Diäten im Vergleich
Weihnachten und Neujahr sind kaum vorbei, und schon prangen Diätangebote von allen bunten Blättern. Glauben auch Sie, Sie müssten mal wieder ein bisschen abspecken? Weil das Faschingskostüm von vor drei Jahren kneift. Oder weil Ihr Bauch eher einem Waschbären als einem Waschbrett gleicht. Reicht die Zeit noch für eine ausgewogene, "gesunde" Diät oder muss es mal wieder eine Crash-Kur sein? Überlegen Sie es sich gut, ob Sie auch dieses Jahr am Diätenwahn teilnehmen.
Finger weg von Pillen und Wundermitteln
Inzwischen sollte es sich
herumgesprochen haben: Mit einseitigen Diäten wie etwa der
klassischen Kartoffel-, Ananas- oder Eier-Variante lassen sich
zwar schnell ein Paar Pfund abnehmen, die Crash-Kuren sind jedoch
extrem ungesund! Doch zum Glück sind einem die ewigen Kartoffeln,
Eier oder Ananas schnell zuwider: Die Stimmung sinkt, die Diät
wird abgebrochen und durch alte Essgewohnheiten ersetzt. Folglich zeigt
auch das Display der Waage fast ebenso rasch wieder das alte Gewicht an
- oder auch ein bisschen mehr.
Also muss es anders gehen. Immerhin ist das Angebot an Abspeckmethoden
groß wie nie. Neben Diäten erfreuen sich allerlei andere
Abspeckhilfen großer Beliebtheit, von diversen Schlankheitstees
bis hin zu Akupunktur-Ohrringen. Diesen Wundermitteln ist
gemeinsam, dass mit ihnen lediglich das Portemonnaie schlanker
wird. Das Geld ist bei einem guten Italiener oder auf dem
Wochenmarkt sicher besser angelegt.
Auch Abführ- und Entwässerungsmittel werden gerne als
Schlankheitsmittel missbraucht. Sie können zwar kein Fett zum
Schmelzen bringen, schwemmen aber Wasser aus dem Körper - und das
zeigt sich auf der Waage. Was harmlos klingt, kann schwerste
Nebenwirkungen zur Folge haben, wie Thrombosen, Bluthochdruck,
Müdigkeit, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen. Außerdem wird
der Darm träge, es drohen Verstopfungen bis hin zur Darmlähmung.
Gefährlich ist es auch, die Mittel nach längerer Einnahme plötzlich
abzusetzen. Also langsam ausschleichen.
Vielleicht hilft ja ein vom Arzt verschriebenes Mittel wie der
Enzymblocker Xenical gegen die ungeliebten Pfunde. Hinter dem
Handelsnamen verbirgt sich der Wirkstoff Orlistat, der die Fett
verdauenden Enzyme hemmt. Auf diese Weise landet immerhin ein
Drittel des verzehrten Fettes "ungenutzt" in der Toilette - auf
den ersten Blick das Paradies auf Erden: Essen wie immer und dabei
abnehmen, weil ein Drittel der Fettkalorien im Orkus verschwinden?
Schön wär´s. Wer den Enzymblocker nimmt, muss gleichzeitig eine
fettarme Ernährung einhalten, damit nicht zuviel davon den Darm
passiert. Wer das nicht tut, wird eine unangenehme Überraschung
erleben, denn das ungenutzte Fett verlässt den menschlichen Körper
ungebremst und tropft ungeniert in die Unterwäsche.
Mit Hilfe von Xenical lässt sich zwar Gewicht verlieren, nach dem
Absetzen des Medikamentes steigt es jedoch wieder an, wenn auch
etwas langsamer als üblich. Außerdem ist während der Einnahme der
Pillen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine vermindert, und es ist
noch immer nicht eindeutig geklärt, ob das Mittel langfristig
Brustkrebs fördern kann.
Also doch lieber den Appetitzügler Reductil? Dessen Wirkstoff
Sibutramin bremst den Appetit gleich im Kopf, so dass erst gar
kein großer Hunger entsteht. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern,
die abhängig machten und unheilbaren Lungenhochdruck auslösen
konnten, scheint mit Reductil endlich ein sicherer Appetithemmer
auf dem Markt zu sein. Doch ganz "ohne" ist auch diese Pille
nicht, denn bei manchen Anwendern kommt es zu hohem Blutdruck. Und
selbstredend steigt das Gewicht wieder an, sobald das Medikament
abgesetzt wird. Es sieht so aus, als wäre eine "ordentliche" Diät doch
unumgänglich.
Moderne Diäten: Darf´s ein bisschen mystisch sein?
Sehr en vogue sind derzeit
Ernährungsformen, denen spezielle Erklärungsmodelle zugrunde
liegen, wie z.B. die diversen Varianten der Hay´schen Trennkost.
Sie geht davon aus, dass es gesünder ist, wenn wir konzentrierte
Kohlenhydrate (z.B. Brot, Kartoffeln, Nudeln) nicht zusammen mit
konzentrierten Eiweißen verspeisen (z.B. Fleisch, Käse). Dazu
kommen noch Vorschriften über den Anteil so genannter basenbildender
und säurebildender Lebensmittel. Ernährungswissenschaftler
kritisieren an dieser Kostform, dass es keine Belege für einen
gesundheitlichen Nutzen der Trenn-Vorschriften gibt. Manche
befürchten gar eine Mangelernährung, weil zu wenig Kohlenhydrate
empfohlen werden. Diese Sorge ist aber unbegründet.
Immerhin, mit der Trennkost haben schon viele Menschen abgenommen.
Woran liegt´s? Der Körper schert sich wenig um theoretische
Erklärungsmodelle. Vielleicht ist gerade der geringere
Kohlenhydratanteil hilfreich. Und: Wer statt Leberwurstbrot
Tomatenbrot isst, nimmt weniger Kalorien zu sich und kann so
Gewicht verlieren. Außerdem ist die Trennkost gut für die Psyche,
denn sie verbietet nichts. Die "Erlaubnis", alles essen zu dürfen,
solange es nur getrennt wird, hilft offenbar Heißhungerattacken
und Fressanfälle, die bei strengen Diäten häufig vorkommen, zu
verhindern. Ob das verringerte Gewicht auch gehalten werden kann,
steht bei der Trennkost allerdings ebenso in Frage wie bei allen
anderen Diäten.
Wie die Trennkost, so weicht auch die Blutgruppen-Diät des
amerikanischen Arztes d´Adamo vom ausgetretenen Diätenpfad ab. Er
postuliert, dass es nicht eine einzige richtige Ernährung für alle
geben kann, sondern dass für jeden etwas anderes gesund ist, je
nachdem, welche Blutgruppe er hat. Erklärt wird die
unterschiedliche Verträglichkeit mit den Lektinen der Lebensmittel.
Lektine sind Eiweiße, die rote Blutkörperchen zum Verklumpen bringen
können. Manche Lektine wirken blutgruppenspezifisch, das heißt,
sie verklumpen das Blut nicht bei jedem.
So sollen Menschen mit Blutgruppe 0 für eine fleischreiche Kost
geeignet sein, aber kein Getreide vertragen. Jenen mit Blutgruppe
A wird dagegen eine überwiegend vegetarische Kost empfohlen. Wer
sich gemäß seiner Blutgruppe ernährt, soll sich fitter und
leistungsfähiger fühlen, Gewichtsprobleme sollen "langsam aber
sicher" verschwinden.
Was zunächst abenteuerlich klingt, hat doch einen wahren Kern. Sicher
ist, dass es die eine richtige Ernährung für alle nicht gibt. Auch
werden z.B. die Lektine des Weizens tatsächlich als
Krankheitsauslöser diskutiert. Allerdings geht d´Adamo in seinen
Aussagen über die Vorteile der Blutgruppen-Ernährung zu weit -
ohne Belege liefern zu können, etwa über die versprochene
Gewichtsnormalisierung. Wäre die Blutgruppe wirklich so wichtig
für die Ernährung und würden alle Lektine das Blut verklumpen, müssten
ständig Menschen tot umfallen, weil sie etwas "Falsches" gegessen haben.
Sind "gute" Diäten besser?
Also doch lieber die gute alte
Brigitte-Diät oder eine Mitgliedschaft bei den Weight Watchers?
Immerhin wird hier gesunde Ernährung gelernt: Viel Gemüse und
Obst, möglichst frisch und vitaminreich zubereitet. Etwas Fleisch
und Wurst, aber ja nicht zuviel Fett. Dafür gibt´s reichlich
Kohlenhydrate und Ballaststoffe, selbst hie und da etwas Süßes und
ein Glas Wein oder Bier sind erlaubt.
Die Klassiker unter den "guten" Diäten sind liberaler geworden: So
zählt man bei Brigitte schon lange keine Kalorien mehr, sondern
beschränkt allein die Fettzufuhr. Die Weight Watchers sind sogar
noch einen Schritt weiter gegangen und arbeiten mit so genannten
"points". Für jeden Monat wird individuell eine Höchstmenge an
Punkten festgelegt, deren "Erfüllung" den persönlichen
Essgewohnheiten angepasst werden kann. Damit ist die alte
Einteilung in "gute" und "böse" Lebensmittel passé. Süßigkeiten lassen
sich ebenso einplanen wie Fettes, Festessen oder kalorische
"Ausrutscher" im Urlaub. Die meisten Früchte und Gemüse haben null
points, man kann also davon essen, soviel man möchte. Auf diese
Weise wird eine obst- und gemüsereiche Ernährung gefördert, ohne
erhobenen Zeigefinger und ohne andere Lebensmittel schlecht zu
machen.
Sind also die "guten" Diäten die Lösung? Sie galten lange als die
gesündeste Art abzunehmen. Inzwischen weisen jedoch viele neue
Studien darauf hin, dass sich auch mit fettreicheren und vor allem
mit eiweißreichen Diätformen gut abnehmen lässt, vermutlich sogar
besser als mit den fettarmen Varianten. Eines haben jedoch alle
Diäten gemeinsam: Sie können nicht garantieren, dass das
verringerte Gewicht erhalten bleibt - egal, ob man sich weiterhin an
die Vorschriften hält oder nicht!
(s. auch Schlankheitsmittel im Test, gebührenpflichtig bei der Stiftung
Warentest, Stand Januar 2003)






