland-Pfalz flächendeckend eingerichtet wurden. Die Beratung erfolgt neutral und kostenfrei, auf Wunsch werden auch Hausbesuche durchgeführt. Den für Sie zuständigen Pflegestützpunkt finden Sie auf der Demenzlandkarte Rheinland-Pfalz, die Sie im Internet unter www.demenz-rlp.de abrufen können oder in der Broschüre „Pflegeratgeber“, die das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie herausgegeben hat. Der „Pflegeratgeber“ steht als Download zur Verfügung unter www.msagd.rlp.de. Scrollen Sie hierzu an der rechten Navigationsleiste herunter bis zur Überschrift „Neuer Pflegeratgeber“.

Außerdem berät Sie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bei Problemen der ambulanten und stationären Pflege. Sie hilft auch bei Fragen der Abrechnung von Pflegediensten sowie Alten- und Pflegeheimen, bei Fragen zur Begutachtung oder zu Pflegestufen und einzelnen Pflegeleistungen. Auch diese Beratung ist kostenfrei und kann telefonisch und schriftlich erfolgen.Sie erreichen das Informations- und Beschwerdetelefon Pflege montags bis freitags unter der Rufnummer 06131 284841.

 

01. bis 15. Juni 2014

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Katharina Bock und Sabine Pilz, Pflegestützpunkte in Mainz, Mai 2014

Redaktion: Marielle Becker