Hygiene in der eigenen Küche

1. bis 15. Juni 2015

Es gibt Orte in der eigenen Wohnung, wo sich Keime nur so tummeln. Die Toilette, meinen Sie jetzt vielleicht? Nein, es ist die Küche, genauer gesagt der handelsübliche Küchenschwamm! Zwar gehört das regelmäßige Reinigen der Toilette zu den verbreiteten Hygienestandards in deutschen Haushalten, dass aber auch der Küchenschwamm regelmäßig ausgewechselt werden sollte, ist den Wenigsten bewusst.  

Und so ist es kein Wunder, dass der Schwamm 200.000 Mal mehr Keime aufweist als eine WC-Brille. Darunter befinden sich auch schädliche Keime, die unter Umständen schwere Krankheiten hervorrufen können, darauf hat das Bundesamt für Risikobewertung im vergangenen Jahr hingewiesen. In Deutschland werden jedes Jahr 100.000 Erkrankungen gemeldet, die über Lebensmittel übertragen werden können. Dazu gehören zum Beispiel Infektionen mit Campylobacter-Keimen, Salmonellen und Noroviren, die Menschen mit geschwächtem Immunsystem besonders hart treffen können. Die Folgen dieser Infektionen sind Durchfall, Erbrechen und Magenkrämpfe.

Allerdings ist der unsaubere Putzschwamm, an dem verdorbene Lebensmittelbestandteile haften, nicht der einzige Ort in der Küche, an dem sich Keime wohlfühlen. Auch der Kühlschrank und die Arbeitsplatte sind wahre Keimparadiese. Daher legen wir Ihnen heute einige Hygienetipps ans Herz.

Wechseln Sie den Küchenschwamm regelmäßig aus. Eine allgemeingültige Empfehlung ist schwierig, denn die Verschmutzung hängt davon ab, wie häufig und intensiv Sie den Schwamm benutzen. Wenn er beginnt, leicht muffig zu riechen, ist das jedenfalls ein deutlicher Hinweis: Weg in den Abfalleimer damit, denn jetzt haben Gärungsprozesse eingesetzt! Statt Wegwerfartikel zu nutzen können Sie auch waschmaschinengeeignete Wischlappen einsetzen. Nach einer 60-Grad-Wäsche sind die meisten Keime abgetötet. Alternativ können Sie Putztücher immer mal wieder in der Mikrowelle erhitzen und krankmachende Keime damit unschädlich machen. Achten Sie dann allerdings darauf, dass die Tücher oder Schwämme vorher nass sind und keine Metallfasern enthalten – sonst kann es zu einem Brand kommen. Seien Sie vorsichtig beim Herausnehmen aus der Mikrowelle, denn hier besteht Verbrühungsgefahr. Weiterhin ist es wichtig, den Küchenschwamm nur für den oberen Teil der Küche zu benutzen, wo Lebensmittel verarbeitet werden. Für den Fußboden gibt es einen gesonderten Putzlappen.

Kommen wir zum Kühlschrank, der oft nicht so sauber ist, wie wir uns das gerne vorstellen. In der Kälte vermehren sich Keime zwar weniger schnell als in warmer Umgebung, allerdings fühlen sie sich im Kühlschrank auch nicht wirklich unwohl. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn verdorbene und verschimmelte Lebensmittel nicht schnell genug entsorgt werden. Waschen Sie daher den Kühlschrank mehrmals im Jahr aus. Rücken Sie auch dem Kondenswasser zu Leibe, das sich in den Kühlschrankecken ansammelt und eine Brutstätte für Keime bildet. Stellen Sie zudem den Kühlschrank kalt genug ein. Hier zählt jeder Grad. Bei den empfohlenen vier bis sieben Grad vermehren sich die Keime deutlich langsamer als etwa bei acht Grad Kühlschranktemperatur.

Ein weiterer Ort, von dem Keime wie magisch angezogen werden, sind Küchenbretter und -messer. Hier werden Keime direkt von einem Lebensmittel auf das nächste übertragen. Wenn Sie zum Beispiel etwas schnell Verderbliches auf dem Brett geschnitten haben, dann können sich dort die Erreger bei Raumtemperatur, begünstigt durch die Restfeuchtigkeit des Küchenbretts, prima vermehren. Arbeiten Sie auf der gleichen Unterlage weiter, dann finden sich die Keime bei der nächsten Mahlzeit zum Beispiel in Ihrem Salat wieder. Spülen Sie daher die Utensilien vor allem nach dem Kontakt mit Fleisch, Fisch und rohem Ei gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel ab oder wechseln Sie sie gegen frische Arbeitsmittel. Kunststoffbrettchen können in der Spülmaschine gereinigt werden. Auch die Arbeitsfläche gilt es mit Spülmittel und heißem Wasser sauber zu halten. Regelmäßiges Desinfizieren mit scharfen Reinigungsmitteln hingegen ist nicht sinnvoll, da dies allergische Reaktionen hervorrufen kann. Eine Desinfektion ist nur dann erforderlich, wenn sie bei Erkrankungen vom Arzt oder vom Gesundheitsamt empfohlen wurde. Ansonsten ist eine  gründliche Reinigung mit Wasser in der Küche ausreichend.

Insbesondere Fleisch sollten Sie mit besonderer Vorsicht verwerten. Lassen Sie es nicht mehrere Tage im Kühlschrank, sondern verzehren Sie es bald nach dem Einkauf oder frieren Sie es ein. Wenn Sie Speisen mit Fleisch zubereiten oder aufwärmen, dann erhitzen Sie sie zuvor auf über 70 Grad, damit die Keime absterben. Fisch ist so lange zu erhitzen, bis das Fischfleisch sein glasiges Aussehen verloren hat und sich leicht mit der Gabel zerteilen lässt. Süßspeisen mit rohen Eiern sollten Sie, am besten in einem verschlossenen Behälter, nur im Kühlschrank aufbewahren und bald essen.

All diese Tipps bringen Ihnen allerdings wenig, wenn Sie nicht auch an Ihre eigene Hygiene denken, vor allem an die Ihrer Hände, denn auch hier kleben Keime. So sollten Sie sich erst gründlich die Hände waschen – vor allem wenn Sie zuvor draußen oder auf der Toilette waren – bevor Sie dann zum gutgereinigten Messer und sauberen Schneidebrett greifen, um die Speisen zuzubereiten.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de,
Redaktion: Marielle Becker

Weiterführende Links zum Thema:

Bundesinstitut für Risikobewertung:
Informationsmaterialien, die einfache Tipps und weiterführende Links zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen enthalten.

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz:
Lebensmittelsicherheit