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Mobbing am Arbeitsplatz

Guten Tag meine Damen und Herren, hier ist das Gesundheitstelefon der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Heute informieren wir Sie über das Thema: „Mobbing am Arbeitsplatz“.

Konflikte kommen in der Arbeitswelt ebenso vor wie im Privatleben. Auch Konkurrenz-denken, Neid, Klatsch und Tratsch fördern das Betriebsklima nicht sonderlich. Doch für eine nicht unerhebliche Anzahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist der Arbeitsplatz unerträglich geworden. Sie werden täglich Opfer des Psychoterrors von Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten. Dieser Terror findet auch von Angestellten zu Vorgesetzten und zwischen Vorgesetzten untereinander statt. Man spricht in solchen Fällen von Mobbing. Abgeleitet vom Englischen Wort „mob“ ist damit die Meute gemeint, die sich zusammenrottet und einzelne jagt. Mobbing ist leider für hochgerechnet 1,7 Millionen Beschäftigte trauriger Alltag und hat damit wirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe zur Folge. Die Folgen des Psychoterrors am Arbeitsplatz sind nämlich psychische und körperliche Erkrankungen, innere Kündigungen, schlechtere Arbeitsergebnisse und hohe Fehlerquoten.

Der Mobbingprozeß verläuft laut dem schwedischen Arbeitspsychologen Heinz Leymann in vier Phasen:

Den Anfang macht ein ungelöster Konflikt, für den ein Schuldiger gesucht wird. Ein Opfer wird gefunden. Grundsätzlich kann jeder betroffen sein. Es gibt jedoch besonders gefährdete Personengruppen in einem Unternehmen. Das sind:

  • Menschen mit einer Auffälligkeit, zum Beispiel einer anderen Nationalität, einem anderen sozialen Status, einer Behinderung oder auffälliger Kleidung,
  • Menschen, die in einer Gruppe etwas Einmaliges darstellen, zum Beispiel die einzige Frau in einer ansonsten männlich dominierten Abteilung,
  • Menschen, die besonders erfolgreich sind und
  • Menschen, die neu dazugekommen sind.

Die häufigsten Mobbingopfer sind weibliche Angestellte zwischen 35 und 55 Jahren. Sie werden überwiegend von männlichen Vorgesetzten, häufig aber auch von Kolleginnen tyrannisiert.

In der zweiten Phase wird das Mobbingopfer zunehmend isoliert. Die Person wird ausgeschlossen und nicht mehr zu Zusammenkünften eingeladen. Gespräche verstummen, wenn der- oder diejenige den Raum betritt. Gerüchte werden verbreitet, Informationen werden zurückgehalten.

In der dritten Phase kommt es zu persönlichen An- oder Übergriffen, wie Telefonterror, Drohungen, Beschimpfungen oder sexuellen Belästigungen. Die Gemobbten werden mit sinnloser Arbeit zugeschüttet, sie werden ständig kritisiert und keiner will mehr mit ihnen zusammenarbeiten.

Die vierte Phase bedeutet völlige Ausgrenzung der Betroffenen. Sie werden versetzt. Meist haben die Gemobbten schon vorher aufgegeben und gekündigt, um dem täglichen Psychoterror zu entgehen.

Es ist wichtig, bereits in einer frühen Phase eines Konfliktes am Arbeitsplatz etwas zu unternehmen und sich Unverschämtheiten oder Gemeinheiten nicht gefallen zu lassen. Je früher reagiert wird, desto größer sind die Chancen, den Konflikt zu lösen und den Mobbingprozeß zu unterbrechen.

Die gesundheitlichen Folgen des Mobbings sind erheblich. Die ständige Verletzung des Selbstwertgefühls ist ein starker Stressfaktor. Häufig zu beobachtende Folgen sind Niedergeschlagenheit, Nervosität, Magen- und Darmstörungen und nach mehreren Wochen Schlafstörungen, Kopf- und Nackenschmerzen, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, Herzerkrankungen oder andere körperliche Symptome. Die Tatsache, dass psychische Erkrankungen, wie Angst, Depression und Selbstmordgedanken die dritthäufigste Ursache für eine frühere Berentung sind zeigt, wie wichtig es ist, über den Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Arbeitsplatz nachzudenken.

Was können Gemobbte tun?

Zunächst ist zu überlegen, wer Hilfestellung leisten kann. Ist der Betriebsrat schon angesprochen oder gibt es Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzte, die sich nicht am Mobbing beteiligen und Hilfestellung leisten können? In der frühen Phase können Sie folgender-maßen reagieren:

  • Dokumentieren Sie alle Vorgänge und sammeln Sie alle schriftlichen Dokumente,
  • Suchen Sie sich eine Vertrauensperson im Betrieb und informieren Sie diese über die Vorkommnisse,
  • Suchen Sie sich Rückendeckung bei Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten,
  • Überlegen Sie, was der Ursprungskonflikt war und wie eine Konfliktlösung aussehen könnte,
  • Sprechen Sie den Konfliktgegner direkt an oder bitten Sie durch Ihre Vertrauensperson um Vermittlung oder
  • Suchen Sie Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe oder bei einer Mobbingberatung.

Sie sollten nicht zu schnell aufgeben und kündigen. Die Gefahr, am nächsten Arbeitsplatz wieder in ähnliche Situationen zu geraten, besteht. Empfohlen wird, an einem Selbst-bewußtseins-Training teilzunehmen. In solchen Seminaren können, zum Beispiel in Form von Rollenspielen, Situationen am Arbeitsplatz oder Gesprächssituationen mit Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten durchgespielt werden.
Kontakt zu Selbsthilfegruppen stellen die Selbsthilfekontaktstellen des Landes Rheinland-Pfalz her.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.