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Depressionen erkennen und Hilfe finden
Guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen am Gesundheitstelefon der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Unser Thema lautet: „Depressionen erkennen und Hilfe finden“.
Wenn das Wetter schlechter wird und die Tage sich verkürzen, geht die Stimmung von vielen Menschen bergab. Wer davon betroffen ist, kommt morgens schwer aus dem Bett und kann tagsüber kaum die Augen offen halten. Konzentrationsschwäche, Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit und Müdigkeit stellen sich ein. Zudem fehlt es in der dunklen Jahreszeit häufiger an Energie, um etwas zu unternehmen. Diese gedrückte Stimmung wird häufig „Winterblues“ genannt. Er ist hauptsächlich auf den Lichtmangel zurückzuführen. Denn ohne Licht schüttet der Körper zu geringe Mengen des „Glückshormons" Serotonin aus. Das beste Mittel gegen den Winterblues ist daher: Gehen Sie jeden Tag mindestens eine Viertel Stunde nach draußen, um Licht zu tanken. Denn damit wird im Gehirn mehr Serotonin gebildet und Ihre Stimmung steigt wieder von ganz alleine.
Auch bei dem Krankheitsbild der Depression ist das Serotonin beteiligt, zudem Noradrenalin und womöglich noch andere Nervenbotenstoffe. Zwar werden diese in ausreichender Menge gebildet, um das Gehirn bei erfolgreichen und angenehmen Erlebnissen mit Glücksgefühlen zu durchfluten. Aber: Im Gehirn eines depressiven Menschen können diese Nervenbotenstoffe nicht von einer Nervenzelle zur anderen gelangen. Sie werden zwar ausgesendet, bevor sie aber zur nächsten Nervenzelle gelangen können, werden sie von derselben Nervenzelle wieder eingefangen.
Der veränderte Stoffwechselhaushalt im Gehirn eines depressiven Menschen hat viele Auswirkungen. Einige davon sind ähnlich wie beim Winterblues. Dies sind die Gefühle der Energielosigkeit, Lustlosigkeit, Freudlosigkeit. Sie können sich steigern bis hin zur Gefühllosigkeit und Todessehnsucht. Typisch für eine Depression sind zudem so genannte Denkfehler. Wenn Sie z. B. eine wichtige Prüfung bestanden haben, dann könnte die falsche Schlussfolgerung lauten: „Das war doch nur Zufall, eigentlich hätte ich durchfallen müssen.“ Oder bei einem Ziehen im Bein oder im Kopf: „Das ist nicht normal, ich bin sicher, ich habe eine schlimme Krankheit.“ Oder wenn jemand ihren Gruß überhört: „Kein Wunder, alle meine Kollegen denken sowieso, ich bin dumm und langweilig.“ Wer sich aber andauernd selbst abwertet, kommt fast zwangsläufig zu einem erniedrigten Selbstwertgefühl, einem ebenfalls typischen Anzeichen für eine Depression.
Neben den psychischen Faktoren stellen sich weitere sehr unterschiedliche Beschwerden ein. Während der eine über Schlaflosigkeit und Antriebsschwäche klagt, leidet ein anderer ausschließlich unter hartnäckigen Grübeleien und Appetitverlust. Typisch ist auch das sogenannte Morgentief: Man fühlt sich morgens besonders schlecht, im Tagesverlauf ändert sich die Stimmung und es wird wieder besser.
Eine Depression kann dauerhaft aus solchen Zuständen bestehen. Dies ist die Dysthymie. Sie kann aber auch phasenweise auftreten und dann wieder verschwinden. Dann wird sie Major Depression genannt, die häufigste Form der echten Depression. Daneben gibt es auch die bipolare Störung. Hier ist typisch, dass die traurigen und niedergeschlagenen Phasen mit euphorischen und aktiven Phasen wechseln. Allerdings sind die euphorischen bzw. manischen Phasen genauso schädigend wie die depressiven: In der depressiven Phase fühlt man sich vor lauter Energielosigkeit wie in einem schwarzen Loch, aus dem man alleine nicht herauskommt und seine Lebensanforderungen nicht bewältigen kann. In der manischen Phase hingegen kann der Betroffene seine gesamte Existenz aufs Spiel setzen, indem er vor nicht zu bändigender Kraft beispielsweise viel zu viel Geld ausgibt. Oder er ruiniert sich mit zu hochgesteckten Zielen, weil er sie nicht konsequent verfolgen kann. International sind über 20 Formen der Depression festgelegt. Allerdings ist es für den Behandlungserfolg nur wichtig, ob die Depression eher schwer oder eher leicht ausgeprägt ist.
Wer unter Depression leidet, hat dies nicht selbst verschuldet. Vielmehr kann sie wie von alleine entstehen, ohne dass die Ursache bekannt ist. Sie kann sich auch aus kritischen Lebensereignissen heraus bilden. Schicksalsschläge wie der Tod des Partners, Scheidung oder Trennung, Arbeitslosigkeit, schwere Krankheit sind häufige Ursachen. Genauso wie auch Dauerstreit mit dem Partner oder Psychoterror am Arbeitsplatz. Solche Belastungen führen zu Dauerstress, der den Körper in permanente Alarmbereitschaft versetzt. Hormonell gesehen sind Depressive im Dauerstress.
Wer unter einer Depression leidet, hat meist das sichere Gefühl, dass er von alleine wieder aus ihr herauskommt, wenn er sich nur richtig anstrengt. Dies ist aber falsch. Sprechen Sie Ihren Hausarzt an, wenn Sie glauben, dass Sie oder ein Angehöriger betroffen ist.
Denn die meisten Depressionen lassen sich sehr gut behandeln. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist, dass sie den speziellen Bedürfnissen und Möglichkeiten des Betroffenen entspricht. Psychotherapien unterstützen den Betroffenen darin, die verlorene Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen. Sie helfen, die Denkfehler aufzubrechen und üben gezielt neue Denkmuster ein. Viele Studien zeigen mittlerweile, dass auch Sport gut gegen Depressionen wirkt. Wichtig bei allem ist, sich realistische Ziele zu setzen und sich dabei nicht zu überfordern.
Darüber hinaus können bei Depressionen Antidepressiva verschrieben werden. Zur Behandlung von schweren Depressionen sind sie oft unerlässlich, da durch sie eine Psychotherapie überhaupt erst möglich wird. Wissen muss man: Antidepressiva wirken nicht sofort, man darf aber in den ersten Tagen bereits eine leichte Besserung erwarten. Wichtig ist es, dass Sie eine solche Therapie nicht eigenmächtig absetzen, sondern immer in Absprache mit Ihrem Arzt handeln.
Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.
Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!
© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl






