Alkohol - den eigenen Konsum kennen und kritisch hinterfragen

Es ist üblich, auf eine wichtige Entscheidung mit einem Glas Sekt anzustoßen, oder zum  Abendessen ein Glas Wein zu trinken. Geburtstage, Hochzeiten, eine Fußballübertragung, das Treffen mit Freunden – all dies ist in unserer Kultur ohne Alkohol kaum vorstellbar. Viele Menschen konsumieren Alkohol auch, um abends abzuschalten und Stress und Anspannung abzubauen.

Alkohol berauscht, denn er aktiviert das körpereigene Lust- und Belohnungszentrum im Gehirn. Weiterhin bewirkt er, dass die rationale linke Hirnhälfte zugunsten der emotionalen rechten Hirnhälfte etwas zurücktritt. Auf diese Weise verhilft uns ein Wein, Bier oder Schnaps dazu, dass wir die Welt mehr mit unserer emotionalen Seite wahrnehmen. Geringe Mengen Alkohol können sogar gut für die Gesundheit sein. Mediziner halten es für unbedenklich, wenn Frauen täglich weniger als 12 Gramm und Männer bis zu 24 Gramm Alkohol am Tag trinken. Das entspricht einem, bzw. zwei kleinen Gläsern Wein (0,1 Liter) oder Bier (0,25 Liter).

Doch bei dauerhaftem höheren Konsum beginnt Alkohol schädigend für viele Organe zu wirken: Leber, Gehirn, Herz, Bauchspeicheldrüse und Darm werden am häufigsten in Mitleidenschaft gezogen. Eine lebensgefährliche Herzerweiterung ist oft auf einen zu regen Alkoholgenuss zurückzuführen. Ebenso die gefährliche Bauchspeicheldrüsenentzündung – eine Krankheit, gegen die es noch keine Therapie gibt. Es ist sogar so, dass der vermeintlich beruhigende Effekt schnell in das Gegenteil umschlägt. Unruhe, Bluthochdruck, Herzflattern und Schlaflosigkeit können durch Alkoholmissbrauch entstehen.

Seine angenehme Wirkung macht Alkohol so gefährlich: Alkohol macht süchtig. Das Gehirn gewöhnt sich nämlich an das künstlich verschaffte Glück. Die Sucht nach dem auslösenden Dopaminkick kann dann nur noch befriedigt werden, wenn Alkohol immer häufiger und in höheren Konzentrationen eingenommen wird. Irgendwann geht gar nichts mehr ohne den künstlich herbeigeführten Dopaminrausch. Und der übermäßige Alkoholkonsum schädigt dann Körper und Geist.

Der Übergang vom verantwortlichen zum schädlichen Alkoholkonsum ist fließend. Darum ist es wichtig, sich immer wieder über das eigene Konsumverhalten bewusst zu werden. Dabei kann ein kurzer Selbsttest mit Fragen zum Trinkverhalten helfen, wie er auch bei der LZG erhältlich ist. Oder Sie führen ein Alkoholprotokoll: Schreiben Sie – am besten mehrere Wochen lang –  jedes Glas Alkohol auf, das Sie trinken, eventuell auch wann, wo und warum. Alarmiert sollten Sie dann sein, wenn Sie regelmäßig gesundheitsgefährdende Mengen trinken und wenn sie regelmäßig Alkohol trinken, um alltägliche Spannungen und Konflikte besser zu ertragen. Der nächste Schritt wäre dann, dass Sie Alkohol brauchen, um sich einigermaßen wohl zu fühlen, auch wenn Sie keine Probleme haben. Dann ist allerdings bereits die Schwelle zur Abhängigkeit erreicht und Sie sollten die Notbremse ziehen.

Wenn Sie merken, dass Sie häufig weit mehr trinken als Ihnen gut tut, reduzieren Sie bewusst ihren Konsum. Weichen Sie auf alkoholfreie Getränke aus und legen Sie bewusst alkoholfreie Tage oder Wochen ein. Suchen Sie nach Alternativen zum Stressabbau: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung aber auch Ausdauersport können beim Abschalten helfen und tun Körper und Psyche gut. Mit der Unterstützung von Partnerin oder Partner oder anderen Gleichgesinnten und einer alkoholfreien Umgebung fällt der Verzicht leichter. Also: kaufen Sie keinen Kasten Bier für zuhause und sprechen Sie in Gesellschaft offen an, dass Sie nicht zum Trinken animiert werden möchten.

Bei einer Suchterkrankung sieht die Therapie prinzipiell so aus, dass zuerst die körperliche Entgiftung erfolgt und dann der psychische Entzug. Der erste Schritt dahin ist Ihr Eingeständnis, dass Sie ohne Alkohol nicht mehr klarkommen. Danach sollten Sie sich an den Arzt Ihres Vertrauens oder eine Beratungsstelle wenden. Der Ausstieg aus der Alkoholsucht ist langwierig und schwer, daher ist es besonders wichtig, Warnsignale früh zu erkennen und bereits im Vorfeld Maßnahmen zur Vorbeugung zu ergreifen. Auch hierbei hilft die Suchtberatung.

Bei der Sucht-Infoline der LZG können Sie sich unter der Telefonnummer 0800-5511600 kostenlos und anonym rund um die Uhr über die nächstgelegene Suchtberatungsstelle in Rheinland-Pfalz informieren.

Sie finden diesen und andere Texte auch auf der Homepage der LZG unterwww.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

16. bis 30. Juni 2009

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl