Antibiotikaresistenz

Als 1941 der erste Mensch mit einem Antibiotikum behandelt wurde, atmeten die Ärzte auf: Gegen Diphtherie, Scharlach, Blutvergiftung, Lungenentzündung und die vielen anderen bakteriellen Infektionen war von nun an sozusagen ein Kraut gewachsen, oder besser gesagt: ein Schimmelpilz mit dem Namen Penicillium notatum. Er sondert nämlich eine bakterien-tötende Substanz ab.

Dies hatte der schottische Bakteriologe Alexander Fleming entdeckt. Der Name Penizillin für das erste Antibiotikum erinnert bis heute an den Namen dieses Schimmelpilzes.

Es gibt zwei Wirkungstypen von Antibiotika: Die einen verhindern die Bakterienvermehrung ohne Abtötung, wozu auch Penizillin gehört. Die anderen töten die Bakterien direkt ab. Heute existieren fünf verschiedene Wirkmechanismen von Antibiotika. Optimisten sagten bereits ein Ende der Infektionskrankheiten voraus.

Doch so weit wird es leider nie kommen. Denn mittlerweile herrscht eine ganz neue Bedrohung: Antibiotika-Resistenzen. Das Wort Resistenz bedeutet Widerstandsfähigkeit. Mit Antibiotika-Resistenz ist gemeint, dass ein Bakterienstamm widerstandsfähig gegen das Antibiotikum geworden ist, mit welchem man ihn früher bekämpft hatte.

Wenn sich ein Patient mit einem gegen ein Antibiotikum resistenten Keim angesteckt hat, findet der Arzt mit etwas Glück dann ein Antibiotikum mit einem anderen Wirkmechanismus, das noch wirkungsvoll ist. Zudem gibt es spezielle Reserveantibiotika, die der Arzt nur im Notfall einsetzen darf. Hier ist die Chance groß, dass sich noch keine Resistenzen gebildet haben.

Allerdings hört man immer wieder Meldungen, dass sich Menschen mit Bakterienstämmen angesteckt haben, gegen die alle verfügbaren Antibiotika wirkungslos geworden sind. Dann kann sich die Entzündung im Körper ausweiten und nach und nach verschiedene Organe im Körper befallen. Jetzt besteht die einzige Chance für den Patienten darin, dass sein Immunsystem mit dem Erreger doch noch fertig wird. Wenn auch das versagt, kann eine winzige Entzündung lebensbedrohlich werden.

Aktuelle verlässliche Zahlen, wie häufig Menschen an antibiotikaresistenten Keimen sterben, gibt es noch nicht. Hochrechnungen des Robert-Koch-Instituts mit Zahlen aus dem Jahr 2008 ergeben: Bei über 3 Millionen Krankenhaus-Patienten ergeben sich ca. 132.000 Infektionen mit multiresistenten Staphylokokken, ein häufiger Entzündungserreger. Schätzungsweise sterben in der EU jedes Jahr 50.000 bis 100.000 Menschen an einer Infektion mit resistenten Erregern, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt.

Um in Zukunft zumindest die Gefahr besser einschätzen zu können, wurde im Jahr 2007 das Projekt ARS – Antibiotika-Resistenz-Surveillance in Deutschland ins Leben gerufen. Sie hat zum Ziel, dass eine repräsentative Datenbasis zur Antibiotikaresistenz in Deutschland erarbeitet wird. Dazu werden resistente Keime in Krankenhäusern und Arztpraxen erhoben, untersucht und gezählt.  „Wir müssen auch zwischen der Situation zu Hause, in Arztpraxen und im Krankenhaus unterscheiden“, erklärt Mikrobiologe Dr. Ekkehard Siegel von der Uni Mainz. „Zu Hause oder auch in der Arztpraxis, ist die Lage noch nicht besorgniserregend. Im Krankenhaus hingegen haben sich bereits viele resistente Keime entwickelt und halten sich auch hartnäckig."

Es gibt einen Hauptgrund dafür, warum eine Antibiotika-Resistenz entsteht: Das ist die natürliche Eigenschaft von Bakterien, sich sehr schnell an neue Situationen anzupassen. Denn bei jeder Vermehrung entstehen zufällig auch viele solche Bakterien, die anders sind als die vorherige Generation. Und so kann es passieren, dass ein einzelnes verändertes Bakterium jetzt zufällig unempfindlich gegen das Antibiotikum ist. Es überlebt und kann ungehindert wachsen und sich vermehren. Dabei gibt es die neue Eigenschaft an die Nachkommen weiter. Und schon hat sich aus einer einzelnen zufälligen Veränderung ein ganzer resistenter Stamm entwickelt. Zudem haben Bakterienstämme die Eigenschaft, solche erfolgreichen Eigenschaften an einen Nachbarstamm weiterzugeben. „Gentransfer“ heißt das Fachwort dafür. Und aus diesen Gründen ist die Gefahr im Krankenhaus größer als zu Hause. Denn im Krankenhaus kommen viele Bakterienstämme zusammen, gleichzeitig werden viele Antibiotika gegeben. Auch in der Massentierhaltung, bei massivem Einsatz von Antibiotika, werden aus dem gleichen Grund viele resistente Keime gezüchtet und an den Menschen weitergegeben.

Prinzipiell unterteilt der Mikrobiologe Bakterien zwischen gram-positiv und gram-negativ. Bei den „gram-positiven Bakterien“, zu denen auch die genannten Staphylokokken gehören, gibt es zum Glück meist Möglichkeiten, Ersatzantibiotika zu finden. Anders sieht es bei den “gram-negativen Bakterien“ aus. Diese waren von Anfang an widerstandsfähiger gegen Antibiotika. Zu den gram-negativen Bakterien gehören z. B. die Kolibakterien, die Übelkeit und Durchfall auslösen können. Auch die gefährlichen Bakterien mit dem Namen Pseudomonas aeruginosa gehören dazu; sie sind für die Infekte in Gehörgängen verantwortlich, aber auch für alle möglichen weiteren Infekte. „Diese Keime werden neuerdings sehr widerstandsfähig“, erklärt Mikrobiologe Siegel. „Hier besteht die große Gefahr, dass es keine oder so gut wie keine Ersatzantibiotika gibt.“

Auf folgende Weise können Sie selbst mithelfen, die Gefahr der Antibiotika-Resistenz einzudämmen:

  • Denken Sie daran, dass die typischen Erkältungen durch Viren hervorgerufen werden, und gegen die helfen keine Antibiotika. Akzeptieren Sie deshalb die Entscheidung Ihres Arztes, wenn er Ihnen kein Antibiotikum verschreiben möchte.
  • Setzen Sie ein verschriebenes Antibiotikum nicht vorzeitig ab, sondern verbrauchen Sie die ganze Packung. Denn sonst wächst die Gefahr, dass einzelne Erreger übrig bleiben, die sich dann leichter an das Antibiotikum anpassen können.
  • Nehmen Sie die vorgeschriebene Menge und nicht etwa weniger. Eine zu schwache Dosierung kann die Gefahr ebenfalls erhöhen.
  • Waschen Sie die Hände, wenn Sie aus dem Krankenhaus kommen. Denn sonst tragen Sie resistente Keime nach Hause.
  • Waschen und desinfizieren Sie Ihre Hände auch sehr häufig und gründlich, wenn Sie als Patient im Krankenhaus liegen.
  • Als Krankenhauspatient mit einer ansteckenden Krankheit sollten Sie möglichst in Ihrem Zimmer bleiben, damit Ihre Keime nicht zum Gen-Austausch beitragen.

 

01. bis 15. September 2008 Aktualisiert am 22.2.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl