Übergewicht fördert bestimmte Krebsarten

16. bis 30.11.2015

Die Entstehung einer Krebserkrankung ist vielschichtig. Mehrere Faktoren müssen zusammenwirken, damit ein Tumor entstehen kann. Auf einige Risikofaktoren wie Umweltverschmutzung, genetische Veranlagung oder Infektion mit Viren können wir wenig Einfluss nehmen. Auf andere hingegen schon. Dazu gehört das Rauchen – und als neueste Erkenntnis auch das Übergewicht.

Die ganz genauen Mechanismen, die dem Einfluss von Übergewicht auf die Krebsentstehung zugrunde liegen, sind noch nicht restlos geklärt. Doch die Erkenntnis, dass Übergewicht Einfluss auf eine Krebsentstehung hat, wurde in den letzten Jahren durch viele Studien erhärtet. So haben Forscher festgestellt, dass dort, wo es viele übergewichtige und adipöse Menschen gibt, auch das Krebsrisiko sehr hoch ist. Eine große Metanalyse aus dem Jahr 2013 zeigte, dass es einen statistisch deutlichen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und bestimmten Krebsarten gibt. Bei Männern sind die Organe Dickdarm, Gallenblase, Haut, Bauchspeicheldrüse und Nieren gefährdet, bei Frauen sind es Dickdarm, Gebärmutterschleimhaut, Speiseröhre, Gallenblase, Blut, Bauchspeicheldrüse, Brust und Nieren. Die Forscher gehen davon aus, dass veränderte Stoffwechselprozesse, insbesondere aber Entzündungsprozesse, die durch Adipositas ausgelöst werden, die Krebsentstehung begünstigen.

Bei dem Thema Übergewicht ist zu unterscheiden, ob es durch Unterhautfett oder durch Bauchfett entstanden ist. Unterhautfett gilt als harmlos, Bauchfett hingegen als gefährlich. Dabei ist bisher noch nicht vollständig geklärt, warum bestimmte Menschen Unterhautfett anlagern, während andere Menschen Bauchfett anreichern. Unterhautfett macht zwar einen dicken Bauch, stellt aber eher ein rein kosmetisches Problem dar. Bauchfett hingegen umgibt die inneren Organe. Es handelt sich dabei um so genanntes Eingeweidefett oder auch viszerales Fett und lagert sich zum Beispiel um Magen, Darm und Leber ab. Dieses Fett entwickelt einen eigenständigen Einfluss auf die Gesundheit und auch auf die Krebsentwicklung. Hier kommen drei verschiedene Mechanismen zum Tragen: Als erstes kann Bauchfett den Insulinspiegel in die Höhe treiben. Das wiederum bewirkt ein rasches aggressives Wachstum von einigen Krebszellarten. Zweitens hat Bauchfett bei Frauen Einfluss auf die Bildung von weiblichen Sexualhormonen. Diese können nach den Wechseljahren zu Brustkrebs führen. Hier spielt auch mit hinein, dass bei übergewichtigen Frauen die Brust stärker mit Bindegewebssträngen durchzogen ist, als bei normalgewichtigen Frauen. Diese Bindegewebsstränge in der
Brust fördern ebenfalls die Tumorentstehung. Und drittens kann Bauchfett zu einer chronischen Leberentzündung führen, welche das Risiko einer Krebsentstehung ebenfalls in die Höhe treibt.

Um das eigene Krebsrisiko zu minimieren, ist es nach neuen Erkenntnissen genauso sinnvoll, Übergewicht abzubauen, wie mit dem Rauchen aufzuhören. Allerdings gilt dies nur für Menschen, die viel Bauchfett aufweisen. Diese Personen werden übrigens als „Apfeltyp“ bezeichnet. Ihr Fett lagert sich in drei Körperbereichen an: an der Bauchhaut, an Rücken und Seiten und an den inneren Organen. Der Apfeltyp hat also einen dicken Bauch, während sich das Fett  des „Birnentyps“, der ebenfalls übergewichtig ist, eher an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln verteilt – was aus gesundheitlicher Sicht aber weniger gefährlich ist.

Das Bauchfett des Apfeltyps kann mittels des bildgebenden Verfahrens Magnetresonanztomo-graphie (MRT) analysiert werden. Bislang dauert dieses Verfahren etwa 30 Minuten – circa 15 Minuten davon müssen die Patientinnen und Patienten im Scanner liegen. In einer aktuellen Studie aus Leipzig wurde jetzt gezeigt, wie die exakte Bauchfettanalyse mit einem neuen Verfahren, ebenfalls mittels MRT, künftig schnell und innerhalb von nur vier Minuten machbar sein kann. Ein guter Indikator zur Risikoeinschätzung ist allerdings auch das Maßband. Laut einer Angabe der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt generell bei Männern ab 102 cm Bauchumfang und bei Frauen ab 88 cm Bauchumfang, dass sie zu viel des gefährlichen Bauchfetts eingelagert haben. Sie sollten aus gesundheitlicher Sicht unbedingt abnehmen. Bei ihnen spielt sich im Inneren eine Veränderung des Stoffwechsels ab. Dies bedeutet ein erhöhtes Risi-ko für Krebs, aber auch für die Zuckerkrankheit Diabetes oder für hohen Blutdruck, der wiederum weitere Krankheiten nach sich zieht.

Hinter der Frage, wie Übergewicht abgebaut werden kann, stehen ebenfalls viele komplizierte und spannende Zusammenhänge. Die Anlage zum Dickwerden war nämlich lange Zeit in der Evolution ein Überlebensvorteil. Problematisch ist es heutzutage, da wir uns kaum mehr bewegen müssen, um unser Leben zu meistern und außerdem Essen im Überfluss haben. Und so gilt als goldene Regel, dass wir uns einfach wieder mehr bewegen und weniger essen sollten, um ein gesundes Gewicht zu erreichen. Dabei muss der Sport nicht so extrem betrieben werden, dass der Schweiß nur so fließt. Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen sind die effektivsten Kilo-Killer, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden. Hier sind keine schnellen Erfolge gefragt, sondern eine langfristige Umstellung auf eine aktive Lebensweise. Deren Erfolge stellen sich nach etwa zwölf Wochen ein – so lange ist also Durchhalten gefragt. Auch bei der Ernährung sind nicht die schnellen exotischen Diäten sinnvoll, sondern ebenfalls langfristige Umstellungen auf eine gesunde, kalorienreduzierte Ernährung, am besten nach dem mediterranen Typ. Dazu gehören: viel Obst, Gemüse, Getreide, viele Nüsse und Hülsenfrüchte sowie viel Fisch und wenig Fleisch – und bei allem ein wenn überhaupt moderater Alkoholkonsum. Am besten ist es, achtsam und mit Genuss, sowie regelmäßig und wenig zu essen, um Hungerattacken zu vermeiden und lange durchzuhalten.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de,
Redaktion: Marielle Becker, Mail: mbecker(at)lzg-rlp.de

 

 

Weiterführende Links zum Thema:

Erklärfilm des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zum Thema Gesundheitssport 

Bewegungsangebote in Ihrer Nähe

Homepage der LZG www.diebewegung.de zum Thema „Sport und Bewegung“

Informationen des Adipositasnetzwerks Rheinland-Pfalz e.V. zum Thema