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Sportmedizin und Wellness

Gastkommentar von Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h.c. Wildor Hollmann, Köln, Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und  Prävention  anlässlich des Jubiläums der  EUROPÄISCHEN WELLNESS UNION (EWU)

„Wellness" hat sich als Begriff in den vergangenen  Jahren immer stärker durchgesetzt. Richtig  verstanden sowie wissenschaftlich korrekt angewendet, verbindet der Ausdruck körperliche Aktivität, physische und psychische Entspannung  sowie andere Stimulatoren des Wohlbefindens zu einem ganzheitlichen Konzept. Dieses entspricht auch den präventivmedizinischen Vorstellungen der Sportmedizin.

Viele Jahre mühseliger Forschungsarbeit waren jedoch erforderlich, um ein medizinisch-gesundheitliches Wissen zu erarbeiten, welches die Basis für die heutige Wellness-Bewegung  darstellt.

Kein Land der Erde erfuhr einen so radikalen Umschwung von bitterster Not (zerstörte Städte, Obdachlosigkeit, Hunger, Kälte, Kleidungsmangel, Infektionskrankheiten wie Tuberkulose) zu  wachsendem Wohlstand wie die Alt-Bundesrepublik Deutschland. Der 20. Juni 1948 stellte mit der Währungsreform den Stichtag des Wandels dar. Mit Beginn der 50er Jahre trat allerdings eine bis dahin kaum gekannte Krankheit  mehr und mehr auf: der Herzinfarkt. Sogar in  kardiologischen Fachbüchern z.B. der 40er Jahre  fand er oftmals überhaupt noch keine Erwähnung. Nun aber stieg die Zahl der Herzinfarkttoten geradezu dramatisch an. Bis heute handelt  es sich in den meisten Industrieländern um die  Sterbeursache Nr. 1. Logischerweise mußte in irgendeiner Form die Lebensführung hier eine Rolle spielen (von genetischen Gründen abgesehen).

1949 hatte man in den USA eine groß  angelegte Studie mit dem Ziel der Erforschung  des Herzinfarktes begonnen, die Framingham- Studie. Sie führte 1961 zur ersten Publikation mit dem Hinweis auf die Existenz sogenannter Risikofaktoren. Körperliche Aktivität im heutigen Sinne wurde damals allerdings noch  nicht untersucht.

Deshalb stellten wir uns in den 50er Jahren die  Frage nach der gesundheitlichen Bedeutung des  stetig zunehmenden Bewegungsmangels (Ergebnis der sprunghaft ansteigenden Motorisierung und Technisierung) einerseits  sowie eines qualitativ und quantitativ unterschiedlich  durchgeführten Trainings andererseits.

Die erste einschlägige Veröffentlichung erfolgte 1963 (Hufeland-Preis des Jahres 1964). Vielfältige experimentelle Untersuchungen  bewiesen: Bewegungsmangel unterstützt die  Entstehung einer Fülle von Herz-Kreislauf- und  Stoffwechselkrankheiten, während ein Ausdauertraining  (Organtraining) dem entgegenwirkt.

Heute ist die präventive, therapeutische und rehabilitative Wirkung von körperlicher Aktivität  weltweit akzeptiert. Dabei tritt der Gedanke der  Prävention immer mehr in den Vordergrund.

Es wird in den künftigen Jahrzehnten weniger darauf ankommen, eine Krankheit zu heilen – das gehört dann gewissermaßen zur Selbstverständlichkeit – als vielmehr das Auftreten einer  Erkrankung zu verhüten.

Der Fortschritt des Wissens, kombiniert mit dem  der technischen Entwicklungen, wird die Medizin in kommenden Zeiten mit Sicherheit in den  gewünschten Stand versetzen.

Die Wellness-Bewegung wird diesen Weg unterstützen.  Für jeden Helfer sind wir dankbar.

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