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Sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch
Guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen am Gesundheitstelefon der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Unser Thema lautet: „Sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch“.
Syphilis, Tripper oder Herpes – dass aus dieser Ecke noch einmal Gefahr drohen wird, hat wohl niemand mehr gedacht. Syphilis galt in unseren Breiten als nahezu ausgestorben. Tripper und Herpes gingen vor allem in den letzten 20 Jahren stark zurück. Mittlerweile aber warnen Experten, dass die sexuell übertragbaren Erkrankungen wieder auf dem Vormarsch sind. In Deutschland steigen die Infektionsraten von HIV und Syphilis. Aus anderen europäischen Ländern gibt es auch Zahlen zu anderen „sexually transmitted diseases“ (STDs) mit steigender Tendenz.
Besonders bedenklich sind zwei Entwicklungen:
• Es stecken sich immer öfter Personen über 45 mit sexuell übertragbaren Krankheiten an. Zwar sind noch immer 95 Prozent der Erkrankten jünger als 45. Doch unter den älteren erhöht sich die Infektionsrate deutlich. Sie hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Markant sind die Zahlen bei Herpes, Syphilis und Gonorrhöe.
• Das Wissen über die Gefahr von sexuell übertragenen Infektionen nimmt ab. Gerade weil kaum noch jemand damit rechnet, werden Krankheitsanzeichen oft übersehen.
Der „Klassiker“ der Infektionen, die sexuell übertragen werden können, ist der Tripper, medizinisch korrekt als Gonorrhoe bezeichnet. Er macht sich typischerweise zumeist drei Tage nach dem infektiösen Kontakt mit Brennen beim Wasserlassen und einem gelblichen Ausfluss aus der Scheide oder Harnröhre bemerkbar. Eine Ansteckung kann aber auch je nach Sexualpraktiken im Rachenraum oder im Darmausgang Beschwerden verursachen und zu Fehldiagnosen führen. Der Erreger ist sehr gut mit Antibiotika behandelbar – Folgen einer Nichtbehandlung sind fortschreitende Entzündungen im Unterleib bis hin zur Unfruchtbarkeit.
Eine häufige sexuell übertragene Krankheit ist auch die Chlamydien-Infektion. Diese wird oft übersehen, weil sie keine oder nur leichte Krankheitssymptome zeigt und dabei weiter fortschreitet. Ein leichter Ausfluss aus Scheide, Harnröhre oder Po, kann ein Hinweis sein. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können hinzukommen. Die Gefahren sind ebenfalls Entzündungen und Unfruchtbarkeit. Der Erreger ist über einen Abstrich oder über den Urin nachweisbar und kann antibiotisch behandelt werden. Gonorrhoe und Chlamydieninfektionen werden vor allem beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen.
Zu oft vergessen und sehr infektiös ist die Syphilis. Sie verläuft in Stadien und zeigt im Erststadium an der Eintrittspforte des Erregers kleine offene Hautgeschwüre, nach Wochen folgen roter Hautauschlag und Lymphknotenschwellungen und nach Monaten bis Jahren dann befällt der Syphiliserreger (Treponema Pallidum) die Organe, Nerven und das Gehirn mit schweren Folgeschäden. Die Treponemen finden sich vor allem in den offenen Geschwüren, in den Sexualflüssigkeiten und im Blut und Kontakt damit führt zu einer Infektion. Syphilis kann nur in den Anfangsstadien durch Antibiotika ganz geheilt werden. Laut Robert-Koch-Institut haben sich in den letzten 10 Jahren die Zahlen der Neuinfektionen um etwa ein Drittel erhöht. Seit 2004 bleibt die Zahl der Neuinfektionen auf hohem Niveau stehen. Es sind über 3000 Menschen, die sich in Deutschland pro Jahr mit der Syphilis anstecken.
Keine Entwarnung gibt es auch bei HIV/Aids. Denn hier besteht trotz sehr guter Therapieerfolge in Bezug auf Lebenserwartung und Lebensqualität noch keine Heilungsmöglichkeit. Auch bei dieser Krankheit sind trotz Infektionsrisiko auf Sexualwegen und durch Blutkontakte oft viele Jahre keine Krankheitsanzeichen zu bemerken. Deshalb weist das Robert-Koch-Institut auch dieses Jahr wieder zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember auf das notwendige Schutzverhalten hin. Derzeit leben etwa 60.000 Menschen in Deutschland mit HIV/AIDS.
Das Vorliegen unbehandelter anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen erhöht das Risiko einer HIV-Übertragung . Bei einer Chlamydieninfektion z. B. ist das Risiko der HIV-Über-tragung um das drei- bis fünffache erhöht.
Neben den angesprochenen sexuell übertragenen Krankheiten gibt es noch viele weitere, wie Hepatitis A, B und C, Feigwarzen, Pilzinfektionen, Trichomonaden, sowie Herpes und Filzläuse.
Genau genommen unterscheiden sich sexuell übertragbare
Krankheiten von anderen Infektionserkrankungen durch Viren, Bakterien
und Parasiten durch den sexuellen Ansteckungsweg. Dadurch haftet ihnen
auch heute im 21. Jahrhundert immer noch etwas Peinliches und
Unangenehmes an und Gespräche darüber oder
der rechtzeitige Arztbesuch werden hinausgezögert.
Auch erfahren betroffene Sexualpartner zu spät oder gar nicht
von ihrem Risiko. Nur Offenheit zum Austausch, Informiertheit
über Erkrankungen und Bereitschaft zur Anwendung von Kondomen
bei spontanen oder unbekannten Sexualkontakten schützen vor
Neuinfektionen.
Neben den niedergelassenen Ärzten bieten die STD-Beratungsstellen der Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz kostenlose und anonyme Beratung und Diagnostik und in Einzelfällen auch Therapie an. Beratung ist ebenfalls durch die Aids-Hilfen möglich.
Eine Übersicht über sexuell übertragbare Krankheiten, ihre Symptome, Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten, bietet die kostenlose Broschüre „Infektion kennt keine Grenzen“, die Sie gegen ein Rückporto von 0,55 € bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz, Karmeliterplatz 3, 55116 Mainz bestellen können.
Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.
Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!
© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl






