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Wellness-Therapiekonzept in der ärztlichen Allgemeinpraxis

von Prof. Dr. med. habil. Dr. Dr. K. J. Probst, Ottobeuren (Mitglied der EWU)

Wenn man sich nach der Klinikzeit in einer kassenärztlichen  Allgemeinpraxis niederläßt, dann wird man schnell gewahr, dass im Alltag sehr vielschichtige Krankheitsbilder zu behandeln  sind, die sich meist nicht auf eine Ursache allein, etwa einen bestimmten Krankheitserreger, zurückführen lassen. Ausserdem stellt man bald fest, dass es eine bestimmte Klientel gibt, die  immer wieder mit den unterschiedlichsten  Krankheitsbildern den Arzt konsultiert.

Als gemeinsame, übergeordnete Ursache für die  meist auf unterschiedliche Organsysteme projizierten  Krankheiten läßt sich regelmäßig eine „ungesunde Lebensführung“ anschuldigen. Nicht nur die persönliche Erfahrung, sondern auch die Statistik belegt diese Zusammenhänge.  Versucht man die Patienten zum Verzicht auf die  verschiedensten liebgewordenen Fehlhaltungen  hinzuweisen, so muß leider immer wieder resigniert festgestellt werden, dass die meisten Menschen lieber krank bleiben, als ihre Gewohnheiten zu ändern.

Erst wenn man als Therapeut seine Aufmerksamkeit nicht länger auf Krankheit oder gar auf  Krankheiten, sondern auf Gesundheit konzentriert  und dem Patienten charismatisch die  Zuversicht übertragen kann, wie beglückend es ist, gesund zu sein, läßt sich der Bannkreis der  gesundheitsschädigenden Gewohnheiten dauerhaft  durchbrechen.

Dieser radikale Paradigmenwechsel weg von  Krankheit hin zu Gesundheit kann unter dem  Wellness-Motto: „Es macht Spaß, gesund zu sein“ungezählten Klienten den Weg zu dauerhaftem körperlichem und seelischem Wohlbefinden weisen.

Das Wagnis des skizzierten Paradigmenwechsels, nicht länger nur Symptome zu kurieren,  sondern Menschen zur Gesundheit zu führen und gesund zu erhalten, ermöglicht nicht nur für jeden einzelnen Therapeuten eine außerordentlich befriedigende ärztlichen Tätigkeit in  einer prosperierenden Allgemeinpraxis, sondern  hat auch eine weit darüber hinausgehende gesundheitspolitische Tragweite. Im Hinblick auf die immer dringender angemahnte gesundheitspolitische  Neuorientierung hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit  wird dem Wellness-Gedanken  in Zukunft auf allen Ebenen der Gesundheitsversorgung  eine zentrale Bedeutung zukommen.

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