Meine Frau hat Brustkrebs – Tipps für Partner von Brustkrebspatientinnen

Ratgeber und Studien zur Krankheitsbewältigung bei Brustkrebs beziehen sich meist nur auf die erkrankte Frau. Bestenfalls wird noch in einem Nachsatz vermerkt, wie wichtig die Rolle des Partners ist, um der Patientin in der schweren Zeit beizustehen. Aber wie geht es den betroffenen Männern? Wie sollten sie sich ihrer erkrankten Partnerin gegenüber verhalten? Und wie können Paare die Krankheit gemeinsam bewältigen? 

Damit hat sich nun erstmals systematisch die Gynäkologin Professor Dr. Jutta Baier in ihrem Buch „Männerperspektiven zu Brustkrebs“, erschienen im Uni-Med Verlag, beschäftigt.

Auf die Diagnose Brustkrebs reagiert auch der Partner, und nicht nur die betroffene Frau selbst, zunächst mit Schock und Unglauben. Bei den Männern kommen Ängste auf, vor allem davor, die Partnerin zu verlieren. Sorgen bereitet ihnen die Ungewissheit: Wie werden die Symptome der Krankheit aussehen? Welche  Nebenwirkungen wird die Therapie haben? Wie wird es mit der Sexualität weitergehen? Und vor allem: Wie sieht die Prognose aus? Diese Unsicherheit ist für die betroffenen Frauen ebenso quälend wie für ihre Partner.

Auch nach der Operation sind viele Männer belastet. Sie fühlen sich verpflichtet, eine Rolle als Therapiemanager oder beschützender Helfer einzunehmen. Aber es ist gar nicht so einfach, immer stark zu sein. Und mit wem kann man sich über die eigenen Sorgen unterhalten? Die Patientin hat doch schließlich selbst genug zu erleiden und soll nicht auch noch mit den Ängsten, der Trauer und den Belastungen ihres Partners konfrontiert werden. Da auch im Umfeld oft das Mitgefühl mit der erkrankten Frau im Vordergrund steht, fühlen sich Männer von Brustkrebspatientinnen häufig sozial isoliert, werden selbst depressiv und haben zunehmend Probleme, neben der Bewältigung ihrer eigenen Aufgaben auch noch der Partnerin zu helfen. Hinzu kommt, dass  Männer oft gar nicht so genau über den Brustkrebs und die speziellen Auswirkungen bei ihrer Partnerin Bescheid wissen und daher deren Situation nicht gut einschätzen können.

 

Das Buch zeigt aber auch, dass es vielen Männern auf konstruktive Weise gelingt mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden. Laut Studien wird die Krise dann besonders gut bewältigt, wenn das Paar gemeinschaftlich zusammenarbeitet. Wer die einzelnen Krankheitsphasen gemeinsam durchsteht, kann sich besser auf die neue Lebenssituation einstellen und reduziert nachhaltig die Stressreaktionen beider Partner. Das alte Sprichwort „Gemeinsam sind wir stark“ wird hier wissenschaftlich bestätigt. Die schicksalhafte Erfahrung muss also nicht nur Ängste, Strapazen und Verlust hervorrufen, sondern kann auch eine Bereicherung bedeuten. Sie kann zur Paar-Reife führen: Die Partner wachsen stärker zusammen und erleben ihre Beziehung als Quelle von Kraft und Vertrauen. Männer, die mit ihrer Partnerin zusammen die Krankheit bewältigt haben, berichten, dass anschließend eine positive Neubewertung ihres Lebens eingetreten ist. Salopp ausgedrückt: Wenn man dem Verlust so nahe ist, weiß man hinterher das Leben wieder ganz anders zu schätzen. Es fällt dann leichter, die wahren Bedürfnisse von den scheinbar so wichtigen Bedürfnissen abzugrenzen, die vorher oft eine große Rolle spielten.

Damit die gemeinsame Bewältigung der Krebserkrankung gelingt, ist es wichtig, dass der Partner sich informiert. Es ist sinnvoll, genau zu wissen, was Brustkrebs bedeutet, an welcher Form die Partnerin leidet und welches Therapieprinzip angewendet wird. Gut informierte Männer können in die therapeutischen Entscheidungen einbezogen werden und damit der Partnerin eine wertvolle Hilfe sein.

Im Folgenden erhalten Sie Empfehlungen von Männern, die selbst Erfahrung haben mit einer Brustkrebserkrankung ihrer Frau und ihren Geschlechtsgenossen in dieser Situation wichtige Tipps geben:

  • Informieren Sie  sich über den Krebs, über den Verlauf und die Folgen. Dann ist die Erkrankung nicht mehr so abstrakt, sondern Sie können sie genauer einschätzen.
  • Engagieren Sie sich als Partner: Nehmen Sie – so gut es geht und soweit es Ihre Partnerin möchte –  an sämtlichen Aufklärungsgesprächen teil. Nur dann wissen Sie genau, wie es Ihrer Frau geht. Anschließend können Sie gemeinsam darüber sprechen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten abwägen.
  • Reden Sie miteinander über die existentiellen Aspekte der Krankheit. Weichen Sie auch bedrohlichen Themen nicht aus, wie etwa der Amputation. Je besser Sie sich beide damit auseinander setzen, desto besser werden Sie auch damit fertig. Diese Empfehlung mag banal klingen, ist sie aber nicht. Denn in vielen Beziehungen sind die offenen Gespräche eingeschlafen. Wenn Sie miteinander offen und ehrlich reden, können Sie gegenseitig voneinander profitieren.
  • Suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie auch über Ihre eigenen Sorgen sprechen können, wenn Sie Ihre Partnerin nicht zu sehr belasten wollen. Dies kann die Familie sein, ein Freund, eine Selbsthilfegruppe im Krankenhaus oder eine soziale Gemeinschaft im Internet.
  • Lassen Sie sich nicht aus dem bisherigen Leben herausreißen. Wenn es der Patientin möglich ist, soll sie weiter arbeiten, und dies gilt auch für den Partner. Dies ist eine gute Methode, um dem lähmenden Grübeln vorzubeugen.
  • Und schließlich: Leben Sie bewusst. Geben Sie sich nicht nur Notwendigkeiten und Zwängen hin, sondern machen Sie etwas, was Sie wirklich wollen, ohne zu sehr Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen.

Noch mehr Informationen erhalten Sie in dem Buch: „Männerperspektiven zu Brustkrebs“ von Prof. Dr. Jutta Beier, erschienen im Uni-Med Verlag, 2009.

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Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl