Zu Gast bei Familie – FamTische –
Ein neues Modell zur Suchtprävention in der Familie
Guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen am Gesundheitstelefon der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Unser Thema: „Zu Gast bei Familie – FamTische – Ein neues Modell zur Suchtprävention in der Familie“.
"Selbstbewusste Kinder gehen oft nur aus einem positiven, liebevollen Elternhaus hervor. Das Kind muss auch in Konflikten sicher sein, dass es geliebt wird. So wird es stark, um Drogen und Süchten zu widerstehen." So klingen moderne Erkenntnisse aus der Suchtforschung. Wunderbar überzeugend und einfach. Natürlich möchte man es als Erziehender genau so machen und dem Kind einen guten Start ins selbstständige Leben ermöglichen. Aber leider ist im Erziehungsalltag oft von diesen wunderbaren Überlegungen nicht viel zu spüren. Da geht es darum, den Alltag zu meistern. Dabei prallen unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen von Groß und Klein aufeinander. Gefühle schaukeln sich hoch, ein Wort gibt das andere und schon ist man wieder mittendrin im Streit mit seinem Kind.
Weil viele Eltern diese Situation kennen und weil Familien im Rahmen der Suchtprävention ein zentraler Stellenwert zukommt, hat das Büro für Suchtprävention der Landeszentrale für Gesundheitsförderung das Projekt "Zu Gast bei Familie … - FamTische" gestartet, das vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz unterstützt wird. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass sich Erziehende einmal an einen Tisch setzen sollen, um über Alltagsthemen zu sprechen, die das Miteinander in der Familie prägen, mit dem Ziel Erziehende zu ermutigen, sich untereinander mit guten Erfahrungen weiter zu helfen. Weil eine Familie jeweils zu einem solchen Gesprächskreis einlädt und weil sich für einen solchen Gesprächskreis rund 5 bis 8 Menschen am Küchentisch oder Wohnzimmertisch einer Familie treffen, heißt das Projekt "FamTisch", abgeleitet von Familientisch. Seit Juni gibt es in Rheinland-Pfalz die ersten "FamTische" - und zwar mit Erfolg. Aber der Reihe nach:
Im ersten Schritt hat das Büro für Suchtprävention der LZG landesweit Partner gesucht, die das Projekt umsetzen. Regionale Partner können zum Beispiel eine Fachstelle für Suchtprävention sein, eine Beratungsstelle, ein Sozialdienst oder eine aktive Gemeinde. In einer ersten Fortbildung wurden die Mitarbeiter dieser Institutionen geschult.
Im zweiten Schritt haben die Institutionen in ihren Regionen Moderatoren und Moderatorinnen gefunden, die sich bereit erklärt haben, die Moderation an einem solchen „FamTisch“ zu übernehmen. Diese Moderatoren und Moderatorinnen sind keine Fachleute für Suchtprävention, Gesundheit oder Erziehung. Sie werden durch die regionalen Partner vorbereitet und erhalten während des Projektes Unterstützung.
Im dritten Schritt haben die Moderatoren und Moderatorinnen Gastgeber gesucht, die in ihrem Wohnzimmer, in ihrer Wohnung einen “FamTisch“ anbieten möchten. Für Gäste sorgen der Gastgeber bzw. die Gastgeberin, indem sie Mütter und Väter im Bekanntenkreis einladen, die mit ähnlichen Erziehungsthemen wie sie selbst beschäftigt sind. Beim Start des Projektes zeigte sich, wie groß das Interesse der Eltern an einem Austausch ist.
Die nächsten „FamTisch“ haben sich dann nach dem Schneeballprinzip gebildet. Das heißt, einige der Anwesenden haben für ein weiteres Treffen ihren eigenen Küchentisch zur Verfügung gestellt und haben den Moderator bzw. die Moderatorin als Gesprächsleitung hinzu gebeten. Aus diesen „FamTischen“ sind dann wieder neue hervorgegangen. Dabei trifft sich jede Runde nur einmal in der gleichen Zusammensetzung. Die Moderatoren und Moderatorinnen haben die Aufgabe die Diskussionsrunde und das Gespräch zu begleiten. Die Erziehungsprofis sind die Eltern selbst. Denn sie praktizieren die Erziehung ja Tag für Tag. Sie erleben, wann eine Erziehungsstrategie gut ist oder wann sie zu Streit führt. Und "FamTische" ermöglichen beispielsweise den Austausch über gelungene Vorgehensweisen.
Themen, die am "FamTisch" diskutiert wurden, waren beispielsweise folgende:
- Wie viele Süßigkeiten erlaube ich meinem Kind?
- Wann gibt es den ersten Alkohol?
- Was tun, wenn die Freunde des Kindes rauchen? Umgang verbieten?
- Das Kind räumt das Zimmer nicht auf, wie sieht es in anderen Familien aus?
- Sonntags streiten wir uns immer. Muss das sein?
In solchen Fragen gibt es oft nicht den goldenen Königsweg. Doch sich im privaten Rahmen auszutauschen, gemeinsam neue Wege zu suchen und Anregungen zu finden wird für viele Eltern ermutigend und Erziehungskompetenz stärkend erlebt.
Für Fragen, die während des "FamTisches" nicht gelöst werden können oder bei denen der Moderator bzw. Moderatorin den Eindruck hat, dass der Rat einer Fachkraft benötigt wird, stehen die regionalen Partner unbürokratisch zur Verfügung. Doch zahlreiche Erziehungsthemen aus dem Alltag der Familien lassen sich in der Regel gut ohne Familientherapeut oder Kinderpsychologe diskutieren und lösen.
Sie sind herzlich eingeladen, sich aktiv am Projekt "Zu Gast bei Familie … - FamTische" als Moderator oder Moderatorin, als Gastgeber oder als Gast zu beteiligen. Ihren regionalen Partner erfahren Sie unter der Telefonnummer: 06131/2069-24 oder im Internet unter www.famtische.de.
Sie finden diesen Text neben weiteren Informationen der LZG auch im Internet unter www.lzg-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Karmeliterplatz 3, 55116 Mainz, Telefon 06131/2069-0.
Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!






