Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen
Guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen am Gesundheitstelefon der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Unser Thema: „Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen.“
Von heranwachsenden Kindern und Jugendlichen wird jede Menge abverlangt. Sie müssen sich in der Schule bewähren oder sich schon Gedanken über eine berufliche Zukunft machen. Sie beginnen, sich von den Eltern zu lösen und müssen ihren Platz unter Gleichaltrigen behaupten. Gleichzeitig müssen sie mit neu aufkommenden sexuellen Wünschen klarkommen. Dies führt zu vielen inneren und äußeren Konflikten.
Gleichzeitig stehen sie unter einem starken gesellschaftlichen Druck bezüglich ihrer Figur und ihres Aussehens. Medien und Mode vermitteln insbesondere den Mädchen und jungen Frauen, dass der einzige Schlüssel zum Erfolg eine schlanke Figur ist.
Viele Mädchen und junge Frauen – und übrigens immer mehr auch Jungs und junge Männer – tragen diese Konflikte im Körper aus. Sie fressen alles in sich hinein – Süßigkeiten ebenso wie Stress oder Ärger. Oder sie machen das Gegenteil, sie hungern, um wenigstens einen Bereich zu haben, in dem sie ihren sozialen Erfolg steuern und über den sie selbstständig bestimmen können. Dies kann zu schweren Essproblemen führen. Und davon ist jede dritte Schülerin und mehr als jeder zehnte männliche Schüler in Deutschland betroffen. Aber Sie als Eltern haben die Chance, die Anzeichen von Essproblemen zu erkennen und Ihrem Kind zu helfen.
Zu Essproblemen werden im Allgemeinen drei große Bereiche gezählt: die Magersucht, Adipositas, häufig als Esssucht bezeichnet und die Bulimie, deren Betroffene unter Heißhungerattacken mit anschließendem Erbrechen leiden.
Von Magersucht spricht man, wenn Betroffene es darauf anlegen, möglichst dünn zu werden. Sie reduzieren ihr Gewicht, hungern sich die Kilos regelrecht von den Rippen. Hinzu kommt meist übertriebener Sport, sowie der Gebrauch von Appetitzüglern und Abführmitteln. Dahinter steht eine fast existenzielle Angst, dick zu sein. Das Problem: die magersüchtigen Personen können mit ihrem Verhalten nicht aufhören, auch dann nicht, wenn ihr Gewicht eine lebensbedrohliche Schwelle erreicht hat.
Betroffenen fällt es schwer zuzugeben, dass sie ein Problem mit dem Essen haben, denn sie sind stolz auf ihre Hungerleistung. Wie erkennen Sie trotzdem, ob Ihr Kind „krankhaft magersüchtig“ ist, und nicht einfach nur „schlank“?
Typische Anzeichen für die Magersucht sehen so aus:
- Ihr Kind teilt sich sein Essen in winzige Portionen auf.
- Es beschäftigt sich gerne mit der Nahrungszubereitung, sammelt Rezepte, liest Kochbücher und bereitet für andere gerne üppige Mahlzeiten – bei denen es selbst sich jedoch stark zurückhält.
- Es friert ständig und trägt selbst in der Wohnung oder im Sommer dicke Pullis, was die Magersucht zunächst verdeckt.
- Die Regelblutung bleibt aus, die betroffene Person bekommt trockene Haut und brüchige Haare. Auf lange Sicht drohen starke körperliche Schädigungen.
Oft ist die Magersucht der Einstieg in die Bulimie. Missglückte Diäten und insgesamt ein stark kontrolliertes Essverhalten können ebenfalls dazu führen. Dabei werden wahllos kalorienreiche, leicht zu verzehrende Nahrungsmittel in sich hineingestopft. Dies geschieht aber meist ohne Genuss und wie im Rausch. Wenn die Betroffenen nach einer Heißhungerattacke wieder zur Besinnung kommen, soll das mit Schuldgefühlen und Ängsten verbundene „verbotene Essen“ wieder rückgängig gemacht werden – mit Erbrechen und dem Gebrauch von Abführmitteln. Zusätzlich gibt es immer wieder Zeiten mit Diäten und Fasten.
Betroffene, die unter einer Bulimie leiden haben ein ganz anderes Selbstwertgefühl als Personen mit einer Magersucht . Sie sind nicht mehr stolz auf sich, sondern empfinden ihr Verhalten als abartig, haben oft einen enormen Selbsthass, Schuld- und Schamgefühle. Die Gedanken kreisen unermüdlich ums Essen. Trotz aller Anstrengung gelingt es nicht, der Sucht Herr zu werden.
Eine Bulimie ist von außen oft schwer zu erkennen, denn das Gewicht ist meist normal, es kann zu Übergewicht bzw. zu starken Gewichtsschwankungen kommen. Anzeichen aber sind:
- Nach jedem Essen verschwindet das Kind lange im Bad.
- Sie hören Geräusche von dort, es liegt außerdem ein leicht beißender Geruch in der Luft.
- Das Kind zeigt Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, angegriffenes Zahnfleisch und Zahnschmelzschäden.
- Es hat häufig Halsschmerzen und Magenbeschwerden.
Ein weiteres großes Essproblem ist die Esssucht, auch Adipositas genannt. Betroffene Personen essen regelmäßig zu viel. Sie spüren nicht mehr, ob sie Hunger haben und essen ohne Sättigungsgefühl immer weiter. Auch für sie hat Essen nicht mehr nur etwas mit Genuss zu tun. Im Gegensatz zu den beiden anderen Essstörungen geht man heute davon aus, dass die Esssucht weniger durch psychische Probleme ausgelöst wird. Oft sind eine erbliche Veranlagung und langfristig ungesunde Ernährungsgewohnheiten dafür verantwortlich. Durch häufige Diäten und Fastenkuren wird diese Veranlagung verstärkt, weil es dann zum „Jo-Jo“ Effekt kommt, der das Gewicht erst richtig durcheinander bringt.
Wie erkennen Sie, ob Ihr Kind adipös ist?
- Meist isst es schneller und mehr, als normalerweise üblich, oder es schlingt das Essen hinein.
- Das Essverhalten kann tagsüber normal oder kontrolliert sein, Heißhunger tritt bei Langeweile und Stress verstärkt auf.
- Das Kind ist übergewichtig.
Sie haben jetzt drei Formen von Essproblemen kennen gelernt. Jetzt stellt sich die Frage, was Sie unternehmen können, wenn sie Anzeichen dafür bei Ihrem Kind bemerken.
Haben Sie den Mut, Ihr Kind darauf anzusprechen, dass Ihnen eine Veränderung aufgefallen ist und Sie sich Sorgen machen. Sicher wird es abblocken. Aber es merkt, dass sich jemand Sorgen macht.
Verlangen Sie nicht, dass das Kind seine Probleme mit dem Essen zugeben muss. Sie können Ihrem Kind aber dabei helfen, sein Selbstwertgefühl zu korrigieren. Es muss lernen, das Selbstwertgefühl nicht nur aus dem Aussehen zu ziehen, sondern darüber hinaus noch andere Quellen zu erleben.
Eine ausgeprägte Essstörung ist eine Krankheit und bedarf einer Therapie. Viele Kliniken mit psychosomatischen oder Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilungen bieten in ihrer Ambulanz eine Beratung dazu an. dort kann man sich dann über das weitere Vorgehen beraten lassen. Dies kann eine Weiterbehandlung beim Hausarzt, eine ambulante Psychotherapie, ein stationärer Aufenthalt oder ein Kombination sein.
Bei konkreten Fragen bekommen Sie und die betroffenen jungen Menschen auch Hilfe im Pfalzinstitut in Klingenmünster. Rufen Sie dort in der Zeit von Montag bis Donnerstag 15.00 bis 16.00 Uhr unter der Nummer 06349-900-3333 an.
Sie finden diesen Text auf der Homepage der LZG unter www.lzg-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Karmeliterplatz 3, 55116 Mainz, Telefon 06131/2069-0.
Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!






