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Vegetarische Ernährung - für Kinder geeignet?
CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH, Bonn-Bad Godesberg
Die Ernährung von Kindern wird stark von den Wertevorstellungen der Eltern geprägt. Eltern, die sich „alternativ“ ernähren, möchten meist auch ihre Kinder mit dieser Ernährungsform aufziehen. Eine der populärsten alternativen Ernährungsformen ist die vegetarische Ernährung. Dr. oec. troph. Ute Alexy, Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE), Dortmund, geht der Frage nach, ob Kinder mit einer vegetarischen Ernährung ausgewogen, d. h. ohne Defizite bei der Nährstoffversorgung, ernährt werden können.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht muss zwischen einer (ovo-)laktovegetarischen und einer veganen Ernährung unterschieden werden. Bei der (ovo-)laktovegetarischen Ernährung wird nur auf Fleisch verzichtet, Milch und Milchprodukte und z. T. Eier werden dagegen verzehrt. Bei der streng vegetarischen oder veganen Ernährung wird dagegen auf alle tierischen Lebensmittel, also neben Fleisch auch auf Milch und Milchprodukte, Eier und Fisch verzichtet.
In einer fleischfreien (ovo-) laktovegetarischen Ernährung kann besonders die Zufuhr von Eisen problematisch werden. Nur in Fleisch liegt ein Teil des Eisens als Häm-Eisen mit einer guten Bioverfügbarkeit (ca. 20 %) vor. Die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln ist dagegen deutlich geringer (ca. 2–5 %). Außerdem ist der Eisengehalt in Fleisch relativ hoch. Fleisch in einer Mahlzeit verbessert zudem die Eisenausnutzung aus pflanzlichen Lebensmitteln. Bei einer fleischfreien Ernährung muss also mehr Eisen zur Bedarfsdeckung aufgenommen werden. Pflanzliche Lebensmittel mit einem hohen Eisengehalt sind vor allem Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte. Auch manche Gemüsesorten sind eisenreich (siehe Tabelle). Die Bioverfügbarkeit von pflanzlichem Nicht- Häm-Eisen läßt sich durch das gleichzeitige Angebot von Vitamin C erheblich steigern. 75 mg Vitamin C, z. B. in 150 g Spinat oder Kohlrabi, erhöhen die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen um den Faktor 3–4.
Im Säuglingsalter ist das Risiko eines Eisenmangels besonders groß, da nach dem 4. bis 6. Lebensmonat die endogenen Eisenreserven erschöpft sind und der Eisenbedarf aufgrund des schnellen Wachstums besonders hoch ist. Da Eisen auch für das Immunsystem und die psychomotorische Entwicklung wichtig ist, hat eine ausreichende Eisenversorgung im frühen Kindesalter eine besondere Bedeutung. Nach dem Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr ist deshalb ab dem 5.–7. Lebensmonat als erster Brei ein fleischhaltiger Gemüse-Kartoffel-Brei vorgesehen.
Soll ein Säugling trotzdem vegetarisch ernährt werden, empfiehlt es sich, diesen Brei durch einen Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei mit eisenreichen Haferflocken zu ersetzen. Die Zugabe von Vitamin C-reichem Obstsaft verbessert zusätzlich die Bioverfügbarkeit von Eisen. Auch bei vegetarisch ernährten Kindern nach dem 1. Lebensjahr ist auf die richtige Kombination von eisenreichen pflanzlichen und Vitamin Creichen Lebensmitteln zu achten, z. B. Müsli mit Vollkornflocken und Frischobst, Vollkornreisauflauf mit Paprika. Milch und Milchprodukte vermindern die Eisenverfügbarkeit, daher sollten diese nicht gleichzeitig aufgenommen werden.
Bei einer streng vegetarischen Ernährung kann es zur Unterversorgung mit Energie und verschiedenen Nährstoffen, besonders Protein, Eisen, Jod, Vitamin D, B2 und B12, kommen. Eine rein pflanzliche Kost ist meistens sehr fettarm und hat daher eine geringe Energiedichte, d. h. der Energiegehalt ist, bezogen auf das Nahrungsvolumen, niedrig. Das gilt besonders, wenn ausschließlich Rohkost verzehrt wird. Wichtige Energielieferanten, wie Kartoffeln und Hülsenfrüchte, die nur gekocht verzehrt werden können, fehlen dann. Vor allem junge Kinder können hier nicht mit der erforderlichen Steigerung der Nahrungsmenge reagieren, um das Energiedefizit auszugleichen.
Die Proteinqualität von pflanzlichem Protein ist geringer als die von tierischem. Sie kann durch geeignete Kombinationen, wie Hülsenfrüchte mit Getreide, verbessert werden. Dennoch besteht bei veganer Ernährung besonders im Säuglings- und Kleinkindalter das Risiko einer unzureichenden Versorgung.
In einer gemischten Kost von Kindern und Jugendlichen stammen bis zu 60 % der Calciumzufuhr aus Milch, bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Anteil noch höher. Pflanzliche Lebensmittel dagegen sind arm an Calcium. Zudem wird die Bioverfügbarkeit von Calcium aus pflanzlichen Lebensmitteln häufig durch deren hohe Gehalte an Phytat, Oxalat und Ballaststoffen gehemmt. Ohne Milch und Milchprodukte ist es nicht möglich, die empfohlene Calciumzufuhr zu erreichen. Allerdings ist bei einer streng vegetarischen Ernährung der Calciumbedarf niedriger. Dies liegt an den erheblich geringeren Calciumverlusten über die Niere bei proteinarmer und kaliumreicher Ernährung.
Vitamin B12 stammt ausschließlich aus tierischen Lebensmitteln. Bei einer reinen Pflanzenkost sind daher Vitamin B12-Mangelerscheinungen unausweichlich. Besonders gefährdet sind gestillte Säuglinge von streng vegetarisch ernährten Müttern, deren Muttermilch keinen ausreichenden Vitamin B12-Gehalt mehr aufweist. Auch Vitamin B2 und Vitamin D stammen in einer üblichen gemischten Kost von Kindern und Jugendlichen überwiegend aus tierischen Lebensmitteln.
Zusammenfassend zeigt sich, dass eine omnivore Mischkost für die Versorgung mit Nährstoffen gerade für Kinder die größte Sicherheit bietet. In der Optimierten Mischkost, einem vom FKE entwickelten Konzept für eine Präventionsernährung von Kindern und Jugendlichen, werden daher mäßige Mengen Fleisch und Wurst (1-jährige: 30 g/ Tag, 15–18-jährige: 75 g/Tag) empfohlen. Eine (ovo-)laktovegetarische Ernährung kann jedoch für Kinder aus gesundheitlicher Sicht durchaus als Alternative zu einer herkömmlichen Kost dienen, wenn einige Regeln zur Zusammenstellung von Mahlzeiten beachtet werden. Dagegen sollte Eltern auf jeden Fall davon abgeraten werden, ihre Kinder streng vegetarisch zu ernähren, da es hierbei leicht zu Mängeln an verschiedenen Nährstoffen kommen kann.
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Eisen (mg/100g)
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Anteil Häm- Eisen (%)
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Tierische Lebensmittel Rindfleisch Schweinefleisch Putenfleisch
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2,2 1,1 1,4
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75 60 40
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Pflanzliche Lebensmittel Getreide Hafer Weizen (Vollkorn) Reis (Vollkorn) Hülsenfrüchte (trocken) Linsen Bohnen, weiß Gemüse Spinat Fenchel Feldsalat Grünkohl
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5,8 3,3 2,6
7,5 6,2
4,1 2,7 2,0 1,9
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Tabelle: Eisengehalt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln |