Superfood – Was kann es wirklich?

Chia, Acerola oder Goji – Samen und Früchte wie diese sind derzeit in aller Munde und es wird ein wahrer Hype um sie gemacht. Von Marketingexperten werden sie sogar als „Superfood“ beworben. Die meist in fernen Ländern angebauten Lebensmittel sollen vor Vitalstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen nur so strotzen und besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften haben. Superfood trifft den Nerv der Zeit: Gesunde Ernährung ist vielen Menschen wichtig. Viele glauben auch, mit dem Verzehr besonders nährstoffreicher Lebensmittel kleine Ernährungssünden ausgleichen zu können. Auch wenn Gesundheits- und Ernährungsblogs, Online-Shops und Magazine überquellen vor Meldungen und Versprechungen rund um diese vermeintlichen Vitamin– und Mineralstoffbomben: Wer sich abwechslungsreich und ausgewogen ernährt, braucht diese – meist sehr teuren – Trendlebensmittel nicht, um gesund und vital zu bleiben.

Was ist eigentlich „Superfood“?

Eine einheitliche Definition, was Superfood ist, gibt es nicht. Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel bezeichnet Superfood als „Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben“. Oft werden Lebensmittel als Superfood angepriesen, die traditionell aus fernen Ländern stammen. Den Status als Superfood genießen beispielsweise Chia-Samen, Açai-, Goji- oder Aronia-Beeren, Hanfsamen, Weizengras und Matcha-Tee. Insbesondere diese Exoten sind selten frisch erhältlich. Sie werden meist getrocknet oder als Extrakt verkauft. Vielfach werden sie auch zur Anreicherung funktioneller Lebensmittel eingesetzt oder in Kapsel- oder Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Angaben sind manchmal irreführend

Vertraut man den Werbeversprechen, dann sollen diese sogenannten Superfoods heimischen Lebensmitteln in puncto Nährstoffgehalt weit überlegen sein und einen gesundheitlichen Mehrwert bieten. Doch bei näherer Betrachtung halten die dafür hinzugezogenen wissenschaftlichen Daten einer genauen Prüfung nicht immer Stand. Richtig ist, dass diese Lebensmittel in der Regel einen besonders hohen Gehalt an einzelnen oder mehreren physiologisch besonders wertvollen Nährstoffen aufweisen. Allerdings kann der Nährstoffgehalt je nach Sorte und Anbaubedingungen stark schwanken. Oftmals schmilzt der vermeintliche Mehrwert auch schnell dahin, wenn man die üblichen Portionsgrößen vergleicht. Denn Superfoods werden häufig nur in geringen Mengen und auch nicht regelmäßig verzehrt. Zudem kann der unter Laborbedingungen ermittelte Nutzen der isolierten Nährstoffe nicht auf die reale Verzehrsituation übertragen werden, denn Interaktionen zwischen Nährstoffen bleiben dabei unberücksichtigt.

Chia-Samen

Schauen wir uns einmal zwei Vertreter dieser Trendlebensmittel genauer an, wie etwa die Chia-Samen. Die unscheinbaren kleinen Samenkörner kommen ursprünglich aus Mexiko und Guatemala. Sie sind reich an Ballaststoffen, quellen im Darm auf und fördern auf diese Weise die natürlichen Darmbewegungen. Die Chia-Samen gehören zu den Ölsaaten, da sie zu etwa einem Drittel aus Fett bestehen, vorwiegend aus den gesunden Omega-3-Fettsäuren. Diese können helfen, den Cholesterinspiegel und Blutdruck niedrig zu halten. In Wasser gequollene Chia-Samen lassen sich beispielsweise zum Andicken von Puddings, Suppen und Smoothies oder in der veganen Küchen als Ei-Ersatz für Kuchen verwenden. Da Chia-Samen recht teuer sind, ist Leinsamen, eventuell in Verbindung mit Nüssen und Rapsöl, eine sehr viel günstigere Alternative, ergab ein Vergleich von Stiftung Warentest.

Acerolakirsche

Als ein anderes Superfood gilt die Acerolakirsche. Hierzulande wird sie hauptsächlich als Zusatz von Säften oder als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Diese Früchte, die in Südamerika heimisch sind, gehören zu denen mit dem höchsten Gehalt an Vitamin C. Die empfohlene Zufuhr ist laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 110 Milligramm für erwachsene Männer und 95 Milligramm für erwachsene Frauen. Dies ist problemlos über die normale Ernährung realisierbar. Eine Paprika enthält zwischen 100 und 300 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm. Brokkoli, Kohlrabi, Blumenkohl oder Fenchel sind mit 60 bis 90 mg Vitamin C pro 100 Gramm ebenfalls gut dabei. Eine Vitamin-C-Bombe ist auch der heimische Sanddorn.

Heimische Superhelden

Wir müssen unser Superfood von gar nicht so weit herholen, denn es gibt auch regionale Superhelden, die uns reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgen. Vorteil der heimischen Lebensmittel ist: Sie können in einem natürlichen, frischen Zustand verzehrt werden, sind weithin verfügbar und obendrein meist viel günstiger als ihre exotischen Pendants. Beispiele dafür sind dunkle Beeren oder Grünkohl.

Dunkle Beeren

Die Heidelbeere gehört wie auch die anderen dunkelfarbigen Beeren – schwarze Johannis-, Holunder-, Heidel- oder Brombeeren – zu den gesündesten Obstsorten. Die Früchte enthalten nicht nur wertvolle Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch sogenannte Anthocyane, die für die intensive Farbe der Beeren verantwortlich sind. Sie wirken antioxidativ, entzündungshemmend und stärken das Immunsystem. Im Sommer sind sie die Stars in der Obst- und Gemüseabteilung.

Grünkohl

Ein Superstar in den Wintermonaten ist Grünkohl. Er liefert reichlich Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen, und vor allen Dingen Vitamin K und Folsäure. Diese Inhaltsstoffe leisten einen wichtigen Beitrag, um den Körper vor chronischen Krankheiten zu schützen, sie verbessern den Sauerstoffgehalt im Blut und haben einen cholesterinsenkenden Effekt. Zudem ist Grünkohl sehr eiweiß- und eisenhaltig – das macht ihn für Vegetarier und Veganer besonders wertvoll.

Vital und gesund mit heimischen Lebensmitteln

Achtet man auf die saisonale Verfügbarkeit, bieten sich viele Möglichkeiten, den Speiseplan abwechslungsreich zu gestalten und von den gesundheitsfördernden Eigenschaften von heimischem Obst und Gemüse zu profitieren. Wer dennoch die exotischen Superfoods ausprobieren möchte, sollte sich nicht durch die Werbeversprechen blenden lassen: Diese Lebensmittel sind nicht notwendig, um sich gesund und vital zu ernähren. Zudem ist zu bedenken, dass diese Exoten mit gesundheitsgefährdeten Schadstoffen wie Mineralöl, Blei und Pestiziden belastet sein können, so das Ergebnis einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 


 

Weiterführende Links

Stiftung Warentest zu Chia-Samen: https://www.test.de/Chia-Samen-Was-bringt-die-Trend-Saat-aus-Mittelamerika-4860214-0/

Ökotest zu Superfood: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=107544&bernr=04

Vitamin-C-Gehalt von Lebensmitteln: http://www.rohkostwiki.de/wiki/Vitamin-C-Gehalt_von_Lebensmitteln

 

 -