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Leben mit Menschen mit Behinderung

Guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen am Gesundheitstelefon der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Unser Thema lautet: „Leben mit Menschen mit Behinderung“.

„Was wir zu lernen haben, ist so schwer und doch so einfach und klar: Es ist normal, verschieden zu sein.“ Dies schrieb der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Jahr 1993. Oft ist dieser Satz seitdem zitiert worden. Seine Botschaft lautet auch, dass eine Gesellschaft davon profitiert, wenn sie das Anderssein von anderen akzeptiert und integriert.

Leider aber sieht die alltägliche Realität von Menschen mit einer Behinderung oft anders  aus. Insbesondere Menschen mit körperlichen Behinderungen stoßen im Alltag auf zahlreiche Hindernisse und Herausforderungen wenngleich hier Städteplanung, Wirtschaft und Verwaltung Fortschritte im Bereich der Barrierefreiheit machen.  

Traditionell wurden für Menschen mit Behinderungen spezielle Einrichtungen geschaffen, in denen sie leben oder arbeiten. Dies führt unter anderem dazu, dass Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeits- und Schulalltag selten vorkommen. Und so werden Menschen mit Behinderung auf der Straße oft noch befremdlich angeschaut, weil ihr Anblick unvertraut ist und man nicht so recht weiß, wie man mit ihnen reden soll. So vermeiden Menschen den Umgang mit behinderten Menschen - oftmals gar nicht aus Ablehnung, sondern aus dem Gefühl der Unwissenheit und Unsicherheit heraus. Zu unserer Gesellschaft gehören Menschen mit Behinderung einfach nicht dazu. Auf diese Weise sinkt ihre Chance, die vorhandenen geistigen oder körperlichen Fähigkeiten auszubauen.

Aber warum fällt es so schwer, behinderte Menschen einfach in das gesellschaftliche Leben zu integrieren? Vielleicht, weil wir es gewohnt sind, Menschen danach zu beurteilen, was sie nicht können? Diese Frage stellt Professor von Voß von der Universität München in den Raum. Wenn wir darauf achten, was jemand NICHT kann, kommt bei jedem Menschen eine ganze Menge zusammen. Die einen können keinen Weitsprung, bei den anderen hapert es am Dreisatz.

enschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung können vielleicht nur langsam rechnen und nicht fehlerlos schreiben. Körperlich behinderte Menschen können eventuell nicht gehen oder nur mit einem Hilfsgerät atmen. Aber wie wäre es, wenn wir die Frage einmal anders stellen: WELCHE Fähigkeiten besitzt der einzelne, trotz und wegen seiner Behinderung? Vielleicht hat der Mensch mit einer sogenannten geistigen Behinderung eine besondere Art seine Gefühle zu äußern, was auch das Leben in der Familie und im Freundeskreis bereichert, oder ein Mensch mit einer körperlichen Behinderung hat eine große innere Stärke, um im Alltag trotz der vielen Schwierigkeiten zu bestehen. So kann man individuell jeden Menschen danach betrachten, was er KANN, was das Besondere an ihm ist, was ihn auszeichnet.

„Man sollte Menschen mit Behinderung so begegnen, wie jedem anderen Mitbürger auch“, wünscht sich Ottmar Miles-Paul, der rheinland-pfälzische Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen.  

Kinder mit Behinderungen müssen nicht zwangsläufig in besonderen pädagogischen Einrichtungen betreut werden. In integrativen Kindergärten und Schulen werden Kinder mit und ohne Behinderung zusammen gefördert. Für Kinder, die auf diese Weise zusammen aufwachsen, wird der Umgang miteinander normal. Die Kinder bewerten ihre Altersgenossen mit Behinderung in der Regel nicht nach ihrer Auffälligkeit, sondern nach ganz üblichen Kinderkriterien wie „Petzt der andere?“, „Kann ich mit ihm spielen?“ oder „Kann ich mich auf ihn verlassen?“. Auch die Eltern der nichtbehinderten Kindergartenfreunde oder Mitschüler beginnen dann meist, die Integrationskinder auf diese Weise zu sehen, und nicht primär auf ihre Behinderung zu achten.
Ein prominentes Beispiel zeigt, wie Richard von Weizsäckers Satz auch gelebt werden kann:  Der aus der Pfalz stammende Schauspieler mit Down Syndrom Bobby Brenderlow spielte in dem Film „Bobby“ die Hauptrolle und ist seither in mehreren Film- und Fernsehproduktionen aufgetreten. Seine Karriere als Schauspieler war möglich, weil er an Menschen geriet, die ihm auch etwas zutrauten und ihn förderten.

Ein anderes schönes Beispiel bietet die Lebenshilfe in Rheinland-Pfalz. Hier hat sich in Kaiserslautern eine Theatergruppe mit Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung gebildet, die regelmäßig auftritt und immer für gute Unterhaltung sorgt. Erst kürzlich waren sie in Mainz in der „Alten Patrone“ zu sehen. Das nächste Stück ist in Arbeit. Man sieht auch diesen Schauspielern ihre Freude am Spiel an, das professionell in Szene und ins Licht gesetzt wird.
Damit allen Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird, muss unsere Gesellschaft und unsere Politik noch viel leisten. Daran sollten wir anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21.3.2010 denken.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 / 20 69 0.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund! 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl