Fieber! Was tun?

Heiße Stirn, trockener Mund, Kopfschmerzen und Schüttelfrost: Wenn wir Fieber haben, fühlen wir uns richtig krank. Wer Fieber hat, versucht meist, so schnell wie möglich gegenzusteuern. Das ist nicht immer sinnvoll, denn Fieber ist oft auch nützlich. Zunächst einmal etwas zur Entstehung des Fiebers: Die normale Körpertemperatur beträgt 37 Grad Celsius. Ein bisschen mehr oder weniger ist normal.

Eine Art Wärmeregulationszentrum im Gehirn – das ist der Hypothalamus – sorgt dafür, dass die Temperatur immer gleich bleibt. Sinkt sie ab, weil es beispielsweise draußen kalt ist, setzt er Mechanismen in Bewegung, um den Körper anzuheizen. Die körpereigene Wärmebildung findet dann in den Kraftwerken jeder einzelnen Körperzelle – den sogenannten Mitochondrien – statt. Zudem ordnet das Gehirn Schüttelfrost an: Die Skelettmuskeln ziehen sich 20mal pro Sekunde zusammen, damit erzeugen sie Bewegungsenergie und Reibungswärme, was der Körper bei Kälte gut gebrauchen kann.

Wenn es im Innern hingegen zu warm wird, setzt das Gehirn andere Mechanismen in Gang. Es sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße an der Körperoberfläche weiten, sodass viel Blut direkt unter der Haut entlang fließt. Zudem kommt es zum Schwitzen, der Schweiß verdunstet, sorgt für Verdunstungskälte und kühlt damit das Blut.

Beim Fieber herrscht nun eine paradoxe Situation vor. Wir frieren und haben Schüttelfrost. Gleichzeitig glüht der Körper und wird schweißnass. Wie kommt das? In dem Moment, in dem Krankheitserreger unseren Körper angreifen, werden verstärkt Abwehrzellen produziert. Diese wiederum produzieren Überträgerstoffe, die über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen und dort das Wärmeregulationszentrum veranlassen, die Körpertemperatur zu erhöhen: Es entsteht Fieber.

Die Krankheitserreger mögen die erhöhte Temperatur überhaupt nicht und gehen dadurch oft zugrunde. Hellwach wird jedoch die körpereigene „Polizei“: Die weißen Blutkörperchen laufen zur Hochleistung auf. Außerdem wird der körpereigene Abwehrstoff Interferon produziert. Der Körper arbeitet nun auf Hochtouren bei seinem Kampf gegen die unerwünschten Eindringlinge. Spürbar wird es durch eine Steigerung des Herzschlages und der Atmung sowie durch eine Zunahme des Flüssigkeitsbedarfes.

Von Fieber spricht man bei einer Körpertemperatur ab 38 Grad Celsius. Bei einer fiebrigen Erkrankung sollte die Körpertemperatur regelmäßig gemessen werden, um Höhe und Entwicklung des Fiebers zu kennen. Bei länger andauerndem Fieber über mehrere Tage oder sehr hohen Temperaturen über 39 Grad Celsius mit schwerem Krankheitsgefühl sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Günstig, einfach zu handhaben und ungefährlich sind digitale Fieberthermometer. Gemessen wird die Körpertemperatur an verschiedenen Stellen. Die Rektalfiebermessunggiltals genaueste Methode. Die im After gemessenen Temperaturen liegen etwa 0,4 Grad Celsius höher als die im Mund oder unter der Achsel. Bei der Messung im Mund wird das Thermometer möglichst weit hinten im Mund unter der linken oder rechten Zungenseite platziert. Der Mund muss während der Messung geschlossen bleiben und es sollte kurz vor der Messung nichts Kaltes oder Warmes gegessen oder getrunken werden. Ungeeignet ist die Methode bei verstopfter Nase und Husten, bei verwirrten Menschen und bei Kleinkindern, da sie auf dem Thermometer herumbeißen. Die Temperaturmessung in der Achselhöhle erfordert eine lange Messzeit von bis zu acht Minuten. Spezielle Ohrthermometer messen die Temperatur über die im Gehörgang abgegebene Infrarotstrahlung. Die Messzeiten sind sehr kurz, allerdings muss die Sondenspitze genau platziert werden.

Wenn Sie Fieber haben, ist Schonung bzw. Bettruhe angesagt. Trinken Sie viel, wenn Sie fiebrig sind, am besten zwei bis drei Liter Mineralwasser, Tee oder Obstsäfte. Milch ist allerdings unangebracht. Dies gilt generell für alle Eiweißprodukte, also auch Quark, Käse und Fleisch. Aber oft haben Sie bei Fieber sowieso keinen Appetit. Falsch ist es, schon bei den geringsten Erkältungsanzeichen mit leichter Temperaturerhöhung zu einem fiebersenkenden Medikament zu greifen. Denn zumindest am Anfang nehmen Sie so dem Abwehrsystem die Chance, sich richtig zu aktivieren. Sinnvoll sind solche Medikamente erst ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius und mehr und vor allem auch nach Rücksprache bzw. Untersuchung durch den Arzt.

Vor dem Einsatz von Medikamenten können Sie auch mit natürlichen Mitteln versuchen, das Fieber zu senken z. B. mit kalten Umschlägen, Essig-Fußwickeln oder nasskalten Wadenwickeln. Verwenden Sie lauwarmes Wasser mit einer Temperatur von 18 bis 20 Grad Celsius. Wenden Sie diese Wickel jedoch nur an, wenn Sie schwitzen und nicht, wenn sich die Beine kühl anfühlen.

Bei Kindern sieht die Situation oft anders aus. Sie bekommen schneller Fieber als Erwachsene, das auch auf 40 Grad Celsius ansteigt, stecken es oftmals aber auch besser weg. Trotzdem sollten Sie bei Ihrem Kind ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius und mehr die Temperatur senken. Informieren Sie den Arzt, wenn das Fieber bleibt und sich der Allgemeinzustand verschlechtert, bzw. das Kind stark geschwächt wirkt oder nicht trinkt. In seltenen Fällen kann es bei Kindern bei sehr hohem Fieber oder in der Phase des schnellen Fieberanstiegs- oder -abfalls zu so genannten Fieberkrämpfen kommen. Hat ein Kind dies schon einmal durchgemacht, sollten Sie, nach Rücksprache mit Ihrem Arzt, die Temperatur schon ab 38 Grad Celsius senken. Packen Sie ein fieberndes Kind nicht zu warm ein, damit kein gefährlicher Hitzestau entsteht.

Generell sollten Sie bei Fieber immer daran denken, dass auch ein nicht offensichtlicher Infekt dahinter stehen könnte. Informieren Sie deshalb auch Ihren Arzt, wenn regelmäßige Fieberschübe auftreten oder das Fieber lange anhält. Es könnte auch eine Infektion der Mandeln, Bronchien, Nasennebenhöhlen, Magen, Darm oder Harnwege vorliegen. Eine Blinddarmentzündung oder ein Abszess machen sich oftmals ebenfalls durch Fieber  bemerkbar, genauso wie Malaria, das Pfeiffersche Drüsenfieber, HIV, Borreliose und andere Krankheiten.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

 

16. bis 28. Februar 2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl