Chronobiologie - Leben im Rhythmus

Am 27. März wird in diesem Jahr die Uhr auf Sommerzeit und somit eine Stunde vor gestellt. Dann beginnt für viele Menschen eine lästige Umgewöhnung. Es gelingt uns nicht sofort, einfach eine Stunde früher ins Bett zu gehen, um dann morgens, wenn der Wecker eine Stunde früher klingelt, frisch und munter aus den Federn zu springen. Im Gegenteil, ähnlich wie bei einem Jetlag nach einer Fernreise können wir uns nur langsam an die neue Zeit anpassen.

Erst nach einigen Tagen hat sich die Zeitverschiebung eingependelt und wir leben wieder in unserem Rhythmus. Doch Forscher warnen: Die Missachtung der körpereigenen Rhythmen tut uns auf Dauer nicht gut. Dies gilt sicher in kleinerem Maße für die Zeitumstellung, aber noch viel mehr, wenn wir nachts arbeiten, dauernd zu spät ins Bett gehen oder zu früh aufstehen müssen.

Medizinisch gesehen werden die Körperrhythmen durch die innere Uhr bestimmt. Sie sorgt dafür, dass unser Körper zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich reagiert. So verändert sich zum Beispiel ab dem Zeitpunkt der Schlafmitte die Hormonproduktion: es wird weniger Melatonin und mehr Cortisol produziert. Während Melatonin müde macht, sorgt Cortisol dafür, dass wir munter werden. Mit Cortisol steigen also Körpertemperatur, Blutdruck und Pulsfrequenz an. Damit gleiten wir vom Tiefschlaf in einen Leichtschlaf über. Mit dem besonderen Morgenlicht – das sehr klar und etwas bläulich ist – wird zudem verstärkt Serotonin ausgeschüttet, ein stimmungsaufhellendes und motivierendes Hormon. Und mit dem besonderen Abendlicht – das warm und etwas rötlich ist – wird wieder in die Melatonin-Produktion eingestimmt.

Die sogenannte innere Uhr ist für Billionen von Körperzellen wie ein Taktgeber, ähnlich dem Dirigenten eines Orchesters. Anatomisch gesehen handelt es sich um eine Ansammlung von Zellen am Boden des Großhirns – genau an der Stelle, wo sich beide Sehnerven kreuzen und Lichtsignale eintreffen. Diese Signale gehen von speziellen Sinneszellen aus, die in den Augen liegen, aber nicht zum Sehen da sind. Auf diese Weise wird die innere Uhr immer wieder mit dem Tageslicht synchronisiert. Bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, ist die innere Uhr zerstört. Sie entwickeln einen ganz eigenen Tagesrhythmus, der länger oder kürzer als 24 Stunden dauern kann.

Weil die innere Uhr nicht starr, sondern flexibel ist, können wir uns an unterschiedliche Tages- und Nachtlängen, an andere Zeitzonen, nächtliche Arbeitszeiten oder an eine Zeitumstellung anpassen. Allerdings ist es für die Gesundheit wichtig, dass wir nicht permanent gegen unsere  inneren Rhythmen arbeiten. Denn sonst überfordern wir die angeborene Flexibilität des Körpers. Auch wer so gut wie jeden Tag in Innenräumen lebt, gefährdet seine Gesundheit. Denn innen herrscht, trotz heller Lampen, nur ein Bruchteil der Helligkeit von draußen. Auch fehlen dem künstlichen Licht die Unterschiede in den Lichtwellen, die das Licht morgens blauer und abends roter machen. Damit fehlen der inneren Uhr wichtige Impulse.

Fazit: Wer sich wenig dem natürlichen Tageslicht aussetzt, bei dem verflacht die innere Uhr. Wer dauernd im Jetlag ist oder Schichtarbeit leisten muss, strapaziert sie zu stark. Von beidem sind Schlafstörungen eine häufige Folge, aber auch Gefühlsschwankungen oder depressive Verstimmungen. Herzkreislauferkrankungen, Magengeschwüre und sogar einige Krebserkrankungen werden ebenso damit in Verbindung gebracht.

Wichtig sind deshalb die folgenden Tipps:

Leben Sie wenn möglich mit Ihren tageszeitlichen Rhythmen und nicht gegen sie. Das heißt konkret: Wenn Sie schlecht schlafen, gehen Sie jeden Tag nach draußen, um Licht zu tanken. Wichtig ist auch das Morgenlicht, vor allem, wenn Sie zu Verstimmungen neigen. Greifen Sie nicht zu alkoholischen Getränken, denn diese verschlechtern die Schlafqualität und Sie fühlen sich am Morgen noch zermürbter. Ähnliches gilt für Nikotin. Schlafen Sie im abgedunkelten Zimmer. Nächtliches Dämmerlicht lässt nämlich den Tag- und Nachtrhythmus abflachen und beeinträchtigt die Schlafqualität. Leben Sie regelmäßig, so gut es geht. Stehen Sie wenn möglich jeden Tag zur gleichen Zeit auf und gehen Sie zur gleichen Zeit schlafen. Auch sollten Sie feste Essenszeiten einhalten.

Menschen sind nicht nur Tagesrhythmen unterworfen, sondern auch einer Jahresuhr. Hier steckt die Forschung noch ganz am Anfang. So wurde zum Beispiel festgestellt, dass im Winter die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsschüben bei Multipler Sklerose sinkt. Generell sind wir im Sommer aktiver und brauchen weniger Schlaf als im Winter. In der traditionellen Chinesischen Medizin wird dem große Bedeutung beigemessen und etwa empfohlen, seine Schaffenskraft im Frühjahr und Sommer auszuleben, im Herbst und Winter dagegen alles etwas ruhiger angehen zu lassen. Und wie die Forschung zeigt, tun wir dies auch schon. Zumindest ist der März der geburtenstärkste Monat des Jahres, was auf besondere Aktivitäten vor allem im Juni schließen lässt.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 2069-0.

 

16. bis 31. März 2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl