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Fliegen - ohne Angst ans Ziel
von Prof. Dr. Brigitte Schellenberger, Wellness-Institut Leipzig (Mitglied der EWU)
Das Flugzeug ist die schnellste, sicherste und für viele Reisende angenehmste Art zu reisen. Aber es gibt nicht wenige Menschen – nach Schätzungen sind etwa 50 % der Flugreisenden davon betroffen – deren Freude am Reisen in ferne Länder durch Angst vor dem Fliegen getrübt wird und viele Menschen verzichten aus Angst ganz und gar auf Urlaubsziele, die nur mit dem Flugzeug erreicht werden können.
Doch nicht nur die Freude am Urlaub wird beeinträchtigt. Erfordern berufliche Verpflichtungen die Reise mit dem Flugzeug, bleiben negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit nicht aus, weil der Kampf mit der Angst im Flugzeug schon viel Kraft gekostet hat.
Die meisten Menschen wissen, dass das Flugzeug zu den sichersten Verkehrsmitteln gehört. Doch was nützt dieses Wissen, wenn der Verstand das Gefühl nicht unter Kontrolle bringen kann, die Hände feucht werden, das Herz zu rasen beginnt, der Magen rebelliert und die Muskeln verkrampfen.
Etwas Angst ist ja auch gar nicht so schlecht. Angst schützt vor Gefahren, versetzt uns in Alarmbereitschaft, aktiviert Leistungsreserven, erhöht Aufmerksamkeit und Konzentration. Doch diese Beziehungen verlaufen nicht linear. Wird die Angst zu groß, das Erregungsniveau zu hoch, verlieren wir allmählich die Herrschaft über unser Denken und Handeln. Die Kontrollfähigkeit geht verloren.
Doch kein Mensch muss mit dieser Angst leben. Angst, natürlich auch Flugangst, ist überwindbar. Das kann ganz schnell gehen.
So war ich zum Beispiel sehr überrascht über eine Ansichtskarte mit freundlichen Urlaubsgrüßen aus Neuseeland. Ich hatte mit dem Absender wenige Wochen zuvor ein nur dreistündiges Gespräch/Training zur Flugangst durchgeführt.
Die Überwindung der Angst kann aber auch ein sehr langwieriger Prozess sein. Das ist vor allem dann meist der Fall sein, wenn die Ursachen in generalisierten Ängsten liegen.
Die Analyse der Ursachen muß deshalb in jedem Trainingsprogramm einen vorrangigen Platz einnehmen.
Wo liegen die Ursachen?
Platzangst, Höhenangst, Angst vor körperlichen Beschwerden, Angst vor der Ungewissheit und Angst vor dem Verlust der Kontrollfähigkeit gehören zu den häufigsten Ursachen für die Angst vor dem Fliegen.
Beruhen die Ursachen auf Platzangst oder Höhenangst, ist die Teilnahme an einem Tages-Seminar zur Überwindung der Flugangst weniger hilfreich. Hier kommt es vor allem darauf an, langfristig, eventuell auch mit psychotherapeutischer Unterstützung die grundlegenden Ängste abzubauen. Andere Ursachen sind leichter zu beseitigen.
Die Angst vor dem Absturz kann durch eine Führung durch den Flughafen gemindert werden. Das Kennenlernen von Maßnahmen zur Flugsicherheit ist sehr hilfreich.
Oft verstärkt sich die Angst während des Fluges durch das Wahrnehmen ungewohnter Geräusche, (z.b. beim Einfahren des Fahrwerks) oder das Erspüren von Lageveränderungen des Flugzeuges (Landeanflug, Kurvenflug).
Auch hier sind Informationen über normale, zu erwartende Gegebenheiten nützlich, um aktuelle Situationen während des Fluges rational besser bewerten zu können.
Angst vor körperlichen Beschwerden ist nicht unbegründet. Verringerung von Luftdruck und Luftfeuchtigkeit stellen erhöhte Anforderungen an den Organismus, die von gesunden Menschen problemlos verkraftet werden. Menschen mit Kreislaufproblemen sollten vor einer Reise ärztlichen Rat einholen. Vor allem bei längeren Flügen können fehlende Bewegungsmöglichkeiten zu körperlichen Beschwerden führen und der Rat, regelmäßig aufzustehen und durch einen Gang durchs Flugzeug für Bewegung zu sorgen, ist sicher gerade von ängstlichen Flugreisenden schwer zu befolgen. Es gibt aber eine Vielzahl von Entspannungsübungen und Bewegungen, die im Sitzen ausgeführt werden können, muskuläre Verspannungen abbauen und Durchblutung und Kreislauf aktivieren.
Viele Menschen hält Ungewissheit über den Ablauf des Fluges davon ab, sich für eine Flugreise zu entscheiden.
Das beginnt schon mit solch einfachen Fragen: Wie muss ich mich bei der Sicherheitskontrolle verhalten? Was erwartet mich, wenn sich die Tore nach dem Einchecken hinter mir geschlossen haben? Werde ich das richtige Gate für mein Flugzeug finden? Wie lässt sich die Toilettentür öffnen oder schließen.
Auch in diesen Fällen kann die Führung durch einen Flughafen mit Besichtigung eines Flugzeuges wesentlich dazu beitragen, Ängste abzubauen – am meisten dann, wenn man die Scheu überwindet, eigenen Unklarheiten zu hinterfragen! Zu den häufigsten Ursachen für Flugangst gehört zweifellos die Sorge um den Verlust der Kontrollfähigkeit.
„Ich bin nicht nur der Flugbesatzung hilflos ausgeliefert, ich kann auch meinen eigenen Zustand, meine Angst, mein Unwohlsein nicht ausreichend unter Kontrolle halten und vor allem: ich kann nicht aussteigen“.
Hier helfen Verhaltenstechniken und die Fähigkeit zur Entspannung. Beides kann schon in einem Tagesseminar erlernt werden. Nach unseren Erfahrungen eignet sich vor allem die bewusste Atmung sehr gut.
„Beim turbulenten Rückflug haben mir die im Seminar gelernten Atemübungen über die kritischen Situationen hinweg geholfen“ So schilderte eine Seminarteilnehmerin ihre Erlebnisse. Die bewusste Atmung ist relativ leicht erlernbar, lenkt durch die Konzentration auf den eigenen Atem von anderen Problemen ab und hilft, muskuläre Verspannungen zu lösen. Ähnliche Erfolge lassen sich u.a. durch Progressive Muskelrelaxation, Imagination oder gedankliche Umstrukturierung erreichen.
Jedes Training / Seminar sollte mit der Erarbeitung eines individuellen Programms zur Vorbereitung und Bewältigung des nächsten oder ersten Fluges verbunden werden. Dieser „Fahrplan“ erhöht die Sicherheit, die im Seminar erlernten und geübten Verhaltensmuster in kritische Situationen einsetzen zu können.
Angst vor dem Fliegen? Niemand muss durch Flugangst ein Stück seiner Lebensqualität einbüßen.
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