Der erste Besuch in der gynäkologischen Praxis

16. bis 31. Oktober 2015

Das erste Mal zum Frauenarzt oder zur Frauenärztin zu gehen, versetzt wohl jedes Mädchen in Aufregung. Was ist, wenn mich jemand im Wartezimmer erkennt? Was passiert im Untersuchungszimmer? Muss ich mich ausziehen? Fragen dieser Art bauen zunächst einmal eine hohe Hemmschwelle auf und sorgen dafür, dass der erste Besuch so lange wie möglich hinausgezögert wird.

Um dem vorzubeugen und Hemmungen abzubauen, schildern wir heute den Ablauf eines solchen Besuchs.

Viele Frauenärztinnen und Frauenärzte bieten mittlerweile eine sogenannte Mädchensprechstunde an. Diese richtet sich an Mädchen und junge Frauen, die noch keine Erfahrung mit dem Besuch in der gynäkologischen Praxis haben. Manchmal besteht die Mädchensprechstunde im Sinne eines Info-Nachmittags für eine kleine Gruppe von Mädchen. Erwachsene Frauen sind dann nicht im Wartezimmer, die Mädchen sind ganz unter sich. Hier können sie Fragen aller Art stellen, zu ihrer körperlichen Entwicklung und zur Menstruation genauso wie zur Sexualität und zur Verhütung. Andere Frauenärztinnen und Frauenärzte bieten die Mädchensprechstunde als Einzeltermin an. Auch hier ist das Ziel, einen Nachmittag nur für Mädchen zu reservieren, damit sie sich im Wartezimmer möglichst ausschließlich unter Gleichaltrigen befinden. Die Mädchen können dann alleine kommen oder in Begleitung einer Freundin oder erwachsenen Bezugsperson. Eine körperliche Untersuchung findet in der Regel nicht statt. Mädchen und junge Frauen können die Mädchensprechstunde in Anspruch nehmen, wenn sie etwa Schmerzen während der Periode haben, wenn sie mit der Verhütung beginnen möchten oder wenn sie sonstige Fragen rund um ihren Körper haben. Selbst die Pille kann verschrieben werden, ohne dass sich das Mädchen zuvor auf den gynäkologischen Stuhl setzen muss. 

Die Sprechstunde beginnt damit, dass die Gynäkologin beziehungsweise der Gynäkologe einige Fragen zur Vorgeschichte stellt, zum Beispiel nach den Kinderkrankheiten,  den Impfungen (also nach dem Impfausweis fragt) oder ob und seit wann die Menstruationsblutung schon stattfindet. Hilfreich ist es, wenn Mädchen vorab einen Regelkalender führen. Diese Zyklusdokumentation kann entweder in Form eines Papierkalenders aus der Apotheke oder mittels Handy-App erfolgen. Die Daten sollten zur Sprechstunde mitgebracht werden. Auch wird abgefragt, ob das Mädchen momentan unter Beschwerden leidet, und wenn ja, unter welchen. 

Für die erste körperliche Untersuchung muss sich das Mädchen nicht speziell vorbereiten. Natürlich sollte es gewaschen oder geduscht sein. Der Arzt oder die Ärztin bittet das Mädchen in eine Umkleidekabine, wo es sich zunächst „untenherum“ freimacht. Dann setzt es sich auf den Untersuchungsstuhl und stellt die Beine links und rechts auf Stützen auf, die am Stuhl angebracht sind. Der Arzt beziehungsweise die Ärztin setzt sich nun davor, fährt den Stuhl hoch und erklärt dem Mädchen jeden nächsten Schritt vor der Durchführung. Jetzt wird der Unterbauch untersucht, wozu auch ein Blick in die Scheide gehört. Danach darf das Mädchen wieder vom Stuhl steigen und sich untenherum bekleiden. Anschließend wird es gebeten, den Oberkörper freizumachen, damit die Brust abgetastet und auf diese Weise nach Auffälligkeiten untersucht werden kann. Die gesamte Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Zur Besprechung der Untersuchungsergebnisse ist das Mädchen bereits schon wieder komplett bekleidet.

Die häufigste Frage rund um die Mädchensprechstunde ist die, ob die Eltern von diesem Praxisbesuch erfahren. Grundsätzlich gilt die ärztliche Schweigepflicht. Sie besagt, dass Ärzte über das, was sie im Rahmen ihrer Berufsausübung erfahren, zu schweigen haben. Ob die Schweigepflicht in Frage zu stellen ist, entscheiden der Arzt oder die Ärztin anhand der sogenannten Einwilligungsfähigkeit. Dies ist ein rechtlicher Begriff und beschreibt die Fähigkeit der Patientin einer medizinischen Behandlung zustimmen oder diese ablehnen zu können. Die Einwilligungsfähigkeit lässt sich anhand des allgemeinen Reifegrads und an der Fähigkeit messen, die gegebenen Informationen verarbeiten zu können. Ist die Einwilligungsfähigkeit des Mädchens oder der jungen Frau gegeben, gilt in der Regel die ärztliche Schweigepflicht. Vorausgesetzt, dass bei dem Mädchen gesundheitlich alles in Ordnung ist, wird das Personal der gynäkologischen Praxis nicht von sich aus auf die Eltern zugehen und ihnen von der Sprechstunde berichten. Dies geschieht normalerweise nur dann, wenn das Mädchen dringende ärztliche Empfehlungen ablehnt oder wenn Gefahr für es besteht. 

 © Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de,
Redaktion: Marielle Becker, Mail: mbecker(at)lzg-rlp.de 

Weiterführende Links zum Thema:

Postleitzahl-Suche nach Praxen, die eine Mädchensprechstunde in ihrer Nähe anbieten

Die Broschüre „Mädchensache(n)“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA informiert insbesondere im Kapitel „Sprechzeiten“ über den Besuch in der gynäkologischen Praxis.

Infos zur Broschüre und Möglichkeit zum Download

Sie ist hier auch  als direkter Download auf Ihren PC erhältlich