Prostataleiden - Vorsorge ist wichtig

„Mann“ weiß es, hört davon, hat darüber gelesen, aber man hofft, dass es einen nicht trifft. Und doch ist die "Chance" recht groß, dass es ab einem Alter von etwa 50 Jahren zu gewissen männlichen Beschwerden kommt. Das Wasserlassen dauert länger, der Urinstrahl wird dünner und auch der Orgasmus stellt sich immer häufiger nur unter Anstrengung ein. Ursache ist Prostata, die Vorsteherdrüse, die zum Wachstum tendiert.

Sie liegt direkt unter der Harnblase und umgibt die Harnröhre. Wenn sie sich vergrößert, drückt sie allmählich die Harnröhre zusammen und blockiert den Harnabfluss. So kommen die Beschwerden mit dem Wasserlassen zustande.

Es gibt zwei Gründe, warum die Prostata wächst. Der eine ist die gutartige Prostatavergrößerung, hier vermehrt sich einfach das normale Prostatagewebe, was nicht weiter bedenklich ist. Aber es gibt auch den Prostatakrebs. Und die einzige Möglichkeit, ihn zu vermeiden, ist der regelmäßige Gang zur Vorsorgeuntersuchung.

Aber bevor wir darauf eingehen, noch kurz ein Satz dazu, was eigentlich die Prostata ist: Sie ist eine männliche Geschlechtsdrüse, die ein Sekret absondert, welches sich beim Samenerguss mit der Samenflüssigkeit vermischt und so die Beweglichkeit der zuvor ruhenden Samenfäden entfacht.

Leider ist die Prostata anfällig für verschiedene Krebsarten. Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Er lässt sich bei der Hälfte aller Männer über 70 und bei praktisch allen Männern über 90 nachweisen. Allerdings wachsen viele dieser bösartigen Knoten sehr langsam, sodass die meisten Männer die Vergrößerung und Ausbreitung des Prostatakrebses gar nicht mehr erleben.

Um den Krebs auf jeden Fall rechtzeitig zu erkennen, raten die Urologen den Männern ab 45 zu einer jährlichen Prostata-Vorsorgeuntersuchung.

Von den Krankenkassen wird im Rahmen der Vorsorge die Tastuntersuchung übernommen. Dabei dringt der Arzt mit dem Zeigefinger in den After seines Patienten ein, und drückt den Finger in etwa zwei cm Tiefe gegen die Hinterwand, hier kann er die Prostata abtasten. Normalerweise fühlt er ein glattes, gummiartiges, kastaniengroßes Gebilde. Das ist ein Zeichen für eine gesunde Prostata. Ist sie aber holzartig und höckrig, oder sind vereinzelte Knoten zu tasten, spricht das für einen Krebs.

Empfohlen wird meist, die Tastuntersuchung durch den PSA-Test zu ergänzen, der allerdings meist selbst zu bezahlen ist. Dabei wird das prostataspezifische Antigen im Blut bestimmt. Ist die Konzentration des PSA auf mehr als 10 ng/ml (sprich: Nanogramm pro Milliliter) im Blut erhöht, ist dies normalerweise ein Zeichen für Prostatakrebs. Allerdings kann der Wert auch irreführend sein, denn der PSA-Wert steigt beispielsweise ganz normal mit zunehmendem Alter. Trotzdem ist die Bestimmung des PSA-Spiegels eine gute zusätzliche Diagnose-Methode.

Weisen PSA- und Tastbefund verdächtige Ergebnisse auf, folgt als nächste Untersuchung ein ergänzendes Ultraschallbild. Es zeigt die Ausdehnung des Tumors. Durch eine so genannte Stanzbiopsie kann die Diagnose gesichert werden. Dazu wird von außen eine 1 mm dicke Hohlnadel in die Prostata gestochen, diese Nadel enthält eine Innennadel, welche dazu in der Lage ist, der Prostata einen kompletten Zellverband zu entnehmen. Wer jetzt „autsch“ sagt, kann trotzdem unbesorgt sein. Die ganze Angelegenheit macht sich – durch örtliche Betäubung und einem Federdruckapparat – nicht anders als mit einem kleinen Pickser bemerkbar. Die Gewebeprobe wird untersucht, enthält sie entartete Zellen, muss operiert werden.

Bei der Operation wird die gesamte Prostata entnommen. Dazu müssen auch die Samenleiter durchtrennt werden. D. h. allerdings nicht, dass ein operierter Mann keinen Orgasmus mehr bekommen kann. Wichtig für die Erektion ist außerdem, dass die für die Potenz verantwortlichen Nerven erhalten werden. Mit neuen Techniken, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, ist dies meistens der Fall.

Wurde der Krebs früh gefunden, kann er geheilt werden. Hier bieten sich gewebeschonende Operationsmethoden an – die Seed-Implantation und die Afterloading-Therapie. Bei beiden Methoden werden Strahlungsquellen in die Prostata eingebracht, um den Tumor zu zerstören, das Organ aber zu erhalten.

Hat der Krebs hingegen schon die Kapsel verlassen, welche die Prostata umhüllt, dann stehen die Chancen schlechter. Hier folgen dann der Operation (Prostatektomie) eine Strahlentherapie und eine hormonelle Behandlung, die dem Krebs den Nährboden entzieht. Eine Chemotherapie kommt nur beim Versagen der anderen Methoden zum Einsatz.

Ein neues Prinzip zu Behandlung von Prostatakrebs ist seit dem Jahr 2010 in den USA möglich. Es handelt sich um einen therapeutischen Krebsimpfstoff. Dieser soll das Immunsystem der Patienten, die bereits an Prostatakrebs erkrankt und behandelt worden sind, stimuieren. Allerdings sind die Kosten sehr hoch und die Erfolge umstritten.

Dann gibt es noch das Prinzip der abwartenden Verlaufsbeobachtung. Hierbei werden zunächst die Krebszellen analysiert. Handelt es sich um einen langsam wachsenden Krebs und ist der Patient schon älter, dann wird die weitere Entwicklung abgewartet, natürlich unter engmaschiger Kontrolle.

 

16. bis 31. Juli 2007 Aktualisiert am 2.5.2011

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Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl