Einfacher leben - so geht es auch!

Wir leben in einer Tempo-Gesellschaft, hasten oft atemlos durchs Leben. Handy und Laptop sind unsere ständigen Begleiter. Alles muss schnell, schnell gehen. Ein Termin jagt den anderen. Sogar die Freizeit ist verplant und durchorganisiert. Für kleine Fluchten aus der Hektik des Alltag ist keine Zeit mehr. Ist das wirklich das Leben, das wir gewollt haben? Macht es uns glücklich, so zu leben? Und last but not least: Ist es gesund, so zu leben?

Die Antworten auf diese Fragen können Sie sich nur selbst geben. Klar ist jedoch, dass Mediziner und Psychologen mit Sorge eine wachsende Anzahl an Menschen registrieren, die unter dem Burn-Out-Syndrom leiden. Wer ständig unter Strom steht und nie zur Ruhe kommt, der verliert seine Energie und wird müder und müder. Die Überlastung führt auf Dauer zu Überforderung, zu innerer Unruhe und Angst. Wenn das Gefühl des Ausgebranntseins zum Dauerzustand wird, besteht die Gefahr, dass die Menschen ernsthaft krank werden: Depressionen, Magen- und Darmerkrankungen, Schlafstörungen, Suchtprobleme oder Angstzustände können sich manifestieren.

Was können Sie tun, wenn Sie unter der ständigen Hektik und den alltäglichen Zwängen leiden? Eigentlich ist die Lösung einfach: Runterkommen vom schnellen Lebensrhythmus, das Leben vereinfachen und sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Doch was auf den ersten Blick einfach erscheint, ist für viele Menschen unglaublich schwierig. Es kostet Überwindung, sein Recht auf Entspannung einzufordern. Man muss mutig sein, um auch mal „Nein“ zu sagen und Termine nicht wahrzunehmen. Und vielen fällt es nach Jahren voller Zeitdruck und Hektik schwer, weniger zu arbeiten.

Muße bedeutet das Leben und die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Wer sich mehr Zeit nimmt und zur Ruhe kommt, der achtet aufmerksamer auf das, was um ihn herum passiert. Achten Sie mehr auf das, was Sie tun und versuchen Sie, es intensiver wahrzunehmen. Freuen Sie sich über die kleinen Dinge des Lebens und ärgern Sie sich nicht nur über die schlechten Momente.

Vielleicht ist Ihr Leben erfüllter, glücklicher und deshalb auch gesundheitsbewusster, wenn es einfacher strukturiert ist. Konzentrieren Sie sich auf das, was wirklich wichtig ist. Schmeißen Sie Unwichtiges raus. Einfacher leben könnte zum Beispiel heißen, weniger zu arbeiten und dafür mehr Zeit für den Partner zu haben, für die Kinder und für Freunde. Es könnte heißen, sich mehr Zeit für Bewegung zu nehmen oder für ein langsameres und deshalb auch gesünderes Essen. Einfacher leben bedeutet, am Wochenende mal wieder miteinander zu reden, spazieren zu gehen, Gesellschaftsspiele zu spielen oder zu lesen, statt sich immer neuem Freizeit-Stress auszusetzen. Es bedeutet, den Fernseher abzuschalten und den Mut zu haben, sich auch mal zu langweilen.

Wissenschaftler, die sich mit dem Phänomen „Glück“ beschäftigen, haben herausgefunden, dass Glücklichsein, also die Empfindung von Zufriedenheit und Freude, nur wenig von den Umständen des Lebens, wie zum Beispiel vom Einkommen oder von der Intelligenz abhängt. Das Glücksempfinden entsteht zum größten Teil aus uns selbst. Wenn Belastung und Leistungsfähigkeit während einer Tätigkeit genau übereinstimmen, dann kann man dabei wunderbar abschalten, entspannen  – und sich froh, zufrieden und glücklich fühlen. Der Kopf wird klar, man schöpft neue Kraft und Energie. Und das ist eine Wohltat für die Psyche und für die Gesundheit.

Tipps für ein einfacheres, schlichteres und gesundheitsbewussteres Verhalten:

  • Durchforsten Sie Ihren Alltag: Was ist wirklich wichtig? Nehmen Sie sich Zeit für das Wichtige und schmeißen Sie das Unwichtige einfach raus.
  • Überprüfen Sie alle Aktivitäten und Termine: Muss das alles wirklich sein? Oft ist es sinnvoller, weniger zu tun und dies aber richtig gut zu machen und gern zu tun.
  • Nehmen Sie sich Zeit für die Menschen und Dinge, die Ihnen wichtig sind: Für Ihre Kinder, für Ihren Partner, fürs Miteinanderreden, fürs Essen kochen.
  • Schaffen Sie sich tägliche Rituale. Sie geben Sicherheit, Ruhe und Kraft.
  • Beziehungen zu anderen Menschen sind gesundheitsfördernd. Sie geben Kraft, machen uns selbstbewusst und stark. Suchen und pflegen Sie Kontakte – zu Freunden, Bekannten, Verwandten und Nachbarn.
  • Leben Sie langsamer. Verzichten Sie öfter mal aufs Auto, fahren Sie lieber mit dem Rad.
  • Bewegen Sie sich – mäßig, aber regelmäßig.
  • Essen Sie langsam und genießen Sie den Geschmack.

 

1. bis 15. Dezember 2004 Aktualisiert am 2.6.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl