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Wurde WELLNESS zum “Unwort” der Jahrtausendwende?
von Dr. Siegfried Malich, M.Sc., Wesseling (EWU)
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Nach den Sprachregeln des DUDEN gilt der Ausdruck Fitness seit etwa 1970 als eingedeutscht. Allerdings war dieser amerikanische Sammelbegriff für umfassende körperliche Leistungsfähigkeit (im Sinne von Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und entsprechender mentaler Kompetenz) hier bei uns lange Zeit auf muskelprotzendes Bodybuilding eingeschrumpft. Das wirkt zum Teil bis heute nach. Rund 20 Jahre später begann ein ähnlich klingender Amerikanismus über den Grossen Teich zu schwappen: Wellness. Prompt wiederholen sich die zum Teil grotesken Sinnverfälschungen, obwohl auch diesmal seriöse Fachleute von Anfang an als Ratgeber zur Verfügung gestanden hätten. Erneut ging es aber vielen Anwendern weniger um korrekte Definitionen als um die Absicht, einen modisch-attraktiv klingenden Werbeslogan kommerziell auszuschlachten. Wie schillernde Seifenblasen umgaukeln inzwischen vollmundige Marketingbotschaften die staunenden Konsumenten auf ihrer Suche nach einem neuen, besseren Lebensgefühl. Die scheinbar unbegrenzte Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen reicht gewissermassen von Kopf bis Fuss: Rezepturen gegen Haarausfall oder Ohrenschmalz, Präparate für alle kosmetischen Problemzonen, funktionelle Nahrungsmittel und Getränke, anschmiegsame Unterwäsche (einschliesslich geruchsneutralisierender Kuschelsocken), umfassende Verwöhnprogramme für die Urlaubs- oder Freizeitgestaltung sowie sonstige phantastische Anpreisungen. Hinter diesem „Wellness“-Dunstschleicher droht der wirkliche Wortsinn mehr und mehr zu verschwimmen.(1) (2)
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Nicht nur die gleich lautende Endsilbe erinnert deshalb an die früher öfter wiederkehrenden Sensationsberichte über das angebliche Fabelwesen im schottischen Loch Ness. Hier wie da bestand seitens der Propagandisten wenig Bereitschaft, den tieferen Wahrheitsgehalt des Verkündeten systematisch auszuloten. Kein Zweifel also: „Nessie“ ist – wenn auch in anderer Gestalt – mal wieder aufgetaucht!
Begriffsverfremdung im Fremdenverkehr
Zu den noch immer besonders lautstarken Selbstdarstellern dieser Szene gehört der Tourismus. Mit frei schwebender Sinngebung werden in allen verfügbaren Medien kundenorientierte „Wellness“-Lockrufe verbreitet, die für Aufenthalte in den jeweiligen Heilbädern, Erholungsorten, Ferienhotels, Freizeitparks usw. ein angeblich noch nie dagewesenes Wohlbehagen verheissen – bis hin zu den „weichen Händen der vollbusigen Masseuse Mariam“. (3) Ursache der Fehlentwicklung ist offenbar ein Übersetzungsfehler, zu dessen Verbreitung auch einige (ansonsten respektable) Wissenschaftler beigetragen haben. Wegen eines allzu saloppen Umgangs mit der angelsächsischen Sprache und klangvollen Amerikanismen wurde leider übersehen, dass die korrekte englische Vokabel für Wohlgefühl oder Wohlsein schon seit 350 Jahren Well-being lautet, wie auch heute noch jedem guten Wörterbuch zu entnehmen ist. Dabei handelt es sich also um den genau passenden Ausdruck für jede zeitlich befristete Empfindenslage, die sich z.B. während eines Regenerationsurlaubs unter den Streicheleinheiten ausgeklügelter Verwöhnprogramme vor Ort (aber eben hauptsächlich nur dort!) einzustellen pflegt.
Wellness hingegen bedeutet entscheidend mehr. Im Sinne des von Sachkennern weltweit akzeptierten Sprachgebrauchs definiert die EUROPÄISCHE WELLNESS UNION (EWU) den Begriff als eine ganzheitliche Lebensrezeptur mit Langzeitwirkung. Ihr Ziel ist das optimale körperliche, geistig-seelische und kommunikative Wohlbefinden – auch und gerade unter den oft belastenden Alltagsbedingungen im privaten, gesellschaftlichen sowie natürlichen Umfeld. „Wellness-Hotels“ etc. verdienen ein solches Prädikat also nur dann, wenn sie ihren Gästen dauerhaft nachvollziehbare Anregungen und Anleitungen zur eigenständigen Befindenssteuerung und selbstgestalteten Gesundheitskultur vermitteln – über ein sympathisches lokales Ambiente hinaus.
Die wesentlichen Merkmale lassen sich wie folgt veranschaulichen:
Die durchgezogene Linie zeichnet die Befindenskurve eines „Normalurlaubers“ über einen längeren Zeitraum andeutungsweise nach. Man erkennt den Aufschwung aus der üblichen Alltagsstimmung im Hinblick auf einen bevorstehenden Urlaub, das überdurchschnittliche Wohlgefühl am Ferienort mit seinen Erlebnis- und Verwöhnimpulsen (Well-being), die Phase des schwindenden Nachwirkens der positiven Einflüsse, bis hin zur – auch stimmungsmäßigen – Rückkehr in den mehr oder weniger grauen Alltag.
Im Gegensatz dazu wird der Jo-Jo-Effekt dieser zyklischen Auf- und Abschwünge für echte „Wellness- Touristen“ spürbar abgefedert und gebremst (gestrichelte Linie). Ausschlaggebend ist die am Urlaubsort gezielt vermittelte und bei späteren Aufenthalten stabilisierte Fähigkeit,
- beeinflussbare Krankheitsrisiken eigenverantwortlich zu vermeiden,
- das Persönlichkeitsprofil und das Selbstwertgefühl mental und emotional so zu festigen, dass sie künftig auch belastenden Bedingungen besser standhalten,
- sowie insgesamt eine neu orientierte Lebensqualität konsequent zu verwirklichen.(4)
Trügerische „Rettungsringe“
Das Definitionsdilemma der Leistungsanbieter im Tourismus (aber auch in verschiedenen anderen Wirtschaftssektoren) hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass man keine Zeit zu haben glaubt, sich mit der wirklichen Bedeutung des Ausdrucks Wellness zu beschäftigen. Zunehmende Globalisierung der Märkte und wachsender Verdrängungsdruck verleiten dazu, sich mit gerade gängigen Worthülsen als mindestens ebenso „innovativ“ wie vordergründig erfolgreich scheinende Konkurrenten präsentieren zu wollen - ungeachtet des falschen Zungenschlags. Viele sehen darin offenbar einen „unverhofften Rettungsring in der stürmischen See des steigenden Wettbewerbs“ (Hildegard Dorn-Petersen), dessen Herkunft ihnen unter den bedrohlichen Umständen gleichgültig ist.
Dieses Sich-Festklammern an unverzichtbar erscheinenden Hilfen zur geschäftlichen Existenzsicherung entspricht einer ähnlichen Geisteshaltung wie (im Privatleben) das Verharren vieler Menschen in gesundheitsschädlichen Wertvorstellungen und Gewohnheiten (s. die Glosse „Affenklemme“). Langfristig nutzbringende Vorhaben hängen jedoch von der einsichtigen Bereitschaft ab, nebuloses Werbevokabular durch korrekte Zielansprachen zu ersetzen. Das empfehlen auch verantwortungsbewusste „Branchen-Insider“ aus den vorrangig betroffenen Sektoren inzwischen immer öfter und nachdrücklicher. Ein neues bemerkenswertes Beispiel enthält die Spezialausgabe Nr.2/2000 der Lebensmittelzeitung. Hier liest man: „Was alle erfolgreichen Wellness-Konzepte auszeichnet, ist vertrauensbildendes Marketing“. Diese Konzepte „stehen und fallen nicht mit der Logistik, sondern mit der Dienstleistung“. Aber „nur wenige Unternehmen bieten mehr als Kraut und Rüben“.(5)
Orientierungshilfen und Qualitätshinweise
Um den oben angedeuteten Sackgassen zu entrinnen, ist es empfehlenswert, sich verlässlichen Wegbegleitern anzuvertrauen. Auch für derartige Aufgaben steht seit über einem Jahrzehnt die EUROPÄISCHE WELLNESS UNION (EWU) mit Rat und Tat zur Verfügung.
Wichtige Satzungsziele(6) sind:
- Ausarbeitung und stetige Aktualisierung einer umfassenden Strategie für Gesundheit und Lebensqualität, um den Mitbürgern bessere Chancen zu optimalem Wohlbefinden (privat wie gesellschaftlich) zu eröffnen .
Diesem Zwecke dienen:
- Das Zusammenführen von Fachleuten aus allen gesundheitsbezogenen Bereichen sowie die Unterstützung ihrer wellnessorientierten Tätigkeiten – nicht zuletzt durch fortlaufende Information über aktuelle Vorgänge und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse.
- Die „Humanisierung“ der bislang überwiegend sachkundelastigen allgemeinen Berufsbildungssysteme
durch begleitende Lernprogramme, welche – gerade für beanspruchende Lebenssituationen – die physische und psychische Leistungsfähigkeit steigern. In diesem Sinne: Beteiligung an fortschrittlichen Weiterbildungseinrichtungen, beispielsweise dem entsprechenden Arbeitskreis der Industrie- und Handelskammer für die Region Köln(7), sowie Schaffung einer eigenen Fachakademie für ganzheitliche Gesundheitsförderung (European Wellness University, im Aufbau).
- Die „maßgeschneiderte“ Beratung von Firmen, Organisationen, politischen Instanzen, Medien sowie anderen Multiplikatoren in Fragen der seriösen und sachkompetenten Umsetzung von Wellnesskonzepten. Vor allem bei konsumentennahen Dienstleistungsbranchen gehört hierzu die Information und Motivation des Personals.
Der breite Fächer erfolgversprechender Ansatzpunkte bedeutet für die künftigen Kooperationspartner keine Verpflichtung zu überforderndem Perfektionismus, sondern eine Palette von Wahlmöglichkeiten. Die Regel ist ein schrittweises, auf besonders naheliegende Themenschwerpunkte beschränktes Schaffen innovativer Unternehmensleitbilder. Damit verbunden ist die eigene Standortbestimmung innerhalb eines wissenschaftlich abgesicherten Netzwerks, welches – auch international – schon lange als „das Europäische Wellness Modell“ anerkannt wird.
Hauptadressat und Mittelpunkt aller Bestrebungen ist der Mensch – als Individuum ebenso wie als Teil gesellschaftlicher Zusammenhänge. Sein Lebensgefühl (und dessen Ausstrahlung auf das Umfeld) ist die Summe positiver oder negativer Signale aus verschiedenen Dimensionen, die in vielfältigen Wechselbeziehungen stehen. Dieses Panorama lässt sich schematisch als ein Sechseck darstellen, das auch zum Veranschaulichen von Befindensanalysen dient („Wellnes-Barometer“).(8)
Es kommt darauf an, die individuell recht unterschiedlichen Reaktionen auf äussere Einflüsse und innere Impulse so zu steuern, dass daraus das jeweils optimale Wohlbefinden entsteht. Deshalb vermittelt die Wellness-Strategie systematisch ineinandergreifende Instrumente. Mit deren Hilfe können gleichzeitig gesteigert werden:
- Körperliches Fitsein
- Geistige Beweglichkeit
- Seelische Belastbarkeit
- Positive Arbeitseinstellung
- Harmonisches Privatleben
- Einklang mit der Umwelt.
Wem es also nicht mehr genügt, sich durch klangvolle Werbeverheissungen in das Auf und Ab rasch vergänglicher Wohlfühlphasen manövrieren zu lassen (bestenfalls im Sinne von „Well-being“), findet hier ein weitaus solideres Konzept. Freilich verspricht es keinen euphorischen Dauerzustand, auf dessen hohem Niveau – sobald erklommen – man sich dann bequem ausruhen kann. Zutreffender wäre der Vergleich mit einem labilen Gleichgewicht von so überzeugender Annehmlichkeit, dass seine Absicherung und fortschreitende Hebung als vorrangiges persönliches Anliegen empfunden wird.
Das erleichtert die einsichtige und dauerhafte Korrektur gesundheitlich nachteiliger Wertvorstellungen, Denkweisen, Verhaltensmuster und Umfeldzwänge unseres modernen Lebensstils. Für diesen zielbewussten und langfristig lohnendenlohnenden Umstellungsprozess empfiehlt sich die verlässliche Lotsenschaft von Wellness-Experten der EWU. Deren erprobtes Wissen und Können entsprechen nicht nur hohen fachlichen Standards, sondern tragen gleichzeitig zur Verwirklichung des obersten Qualitätsmaßstabs für das Europäische Wellness Modell bei: Sicherung optimaler Lebensqualität.
Langjährige Erfahrungen bestätigen, dass die – zunächst eher verstandesbetonte – Bereitschaft der Menschen zu gesundheitlichem Selbstmanagement und eigenverantwortlicher Befindlichkeitssteuerung mit zunehmender Routine von einem lustbetonten Bedürfnis getragen wird. „Gesund bleiben macht Spaß“ lautete von Anfang an das Motto der EUROPÄISCHEN WELLNESS UNION. Schon aus der Wortwahl wird erkennbar, dass gequältes Asketentum, obskure Scharlatanerie, atemraubende Körpertorturen und andere dubiose Heilslehren hier keinen Platz finden.
Die wachsende Fähigkeit, sich selbst sowie das gesellschaftliche und natürliche Umfeld in eine möglichst harmonische Balance zu bringen, erzeugt ein Gefühl „gebündelten Auftriebs“.(9)
Ein solcher, in erster Linie persönlich erstrebenswerter Zustand ist freilich kein blosses Privatvergnügen, sondern dient zugleich der Volksgesundheit ganz allgemein, der Kostenentlastung von Krankenversicherungen, der globalen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftssystems und anderen Zwecken des Gemeinwohls.
LITERATUR:
(1) BBE-Branchenreport Wellness (verantwortlich: Eichholz- Klein, Susanne und Weck, Michael), Köln, Dezember 2000.
(2) Illing, Kai-T.: Der Neue Gesundheitstourismus, Berlin 1999.
(3) Assheuer, Thomas: Der Holla-Effekt, in: DIE ZEIT, Hamburg, Nr.34/1999.
(4) Mit dieser Problematik befassen sich u.a. die Wellness- Kapitel in allen drei Bänden der Fach- und Studienbuchreihe „Tourismus“ des Wirtschaftsverlages Bachem, Köln (Co-Autor: Malich, Siegfried, Herausgeber: Dettmer, Harald). Band 1: Tourismuswirtschaft (1998), Band 2: Hotellerie und Gastronomie (2000), Band 3: Reiseindustrie (2001).
(5) Lebensmittel Zeitung Spezial, Deutscher Fachverlag, Frankfurt/Main, Nr. 2/2000: Wellness. Das Geschäft mit dem Körperkult.
(6) EUROPÄISCHE WELLNESS UNION (EWU): Satzung, Bonn und Wesseling, 27. Oktober 1990.
(7) Industrie- und Handelskammer für die Region Köln: Verzeichnis 2001 der Bildungsträger, Bildungsschwerpunkte, Qualitätskriterien, Köln, Januar 2001.
(8) Malich, Siegfried: Wellness=Gesundheit, Persönlichkeitsentfaltung, Lebensharmonie, in: MOTI - PLANER; Dillenburg 1991.
(9) Malich, Gisela: „Ich fühl' mich einfach gut (Das Wellnesskonzept)“, Eröffnungsvortrag bei der Tagung der Thomas- Morus-Akademie, Bensberg, am 10.12.1993.
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