Gesunde Kommunikation

Einander ausreden lassen, auf einen freundlichen Tonfall achten, nicht immer gleich Vorwürfe machen, nicht so viel nörgeln – diese Gesprächsregeln könnten aus einem Kommunikationsseminar stammen. Oder aus einem medizinischen Seminar. Denn ständiger Streit und Zerwürfnisse – zwischen den Partnern und genauso zwischen Eltern und Kindern – machen krank. Das ist mittlerweile bewiesen.

 Gewusst haben wir das eigentlich immer schon: „Sich etwas zu Herzen nehmen“ heißt es umgangssprachlich, wenn man sich besonders betroffen fühlt. Oder es kann jemandem „das Herz brechen“, etwas „auf den Magen schlagen“ oder „an die Nieren gehen“.

Mittlerweile ist auch klar, wie die Psyche und die Gedanken Einfluss auf den Körper und seine Organe haben könnten. Genau gesagt haben die Forscher schon mindestens zwei Wege gefunden, auf denen die Gedanken dem Körper übermittelt werden können. Das eine ist der Weg über die Stresshormone, die auf Dauer den Körper schädigen. Das andere ist der direkte Weg von den Gedanken zu den Steuerungszentralen im Gehirn. Schauen wir uns die beiden Mechanismen doch einmal genauer an.

Wirkung von Stress auf das Immunsystem

Wenn man sich in der Familie ständig streitet, fühlt man sich unwohl in seiner Haut. Man sitzt irgendwann nicht mehr gerne am gemeinsamen Frühstückstisch, man meidet die anderen, so gut es geht. Dauerhafter Streit führt also dazu, dass einem die Familie kein Hort der Geborgenheit mehr bedeutet. Geborgenheit, Sicherheit und Schutz sind aber starke Grundbedürfnisse des Menschen. Sind sie nicht vorhanden, führt das zu einem starken Stresserlebnis. Stress wiederum ist mit der Ausschüttung von bestimmten Stresshormonen verbunden. Kurzzeitig kann das gut sein, weil wir dann sehr konzentriert und wachsam sind. Aber dann müssen die Stresshormone wieder abgebaut werden, sonst schädigen sie den Körper. Besonders groß ist der Einfluss der Stresshormone bei folgenden Krankheiten: Essstörungen, Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Schuppenflechte, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Asthma, Diabetes mellitus, Darmentzündungen, schwaches Immunsystem. Auch Depressionen, Erschöpftsein und mangelndes Selbstvertrauen können ihren Ursprung im permanenten Streit bzw. Stress haben.

Der direkte Weg von den Gedanken zu den Steuerungszentralen im Gehirn

Die Psyche kann aber noch mehr bewirken. Mithilfe der Gedanken können wir gezielt auf die einzelnen Organe einwirken. Dies ist eine Erkenntnis aus der modernen Placeboforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier hat man nämlich folgendes festgestellt: Organe werden nicht ausschließlich über tiefere, dem Bewusstsein nicht zugängliche Bereiche des Gehirns gesteuert. Sondern auch – und das ist sensationell – über bewusstseinsnahe Hirnregionen. Damit wirken unsere Gedanken, unsere Wünsche und Hoffnungen – auf Organe. Und zwar mehr oder weniger stark auf alle Organe. Das heißt, wenn wir ein Medikament in der Erwartung einer bestimmten Wirkung einnehmen, stellen wir Kontakt zu dem entsprechenden Organ her. Die Wirkung, die wir damit auf das Organ ausüben, ist umso stärker, je höher unsere Erwartung an das Medikament ist.

Jetzt haben wir viel Theorie gehört, die zeigt, dass wir mit unserer Lebenseinstellung, mit unserer Lebensweise und mit unseren Gedanken Einfluss auf die Psyche nehmen. Aber was heißt das jetzt für uns?

Beginnen Sie den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück, zu dem Sie sich auch hinsetzen. Das ist der beste Start für Sie und für Ihre Familie. Und zwar nicht nur wegen der Nährwerte, die Sie mit einem ordentlichen Frühstück aufnehmen, sondern auch wegen der positiven Auswirkungen auf die Psyche. Das gleiche gilt für das Nachhausekommen: Die Kinder hatten einen stressigen Unterricht, das gemeinsame Essen in der Familie oder im Hort, der in diesem Fall die Rolle der Familie übernimmt, hilft den Kindern, ihre Erlebnisse zu bewältigen.

Fahren Sie auch in der familiären Situation eine sensible Antenne aus, um die Stimmung zu peilen und vor allem die Bedürfnisse der anderen zu bemerken. Ist es bei den Kindern ein Bedürfnis in Ruhe gelassen zu werden? Oder möchten sie reden? Vielfach wird der Fehler gemacht, selbst zu viel auf die Kinder und den Partner einzureden, anstatt einfach mal zuzuhören.

Haben die Kinder ein Problem, geht es darum, Lösungen zu entwickeln. Der Lösungsansatz ist aber oft schon bei den Personen, die um Hilfe bitten, vorhanden, auch schon bei Kindern. Anstatt den Kindern jetzt aber die Lösung einfach nur auf einem silbernen Tablett zu servieren, ist aufmerksames Zuhören gefordert, mit dem Ziel, verstehen zu wollen. Wie geht das? Durch freundliches Nachfragen können Sie die Richtung des Gesprächs positiv beeinflussen. Beispiel: Fragen Sie nach dem Schulfreund oder der Schulfreundin. „Hat der oder die auch Probleme mit dem Klassenlehrer? Nein? Warum nicht?“ Lassen Sie die Kinder erzählen. Wenn das Kind erzählt, was die Freundin oder der Freund anders macht in der Schule, könnte das auch eine Lösung für das eigene Kind sein.

Wichtig ist bei der gesunden Kommunikation: Kein Monologisieren! Kein Anklagen! Keine aufgepeitschten Emotionen! So fühlen sich alle wohler, es kommt zu keinem Dauerstress und das Familienklima macht sich nicht negativ, sondern positiv in der Gesundheit bemerkbar. 

 

1. bis 15. Dezember 2005 Aktualisiert am 9.3.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl