Das Kreuz mit dem Kreuz: Volkskrankheit Rückenschmerzen

Unser Rücken kann viel ertragen. Die stabile Wirbelsäule hilft ihm dabei. Und ebenso der größte Muskel des Körpers, das ist der große Rückenmuskel, Latissimus dorsi genannt. Aber unser Rücken ist auch ein sehr sensibler Bereich. Strapazierte Muskeln und Bänder oder ein Verschleiß der Wirbelsäule nebst Bandscheiben machen sich hier oft schmerzhaft bemerkbar – aber auch seelische Anspannungen oder innere Erkrankungen.

Und weil es so viele Ursachen von Rückenschmerzen gibt, ist fast jeder zweite Mensch in Deutschland davon betroffen. Die gute Nachricht: Sie können selbst viel gegen Ihre Rückenschmerzen tun.

Man unterteilt Rückenschmerzen in funktionelle und in organische Schmerzen. Organisch sind solche, die auf Erkrankungen der Wirbelsäule zurückgehen. Dies ist z. B. der Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke, der sehr schmerzhaft ist. Auch ein Bandscheibenvorfall gehört zum Verschleiß. Hier hat sich eine der 23 Bandscheiben herausgewölbt und drückt auf die Nerven der Wirbelsäule. Dies hat ausstrahlende Schmerzen zur Folge. Der berühmte Hexenschuss oder die Ischalgie können auf eine Bandscheibenvorwölbung oder einen Vorfall zurückgehen. Weiterhin zählt auch beispielsweise die Osteoporose zu den organischen Rückenschmerzen. Hier verlieren die Knochen an Stabilität, auch an der Wirbelsäule. Dies führt ebenfalls zu Reizungen der durch die Wirbelsäule verlaufenden Nerven. Doch all diese Krankheiten machen nur den kleineren Anteil an den Ursachen aus.

Den weitaus größeren Anteil bilden die funktionellen Rückenschmerzen. Diese gehen von der Rückenmuskulatur, den Sehnen und Bändern aus, also vom sogenannten Halteapparat. Betroffen ist, wer z. B. dauernd zu schwer trägt, oder wer dauernd Überkopfarbeiten machen muss, wie etwa Maler. Betroffen sind auch Menschen, die oft mit gebeugtem Körper oder einseitiger Körperhaltung arbeiten, wie Fliesenleger, Fließbandarbeiter, ebenso wie Menschen am Schreibtisch. Im Allgemeinen geht man heute davon aus, dass es in 60 bis 70 Prozent der Fälle die Muskeln sind, welche zu Rückenschmerzen führen. Und diese wiederum sind meist nicht überlastet, sondern werden zu wenig gebraucht. So verkümmern sie und können ihrer Haltefunktion nicht mehr nachkommen.

Eine Studie an der Universität Heidelberg hat zudem ergeben, dass der Beginn von Rückenschmerzen oft mit einem Stimmungstief einhergeht. Wenn die Rückenschmerzen länger als sechs Wochen anhalten und dann chronisch werden, stehen ebenfalls oft Depressionen, Angst und das Gefühl der Hilflosigkeit dahinter. Bei zwei Dritteln aller Menschen, die chronische Rückenschmerzen haben, sind solch seelische Konflikte mit beteiligt.

Rückenschmerzen beugen Sie also am besten vor, indem Sie im Alltag auf regelmäßigen Ausgleich für Körper und Seele achten. Stärken Sie Ihre Rumpfmuskulatur durch regelmäßige Bewegung. Wenn Sie zu Rückenschmerzen neigen oder durch Ihre Tätigkeit besonders gefährdet sind, kann spezielles Rückentraining in Gymnastikkursen oder an Trainingsgeräten sinnvoll sein. Finden Sie –  im Interesse Ihres Rückens wie Ihres Allgemeinbefindens - auch Möglichkeiten Stress abzubauen und regelmäßig zu entspannen.

Beim Auftreten von akutem Rückenschmerz reicht zunächst eine körperliche Untersuchung durch den Arzt aus. Dabei achtet er auf Warnzeichen und kann bedrohliche Erkrankungen in der Regel rasch ausschließen. Findet er keine Alarmzeichen, ist in den ersten vier bis sechs Wochen auch kein Röntgenbild erforderlich. In diesen Fällen ist es dann sinnvoll, wenn Sie ein Schmerzmittel einnehmen, wie etwa mit dem Wirkstoff Paracetamol, Ibuprofen oder ein verschreibungspflichtiges Medikament. Akute Schmerzen können auch durch das Einspritzen von örtlichen Betäubungsmitteln in besonders empfindliche Stellen gelindert werden. Wichtig ist jedoch, dass die Spritze oder die Tabletten mit Bewegungs- und Entspannungsübungen kombiniert werden. Die Schmerzlinderung ist die Voraussetzung dafür, dass Sie sich weiter körperlich bewegen können. Denn auf keinen Fall sollten Sie sich hinlegen, um sich zu schonen. Sondern nach spätestens zwei Tagen sollten Sie in den aktiven Lebensalltag zurückkehren.

Ein Warnzeichen ist es allerdings, wenn sich der akute Schmerz elektrisierend und stromstoßartig anfühlt und wenn er vom Rücken über das Gesäß ins Bein einstrahlt. Falls es dann auch noch zu Kribbeln, Muskelschwäche oder gar Lähmungserscheinungen kommt, deutet dies darauf hin, dass die Nervenwurzel durch einen Bandscheibenvorfall irritiert worden ist. In diesem Fall wird der Arzt den Rücken röntgen und eventuell eine Operation in Erwägung ziehen. Bei ungenauen allgemeinen Rückenschmerzen raten Experten allerdings von Operationen ab. Denn wie bereits gesagt, stehen in den allermeisten Fällen die Muskeln, in Kombination mit einer innerlichen Anspannung, dahinter. 

Hält der Schmerz doch über mehrere Wochen an, ist ein vielschichtiges Behandlungskonzept notwendig. Bei der „multimodalen Schmerztherapie“ werden  Bewegungs-, Verhaltens- und Psychotherapie kombiniert. Denn sportliche Betätigung ist bei Rückenschmerzen wirksamer als passiv empfangene Massagen oder Fangotherapien. Dabei sind viele Sportarten möglich, solange sie Ihnen Spaß machen: Radfahren, Walking, Schwimmen, Wassergymnastik – alles ist erlaubt. Ebenso wie etwa Tai Chi, Yoga oder Pilates. Die Bewegung macht Ihrem Körper Freude, und diese verdrängt die Schmerzempfindungen, so lautet die Erkenntnis hinter dieser Empfehlung.

Genauso wichtig wie die Bewegung ist das verhaltensmedizinische Training. Dazu gehört der Abbau von Vermeidungs- und Schonungsverhalten, sowie von Angst. Diesen Plan verfolgen Ärzte und Therapeuten, wenn sie spezielle Patientenschulungen, Verhaltenstherapien und Entspannungsübungen anbieten. Sie wollen damit Ihrem Patienten auch im übertragenen Sinne des Wortes „den Rücken stärken“. Denn die Entstehung von chronischem Rückenschmerz hat viel mit dem Alltag zu tun, und seine Beseitigung muss daher auch im Alltag ansetzen.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl

 01. bis 15. März 2010