Hörprobleme und Hörschäden? Keine Scheu vor Hilfen!

Mehr als 14 Millionen Menschen in Deutschland haben Hörschäden. Vor allem im Alter beschleunigt sich der Hörverlust enorm, das zeigte eine breit angelegte Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Aalen. Unter den 60- bis 70-Jährigen ist demnach bereits jeder Dritte von einem gravierenden Hörverlust betroffen, bei den 70- bis 80-Jährigen ist es die Hälfte und unter den 80- bis 85-Jährigen leiden acht von zehn Menschen unter Schwerhörigkeit.

Damit gehören Hörschäden zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland. Sie haben gravierende Folgen für die Betroffenen, denn wer schwer hört, schließt sich zunehmend vom sozialen Leben aus. Wenn sich schwerhörige Menschen in Gruppengesprächen, auf geselligen Feiern und Familientreffen nicht mehr gut unterhalten können, meiden sie oft aus Angst vor Missverständnissen, Versagen und Stress solche Situationen. Sie schränken ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein und erleiden einen teilweise erheblichen Verlust an Lebensqualität. Und nicht zuletzt: Wer nicht mehr gut hört, ist im Straßenverkehr hochgradig gefährdet.

Trotz alledem werden erste Anzeichen von Schwerhörigkeit oft viel zu lange verdrängt. Haben Sie ein Hördefizit, möchten wir Ihnen heute Mut machen, sich untersuchen zu lassen. Denn je früher eine Schwerhörigkeit erkannt wird, desto besser kann ihr begegnet werden.

Wie stellen Sie fest, ob Sie von Schwerhörigkeit betroffen sind? Da sich der Prozess schleichend einstellt und Sie wahrscheinlich zunächst nichts bemerken, sollten Sie auf folgende Anzeichen achten:

  • Sie werden darauf hingewiesen, dass Ihr Fernseher zu laut ist.
  • Sie verstehen Ihre Gesprächspartner am Telefon schlecht.
  • Die Menschen scheinen immer undeutlicher zu reden.
  • Es fällt Ihnen schwer, in größeren Runden und in geräuschvoller Umgebung dem Gespräch zu folgen.
  • Sie vermissen das Zwitschern der Vögel. Gerade dies ist ein typisches Anzeichen, denn die Wahrnehmung von hohen Tönen lässt zuerst nach.

Fühlen Sie sich angesprochen? Dann sollten Sie handeln. Viele Akustik-Fachgeschäfte bieten einen kostenlosen Hörtest an. Er dauert nur wenige Minuten und Sie erfahren das Ergebnis sofort. Wenn Sie den Hörtest in einer ärztlichen Hals-Nasen-Ohren-Praxis machen lassen, wird auch untersucht, ob die Ursache für die Schwerhörigkeit eine behandelbare Krankheit ist. Außerdem können Sie dort eine ärztliche Verordnung für ein Hörgerät bekommen – dies ist  Voraussetzung dafür, dass sich die Krankenkasse an den Kosten beteiligt. Übrigens: Um wieder räumlich hören zu können, brauchen Sie für jedes Ohr ein Hörgerät.

Die Auswahl an Hörgeräten ist groß. Die beiden häufigsten Gerätetypen sind das „Hinter-dem-Ohr-Hörgerät“ und das „Im-Ohr-Hörgerät“. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Das „Hinter-dem-Ohr-Hörgerät“ ist gut zu bedienen und auch für hochgradige Schwerhörigkeit geeignet. Hier sind Zusatzfunktionen möglich, mit denen Sie kabellos Signale von Telefon, Fernseher oder von Induktionsanlagen in Vortrags-, Konzert- und Theatersälen empfangen können. Diese Funktionen gibt es für das „Im-Ohr-Hörgerät“ nicht, dafür ist es aber kaum sichtbar. Es besitzt auch per se gute akustische Übertragungseigenschaften, weil es die Ohrmuschel wie beim normalen Hören mitbenutzt. Um das richtige Hörgerät zu finden, ist die Zusammenarbeit mit einem guten Hörgeräteakustiker wichtig, denn die Suche kann Wochen in Anspruch nehmen. Unser Tipp: Tragen Sie vor einer endgültigen Kaufentscheidung drei Probegeräte für jeweils eine Woche in unterschiedlichen Situationen. Protokollieren Sie, wie gut Sie mit dem Gerät hören und ob Sie es leicht bedienen können, das erleichtert die Entscheidung. Wenn Ihr Akustiker oder Ihre Akustikerin Ihnen die Geräte nicht probeweise zur Verfügung stellen will oder wenn Sie sich nicht gut beraten fühlen, können Sie wechseln. Übrigens muss Ihnen ein zuzahlungsfreies Hörgerät angeboten werden, das dem aktuellen technischen Standard entspricht. Fragen Sie danach und probieren Sie dies aus. Preisgünstige Geräte müssen in der Hörqualität nicht schlechter sein. Teure Geräte verfügen allerdings über mehr Komfort, wie Richtmikrofone oder viele Programme für verschiedene Geräuschsituationen.

Wenn Sie trotz Hörgerät nicht gut hören können, dann sind beispielsweise auch eine Innenohrprothese oder ein Cochlea-Implantat möglich. Früher galt, dass ein Patient dazu vollständig ertaubt sein muss, dies ist heute nicht mehr der Fall. Eine Innenohrprothese wird operativ unter Vollnarkose eingesetzt. Nach der Operation begleitet die ausführende Klinik ihre Patienten bei der notwendigen Rehabilitationsmaßnahme sowie durch eine langjährige Nachsorge.

 

01. bis 15. Juli 2013

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker